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Himmelsschauspiel über Europa Sonnenfinsternis begeistert Millionen

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Die Sonnenfinsternis auf Bildern des Kleinsatelliten Proba-2.

(Foto: ESA/dpa)

Ein außergewöhnliches Himmelsspektakel hat sich über Europa abgespielt. Der dunkle Neumond schob sich immer weiter vor die Sonne, bis zur Sonnenfinsternis. Je nach Standort verdeckte der Mond in Deutschland 66 bis 83 Prozent der Sonnenscheibe.

Bei zumeist bestem Wetter haben Millionen von Menschen in Deutschland die Sonnenfinsternis verfolgt. Viele beobachteten durch gerade noch erhaschte Sonnenfinsternis-Brillen, wie der Mond sich langsam vor die Sonne schob. Andere drängten sich in Sternwarten. Kurz vor 12 Uhr endete das Spektakel in Deutschland.

Bei der Berliner Archenhold-Sternwarte bildete sich schon vor Beginn des Himmelsschauspiels eine lange Schlange. Auch in Baden-Württemberg freuten sich Menschen über die "angeknabberte" Sonne: "Wir sehen die Sonnenfinsternis jetzt schon volle Kanne", sagte der Astronom Hans-Ulrich Keller gegen 10.00 Uhr begeistert. Er bot Führungen in der Sternwarte Welzheim bei Stuttgart an. Vom Baby bis zum Großvater sei alles in der Sternwarte vertreten. Das Maximum der Sonnenfinsternis war in Deutschland je nach Ort kurz nach 10.30 Uhr.

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Wie haben Sie die Sonnenfinsternis verfolgt?

In der Volkssternwarte Hannover verfolgten rund 200 Menschen gespannt das Schauspiel, vor den vier Teleskopen bildeten sich lange Warteschlangen. Die Sternwarte hatte sogar noch rund 50 der vielfach ausverkauften speziellen "Sofi"-Brillen im Angebot. Einige Schaulustige hatten sich aus Kartons ihren Schutz selbst gebastelt. Auf Sylt, wo der Mond die Sonne mit 83 Prozent am stärksten in Deutschland bedeckte, war es jedoch dicht bewölkt.

In Hamburg lag die Sonne hinter einem Nebelschleier, der aber gelegentlich aufriss. So konnten auch der niederländische König Willem-Alexander und seine Frau Máxima bei ihrem Besuch in der Stadt einen Blick auf die Sonnenfinsternis werfen - gesichert durch Schutzbrillen. Auch in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens und an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern hatten die Menschen schlechte Sicht auf die Sonne. In NRW gingen einige Himmelsgucker daher etwa auf den Kahlen Asten, mit 842 Meter den zweithöchsten Berg des Bundeslandes.

"Man sieht absolut nichts"

Auf den Färöer-Inseln versperrte im entscheidenden Augenblick eine Wolkendecke die Sicht auf die totale Sonnenfinsternis. Eine Viertelstunde später klarte es plötzlich auf. Durch ihre Spezialbrillen konnten Tausende Urlauber in der Hauptstadt Tórshavn die Sonne immerhin noch als leuchtend orangefarbene Sichel bewundern. Enttäuscht waren die meisten der extra angereisten Touristen nicht. "Es ist schon ein seltener Anblick und beeindruckend zu sehen, wie das Tageslicht innerhalb weniger Minuten ausgeht und wieder angeht", sagte Christoph Hennigfeld aus Düsseldorf, der mit seiner Frau auf die Färöer-Inseln gereist war. Die Inselgruppe im Nordatlantik war neben Spitzbergen in Norwegen der einzige Ort, an dem die Chance bestand, die Sonnenfinsternis komplett zu sehen.

In London und in weiten Teilen Frankreich gab es hingegen lange Gesichter: Schlechtes Wetter vermieste den Blick auf das Naturphänomen. "Man sieht absolut nichts", sagte eine Korrespondentin des Senders BFMTV während einer Liveschaltung zum Mont Saint-Michel, wo wegen der besonderen Konstellation am Wochenende auch eine sogenannte Jahrhundertflut mit besonders hohem Tidenhub erwartet wird. Nur im Nordosten des Landes konnte die Sonnenfinsternis beobachtet werden.

Je nach Standort in Deutschland verdeckte der Mond maximal 66 bis 83 Prozent der Sonnenscheibe. Ganz dunkel wurde es in Deutschland somit nicht, lediglich etwas düster. Nur in einem schmalen Streifen auf dem Nordatlantik verfinsterte sich die Sonne komplett. Darin liegen die Färöer-Inseln und Spitzbergen.

Kein Problem bei Stromnetzen

In den deutschen Stromnetzen lief zu Beginn der Sonnenfinsternis laut Netzbetreiber 50Hertz alles glatt. "Wir sind sehr nah an der Prognose. Keiner der Netzbetreiber hat im Moment ein Problem", sagte der Geschäftsführer Systembetrieb bei 50Hertz, Dirk Biermann, in Berlin.

Weil der Mond sich vor die Sonne schob, ging der Anteil von Sonnenstrom rapide zurück. Die Ingenieure mussten nur "minimale Eingriffe" vornehmen, um das Stromnetz stabil zu halten. Die Betreiber setzten zunächst etwa 600 Megawatt Reservekapazitäten ein, die etwa aus Pumpspeicher- und Kohlekraftwerken stammen. Die Situation war nach Angaben von Biermann dennoch einzigartig gewesen, weil die Photovoltaik-Leistung massiv eingebrochen sei.

Quelle: ntv.de, sba/dpa

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