Wissen

Preise mehr als doppelt so hoch Neue Medikamente oft ohne Mehrwert

db29fba671f05783a2b84e8f3dfc751f.jpg

Neue Medikamente verursachen höhere Kosten - doch bringen sie auch dem Patienten etwas?

(Foto: dpa)

Die Kosten für Medikamente steigen. Vor allem, wenn Pharmafirmen neue Präparate auf den Markt bringen. Doch bringen diese etwas? Eine aktuelle Studie fällt ein äußerst kritisches Urteil.

Neue, teure Arzneimittel gegen Krebs und andere schwere Krankheiten bringen den Patienten laut einer Studie in aller Regel keinen Durchbruch bei der Therapie. Der Mehrwert sei oft fraglich, geht aus dem in Berlin vorgestellten Innovationsreport 2016 der Universität Bremen im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) hervor. Von den 23 neuen Medikamenten des Jahres 2013 gab es in 15 Fällen bereits zuvor andere Arzneitherapien mit oft demselben Wirkungsmechanismus.

Der TK-Report bewertet die Mittel mit Ampelfarben. Nur eines der untersuchten Präparate erreichte die grüne Bestnote. Neun Mittel bewertete der Report mit "gelb", 13 nur mit "rot". Es gebe also kaum echte Innovationen, kritisierten die Studienautoren. Zumindest durch einige der neuen Mittel seien aber Fortschritte erzielt worden, sagte der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Wolf-Dieter Ludwig.

Neben der Frage, ob Patienten auch auf andere Mittel zurückgreifen können, wurde nach dem zusätzlichen Nutzen der neuen Mittel und den Mehrkosten gefragt. Die sind demnach beträchtlich: Der Durchschnittspreis pro Packung habe sich "im Jahr nach der Markteinführung für ein neues Arzneimittel mehr als verdoppelt", heißt es. Die Neuheiten des Jahres 2012 kosteten demnach durchschnittlich 670 Euro pro Packung, die neuen Arzneimittel des Jahres 2013 hingegen 1418 Euro.

Warnung vor höheren Zusatzbeiträgen

Die TK beklagte, dass das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz aus dem Jahr 2011 "die in die Neuregelung gesetzten Hoffnungen bislang nicht erfüllt" habe. Nun geplante Veränderungen führten zudem "in die falsche Richtung". So solle etwa vom Prinzip abgewichen werden, dass ein neues Medikament nur teurer sein dürfe, wenn es im Vergleich zu einer bestehenden Therapie einen Zusatznutzen habe.

Die TK warnte in diesem Zusammenhang vor höheren Zusatzbeiträgen für Versicherte. Die gesetzlichen Krankenkassen klagen seit längerem über stark steigende Arzneimittelpreise.

Quelle: ntv.de, mli/dpa/AFP