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Donnerstag, 24. November 2016

Macho-Studie: Sexisten werden häufiger depressiv

Für Frauen ist Macho-Gehabe einfach nur nervig. Doch nicht nur Frauen leiden unter Sexismus, wie eine Studie offenbart. Auch für die "Täter" selbst sieht es ganz schlecht aus.

"Pack sie an der Muschi. Du kannst alles machen." "Ich hab versucht, sie zu fi***en. Sie war verheiratet." Dass Sprüche wie diese und Sexismus im Allgemeinen Frauen schadet, dürfte klar sein. Dass Sexismus auch Männern nicht gut bekommt, ist neu. Womöglich setzen Männer mit frauenfeindlichem Verhalten ihre psychische Gesundheit aufs Spiel. Darauf deutet zumindest eine aktuelle Studie von Psychologen der Indiana University of Bloomington hin.

Trotz seiner frauenfeindlichen Macho-Sprüchen zum neuen US-Präsidenten gewählt: Donald Trump.
Trotz seiner frauenfeindlichen Macho-Sprüchen zum neuen US-Präsidenten gewählt: Donald Trump.(Foto: imago/UPI Photo)

Genauer gesagt handelt es sich dabei um eine Metaanalyse: In dieser fassten Wissenschaftler aus den USA und Singapur die Ergebnisse von 78 Studien zusammen, in denen es um den Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit und bestimmten Männlichkeitsvorstellungen geht. Dabei konzentrierten sich die Forscher um den Psychologen Joel Wong auf elf Aspekte der "amerikanischen Männlichkeit". Dazu gehörten unter anderem der Wunsch zu siegen, die Sucht nach Macht über Frauen, die Verachtung von Homosexualität, das Bestreben nach Sex mit vielen Frauen oder den eigenen Status. Insgesamt wurden die Daten von knapp 20.000 Teilnehmern über einen Zeitraum von elf Jahren ausgewertet.

Depressionen, Stress, Drogenmissbrauch

Das Ergebnis: Generell tendieren Männer mit streng maskulinen Normen zu einer geringeren Lebenszufriedenheit. Das gelte besonders für drei Eigenschaften: Wer sich als Playboy einschätzt, als besonders unabhängig von anderen oder wer "Macht über Frauen" zu besitzen glaubt, dem geht es, den Autoren der Studie zufolge, besonders schlecht. Männer die sich als Playboys sehen, neigen eher zu Depressionen, Stress, Drogenmissbrauch und anderen psychischen Beschwerden.

"Sexistische Einstellungen sind also nicht nur ungerecht, sie schaden auch den Männern, die sie äußern", stellt Wong, Hauptautor der Studie, klar. Zwar zeige die Analyse keinen direkten kausalen Zusammenhang, doch die Wissenschaftler vermuten, dass Männer mit sexistischem Verhalten ein schlechteres Verhältnis zu Frauen haben. Diesen Männern falle es prinzipiell schwerer, innige Beziehungen zu führen, schreiben die Forscher in ihrer Studie, die jüngst im Journal of Counseling Psychology veröffentlicht wurde. Dies betreffe eben nicht nur die Beziehungen zu Frauen, auch zu Familie, Freunden und Verwandten verlieren Macho-Männer eher den Kontakt, weil diese sich von ihnen abwenden - und das kann dann zu Einsamkeit und Depression führen.

Letzteres ist aber bereits Interpretation, denn wie die Autoren der Studie selbst betonen, handelt es sich bei ihren Ausführungen um Zusammenhänge und nicht um Ursache und Wirkung. Psychische Erkrankungen könnten also eher zu sexistischen Ansichten führen - oder umgekehrt.

Quelle: n-tv.de