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Chinas Maßnahmen als Vorbild? Lockdown-Maßnahmen wirken offenbar

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Restaurant und Kneipen bleiben in Deutschland vorerst geschlossen.

(Foto: imago images/Emmanuele Contini)

Ausgangsbeschränkungen, Selbstisolationen und Schulschließungen sind aus persönlichen, wirtschaftlichen und medizinischen Gründen umstritten. Dabei sind solche Maßnahmen derzeit das einzige Mittel, um Leben zu schützen, wie aktuelle Analysen zeigen.

Als China verkündete, Wuhan als Zentrum des Corona-Ausbruchs und andere Städte in der Provinz Hubei ab 23. Januar 2020 vollständig abzuriegeln, reagierte die Welt fassungslos. Nun zeigen die ersten Untersuchungen, dass die chinesische Regierung zwar drastisch, aber offenbar richtig reagiert hat. Mit den rigorosen Maßnahme konnten im Land womöglich mehr als 700.000 Infektionen verhindert werden. Das haben Forscher aus China, den USA und Großbritannien herausgefunden. "Chinas Maßnahmen scheinen gewirkt zu haben, indem die Übertragungskette erfolgreich durchbrochen wurde", erklärt Christopher Dye, Epidemiologe von der University of Oxford.

In einem gemeinsamen Papier, das bei "Science" veröffentlicht wurde, teilten die Forscher mit, dass es ohne das Reiseverbot, ohne die Schließung öffentlicher Einrichtungen, Verkehrsmittel und ohne die anderen Maßnahmen bis Ende Februar 744.000 (plus/minus 156.000) bestätigte Covid-19-Fälle außerhalb von Wuhan gegeben hätte. Für ihre Berechnungen verwendeten die Forscher eine Reihe von Fallberichten, Informationen der chinesischen Gesundheitsbehörden und Handy-Daten von chinesischen Bürgern. Die Ortung von Mobiltelefonen habe einen "faszinierenden" neuen Datensatz geliefert, sagte Ottar Bjornstad von der US-Universität Penn State, der als Biologe ebenfalls an den Berechnungen beteiligt war.

Ähnliche Ergebnisse für Todesfälle

Gleichzeitig melden sich britische Epidemiologen, die ähnliche Analysen erstellt haben. Die Forscher um den Epidemiologen Neil M. Ferguson berechneten die Wirkungen der verhängten Lockdown-Maßnahmen in Europa. Die Einschränkungen des privaten und des öffentlichen Lebens von Anfang bis Mitte März habe zwischen 21.000 und 120.000 Todesfälle verhindert, schreiben die Forscher in ihren Ausführungen, die das Imperial College London veröffentlicht hat. Ohne die zahlreichen Beschränkungen wären den Berechnungen der Forscher zufolge schon deutlich mehr Menschen gestorben. Das Team geht davon aus, dass in den elf europäischen Ländern bis Ende März mindestens 59.000 Todesfälle verhindert worden sein könnten, die meisten davon in Italien und Spanien. Für Deutschland werden 550 verhinderte Todesfälle angegeben, da sich die Ausbreitung der Krankheit noch immer am Anfang befinde.

Die Forscher vermuten zudem, dass die Zahl der Infizierten deutlich höher ist als die Zahl der bestätigten Fälle. Den Berechnungen zufolge waren in Italien bis Ende März 5,9 Millionen Menschen infiziert. Das entspräche knapp zehn Prozent der Bevölkerung. Für Spanien werden 7 Millionen Infizierte geschätzt. Das wären 15 Prozent der Gesamtbevölkerung des Landes. Für Deutschland haben die Forscher eine Zahl von 600.000 angegeben. Das wären 0,72 Prozent der Bevölkerung.

Obwohl die Maßnahmen offenbar die erhofften Wirkungen haben, macht sich Ferguson, der als Professor für mathematische Biologie arbeitet, keinerlei Illusionen über ein Ende der Pandemie. Die Anzahl der Infizierten sei zu diesem Zeitpunkt noch viel zu niedrig, um die sogenannte Herdenimmunität zu erreichen.

Quelle: ntv.de, jaz