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Ganz unbewusst werden Kinder öfter auf der linken Seite gehalten.
Ganz unbewusst werden Kinder öfter auf der linken Seite gehalten.(Foto: imago/Science Photo Library)
Donnerstag, 11. Januar 2018

Nicht nur bei Menschen: Mütter tragen Babys lieber links

Einkäufe, Wickeltasche und Kind müssen in den vierten Stock gebracht werden. Junge Eltern scheinen dafür besondere Kräfte zu haben. Dabei gibt es eindeutig eine bevorzugte Seite, an der das Kind getragen wird - ganz unbewusst und nicht nur bei Menschen.

Babys werden vor allem auf der linken Seite getragen. Das haben Forscher in früheren Studien mit Menschen und Primaten herausgefunden. Zwischen 70 und 80 Prozent der Mütter bevorzugten demnach ihre linke Körperseite zum Halten und Tragen ihrer Sprösslinge. Die Entscheidung dafür geschieht nicht bewusst und scheint auch nicht von der Links- oder Rechtshändigkeit der Mutter abzuhängen. Es ist vielmehr eine unterbewusste Handlung, die etwas mit der Vernetzung der Körperseiten und der Gehirnhälften zu tun habe, erklärten die Forscher. Die rechte Hälfte im Gehirn wird vor allem der Verarbeitung von sozialen Informationen zugeschrieben.

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Doch diese Erkenntnisse reichten den Wissenschaftlern der Universität St. Petersburg nicht aus. Sie wollten wissen, ob es diese Vorliebe auch bei anderen Säugetieren gibt und was diesem Verhalten zugrunde liegen könnte. Sie untersuchten deshalb das Verhalten von verschiedenen Spezies und stellten schließlich fest, dass sich die Nachkommen von Arten, die von Anfang an mobil und nicht ständig an der Seite Mutter sind - wie zum Beispiel von Rentieren, Schafen und Kängurus - auf die rechte Seite ihrer Mütter gehen, wenn sie sich diesen von hinten nähern.

Vorlieben bei Walrössern und Flughunden

Die Forscher untersuchten nun die Aufzucht von 73 Walrössern und 266 indischen Flughunden genauer. Von beiden Arten ist bekannt, dass sich Mütter und ihre Nachkommen Seite an Seite aufhalten. Sie stellten fest, dass sich sowohl Walrossmütter als auch -kälber in Gegenüberstellung und in Ruhe die linke Seite ihrer Gesichtsfelder bevorzugten. Und auch die Flughunde hielten sowohl beim Ausruhen als auch bei der Fellpflege hauptsächlich die linke Gesichtshälfte ihrem Gegenüber entgegen. Dabei spielte es auch keine Rolle, welche Brustwarze beim Säugen gerade gewählt worden war.

Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass das Zudrehen der linken Gesichtshälfte einen echten Vorteil für Mutter und Kind gibt und mehr ist als nur die bessere Verarbeitung von sozialen Informationen. Die Vorliebe scheint evolutionär entstanden zu sein. Es ist wahrscheinlich, dass Mütter auf diese Art und Weise auch potentielle Bedrohungen aus der Umgebung besser wahrnehmen konnten.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher in der Fachzeitschrift "Nature".

Quelle: n-tv.de