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Deutschlands erster Raumfahrer Sigmund Jähn feiert 80. Geburtstag

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Sigmund Jähn (r.) und sein sowjetischer Kollege Waleri Bykowski im Jahr 1978.

picture alliance / ADN-Zentralbi

Fast 40 Jahre ist es her: Im August 1978 startet ein Mann aus dem kleinen Ort Morgenröthe-Rautenkranz ins All. 125 Mal umrundet er die Erde. Danach wird er zum Medienstar - und zum DDR-Volkshelden.

Vor fast 39 Jahren schrieb ein Mann aus dem kleinen vogtländischen Ort Morgenröthe-Rautenkranz Weltraumgeschichte: Als erster Deutscher flog Sigmund Jähn am 26. August 1978 ins All und umrundete an Bord einer sowjetischen Raumstation die Erde. Nach seiner Rückkehr wurde der Kosmonaut zum Medienstar und DDR-Volkshelden. Jedes Kind in der DDR kannte seinen Namen. Auch nach seinem Ausflug ins All blieb Jähn, der am Montag seinen 80. Geburtstag feiert, der Raumfahrt verbunden.

Den Grundstein für seine Kosmonautenkarriere legte Jähn schon früh. Am 13. Februar 1937 als Sohn eines Sägewerkarbeiters geboren, lernte er nach dem Abschluss der achten Klasse zunächst Buchdrucker, bevor er sich 1955 für eine Laufbahn in der Nationalen Volksarmee (NVA) entschied. Nach Abschluss der Offiziershochschule wurde er einer der ersten Düsenpiloten der DDR-Luftstreitkräfte und bereits mit 26 Jahren zum Leiter für Lufttaktik und Luftschießen eines Jagdfliegergeschwaders befördert.

Parallel dazu legte Jähn mit 28 Jahren das Abitur ab. Den "Feinschliff" als Flieger erhielt er in der damaligen Sowjetunion, wo er an der Militärakademie für Luftstreitkräfte ausgebildet wurde. Als auf einem sowjetischen Raumschiff erstmals ein deutscher DDR-Kopilot mitfliegen sollte, kam Jähn in die engere Wahl.

Jähn zelebriert "kosmische Hochzeit"

1976 zog der zweifache Familienvater und SED-Genosse unter größter Geheimhaltung in die Sowjetunion, wo er im Kosmonautenzentrum "Sternenstädtchen" bei Moskau zwei Jahre lang gründlich auf seinen Weltraumflug vorbereitet wurde.

Am 26. August 1978 war es schließlich soweit: Zusammen mit dem Sowjetoberst Waleri Bykowski startete Jähn mit der "Sojus 31" ins All und koppelte einen Tag später an die Raumstation "Saljut 6" an. Der Blick auf die Erde, die Polarlichter, die zerbrechlich wirkende Atmosphäre - all dies habe sich in sein Gedächtnis eingebrannt, sagte er einmal.

125 Mal umrundete Jähn die Erde, nahm wissenschaftliche Experimente vor und erforschte die Weltkugel mit einer Kamera. In Erinnerung blieb - zumindest vielen Bürgern der früheren DDR - auch die "kosmische Hochzeit", die Jähn im All zwischen dem Sandmännchen und der russischen Puppe Mascha zelebrierte. Nach dem achttägigen Flug landet Jähn in der kasachischen Steppe. Bei der unerwartet harten Landung erlitt er allerdings einen bleibenden Wirbelsäulenschaden.

Fünf Jahre später fliegt Ulf Merbold

Nach seiner Rückkehr aus dem All wurde Jähn über Nacht zu einem der bekanntesten Gesichter des Sozialismus. Immerhin hatte die DDR die Bundesrepublik im Rennen um den ersten Deutschen im Weltraum geschlagen, weshalb sich die SED vom Genossen Jähn einen Prestigegewinn erhoffte. Erst fünf Jahre nach Jähn schickte die Bundesrepublik mit Ulf Merbold ihren ersten Raumfahrer ins All.

Der Kult um Jähn führte in der DDR zur Umbenennung zahlreicher Schulen und anderer öffentlicher Einrichtungen. Im Rampenlicht zu stehen habe er als anstrengender gefunden als den Raumflug selbst, bekannte Jähn vor Jahren.

In seinem Heimatort Morgenröthe-Rautenkranz wurde dem vielfach ausgezeichneten Jähn sogar eine Raumfahrtausstellung gewidmet. Durch den Kultfilm "Good Bye, Lenin", in der der Kosmonaut der Held des Hauptdarstellers ist, wurde Jähn nach dem Mauerfall auch im Westen einem größeren Publikum bekannt.

Auch nach der Wende blieb Jähn der Raumfahrt treu und arbeitete im Sternenstädtchen als Berater für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Europäische Weltraumorganisation ESA. Bis heute blieb der Sachse bodenständig. Der Vision, dass die Menschen irgendwann ins All auswandern, kann Jähn nicht viel abgewinnen. Da wandere er doch lieber durch die Wälder des Vogtlands, meint er.

Quelle: n-tv.de, Andrea Hentschel, AFP

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