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"Neue Ära der Erdbeobachtung" Satelliten sind Katastrophenhelfer

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Satellitenbilder von Kathmandu vor und nach Erdbeben am 25. April 2015.

(Foto: dpa)

Satelliten helfen schon jetzt dabei, nach Katastrophen wie kürzlich in Nepal die Hilfe zu verbessern und optimieren. Heute gibt es bereits Aufnahmen "nahe an der Echtzeit" - und die Technik soll sogar noch besser werden.

Nach Naturkatastrophen wie jüngst in Nepal können Satelliten Experten zufolge künftig schneller Daten liefern und die Hilfe vor Ort unterstützen. Künftig werde sich die Technik weiter verbessern, kündigte Helmut Staudenrausch vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) an. "Wir stehen vor einer neuen Ära der Erdbeobachtung", sagte er im Vorfeld des Internationalen Symposiums für Erdfernerkundung (ISRSE). Die Konferenz, zu der rund 750 Teilnehmer erwartet werden, beginnt heute in Berlin und endet am Freitag.

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Helfer, wie hier in Balaju, Kathmandu, können sich dank der Satelliten ein Bild von verschütteten Orten machen.

(Foto: dpa)

Nach dem Erdbeben Ende April in Nepal können sich Helfer dank mehrerer Satelliten ein Bild von verschütteten Orten, freien Straßen und möglichen Landeplätzen für Hubschrauber machen. Die aktuelle Technik ermöglicht es laut DLR, aus 800 Kilometern Entfernung noch Objekte zu erkennen, die kleiner als ein Meter sind. Laserbasierte Übertragungssysteme sollen Daten besonders schnell verfügbar machen.

Je nach Satellit und Umlaufbahn seien heute Aufnahmen "nahe an der Echtzeit" verfügbar - mit etwa 20 Minuten Verzögerung, sagte Staudenrausch. Typischerweise vergingen sonst selbst unter günstigen Voraussetzungen oft noch 90 bis 180 Minuten. Neuere, mit Radar ausgestattete Satelliten sind zudem unabhängig von Wetter und Tageslicht, was im Fall einer Katastrophe besonders wichtig ist.

"So viele Daten wie nie zuvor"

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Sentinel-2A, der 400 Millionen Euro teure Satellit, in Ottobrunn.

(Foto: dpa)

Ein Fortschritt sei das Programm "Copernicus" der Europäischen Union und der Europäischen Raumfahrtagentur Esa, das in wenigen Wochen weiter Fahrt aufnimmt: Für den 12. Juni ist der Start des Satelliten "Sentinel-2A" geplant, Ende 2015 soll nach Esa-Angaben ein weiterer folgen. Vor etwas mehr als einem Jahr war der erste Satellit der Reihe gestartet. Insgesamt sind sechs Serien geplant, teils als Konstellationen à zwei Satelliten. Sie sollen jeweils mindestens sieben Jahre im All bleiben.

"Die Satelliten produzieren so viele Daten wie nie zuvor", erläuterte John Lewis, Geschäftsführer des an der Entwicklung beteiligten Unternehmens Telespazio Vega, jüngst bei einer Diskussionsrunde in Berlin. Bislang werden die Daten unter anderem von Behörden und Institutionen genutzt, aber auch Firmen können damit etwa Apps entwickeln.

"Bald haben wir ein Routineprogramm, das uns verlässlich und ununterbrochen mit Daten versorgt", sagte Staudenrausch. Diese sollen auch helfen, Veränderungen auf der Erdoberfläche zu analysieren und zu prognostizieren: Schädliche Algenteppiche auf Ozeanen, schmelzende Gletscher oder die Entwicklung von Ernten. Mit solchen Möglichkeiten könnten die Programme auch zur Einhaltung von Klima- und Umweltschutzzielen beitragen, betonte der Experte.

Quelle: n-tv.de, Gisela Gross, dpa

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