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Ultima Thule trägt weißen Kragen Scharfes Foto vom "Schneemann" im All

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Ein Objekt, das aussieht wie zwei: Ultima Thule vom Rand des Sonnensystems.

(Foto: NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute)

Vom Rand des Sonnensystems erreichen neue Fotos der Sonde "New Horizons" die Erde. Die Aufnahmen zeigen das mysteriöse Objekt Ultima Thule mit bisher nicht gesehener Genauigkeit. Unterdessen versuchen Forscher, dessen Rätseln auf den Grund zu gehen.

Langsam wird das Bild vom dem merkwürdigen Objekt am Rande des Sonnensystems immer klarer. Fast drei Wochen nach dem Vorbeiflug der Raumsonde "New Horizons" an 2014 MU69 - so der offizielle Name - erreicht die bisher schärfste Aufnahme die Erde. Sie zeigt neue Details des etwa 30 Kilometer großen Objekts, das aus zwei sich berührenden Teilen besteht. Wegen dieser ungewöhnlichen Form erhielt es den Spitznamen "Schneemann". Noch bekannter ist aber die Bezeichnung "Ultima Thule".

Kuipergürtel

Der Kuipergürtel ist ein Bereich des Sonnensystems, der jenseits des achten Planeten Neptun liegt. Er wird von Millionen kleiner Eiskörper bevölkert. Diese werden auch Kuipergürtelobjekte genannt. Das bekannteste von ihnen ist der Zwergplanet Pluto. Aber auch Ultima Thule zählt dazu. Der Kuipergürtel ist etwa 30 bis 50 Astronomische Einheiten (AU) von der Sonne entfernt. Eine AU entspricht der mittleren Distanz zwischen Sonne und Erde.

Das jüngste Foto von Ultima Thule schoss "New Horizons" bereits am 1. Januar. Wegen der großen Distanz zwischen Sonde und Erde dauert es jedoch sehr lange, bis die Daten ankommen. Das Bild wurde aus 6700 Kilometern Entfernung aufgenommen, kurz vor der größten Annäherung der Sonde an das mysteriöse Objekt. Gut zu sehen ist darauf der weiße Kragen an der Stelle, wo sich die beiden kugeligen Teile - "Ultima" und "Thule" - berühren. Er gibt Forschern weiterhin Rätsel auf.

Planetenforscher Ulrich Köhler vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat sich die Aufnahme von Ultima Thule ebenfalls angeschaut. "Möglicherweise handelt sich bei dem hellen Kragen um frischeres Material, welches bei der Kollision beider Teile hervorgetreten ist - oder um ein Material von etwas anderer mineralogischer Zusammensetzung", sagt Köhler zu n-tv.de. Zusammenstöße von Objekten im Kuipergürtel, das habe man auch aus der "Rosetta"-Mission gelernt, liefen oft sehr sanft ab.

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Allerdings könne es auch sein, dass "Ultima" und "Thule" bereits vor Milliarden Jahren kollidierten, was gegen die These vom frischen Material sprechen würde, sagt Köhler. Eine andere Erklärung sei, dass von den beiden Teilen Material an der Nahtstelle abrutscht. Es sei dann deshalb etwas heller, weil der Prozess der Verwitterung infolge von Strahlungs- und Mikrometeoriten noch nicht so weit fortgeschritten ist, dass sich die Farben wieder angeglichen hätten.

Was verursachte die kleinen Krater?

Auch bisher unbekannte Details enthüllt die neue Aufnahme: An der Kante zwischen Licht und Schatten - der Tag-Nacht-Grenze des Kuipergürtel-Objekts (KBO) - sind kleine Krater erkennbar. Unklar ist laut Nasa, ob diese durch Einschläge kleinerer Objekte oder geologische Aktivitäten verursacht wurden. Möglich ist etwa, dass an diesen Stellen die Oberfläche eingebrochen ist oder die Vertiefungen durch Ausgasungen entstanden.

"In den kommenden drei Monaten wird es weitere Bilder in Farbe und mit höherer Auflösung geben", wird Forschungsleiter Alan Stern vom Southwest Research Institute im US-Bundesstaat Colorado in einer Mitteilung der Nasa zitiert. Die würden es hoffentlich ermöglichen, "die vielen Geheimnisse von Ultima Thule zu lüften".

Nächstes Ziel noch offen

Die Sonde "New Horizons" ist derzeit rund 6,6 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt. Mit einer Geschwindigkeit von fast 51.000 km/h entfernt sie sich von der Sonne und Ultima Thule. Mittlerweile hat sie den "Schneemann" bereits 35 Millionen Kilometer hinter sich gelassen.

Bevor sie an Ultima Thule vorbeiflog, hatte "New Horizons" im Juli 2015 weltweit mit dem Vorbeiflug am Zwergplaneten Pluto für Aufsehen gesorgt. Damals entstanden die ersten detailreichen Aufnahmen der Oberfläche des ehemaligen neunten Planeten. Wohin die Reise von "New Horizons" als Nächstes geht, steht noch nicht genau fest. Der Vorbeiflug an einem weiterem Objekt im Kuipergürtel wird von der Nasa in Erwägung gezogen. Die Sonde hat genug Energie und Treibstoff mit an Bord, um unter normalen Bedingungen bis in die 2030er-Jahre arbeiten zu können.

Quelle: n-tv.de