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Hohes Risiko für Herztod Viele Herzinfarkte verlaufen stumm

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Der Griff an die Brust ist typisch für Herzinfarktpatienten.

(Foto: imago/Science Photo Library)

80 Prozent der Herzinfarkte beim Menschen geschehen unbemerkt. Der dadurch geschädigte Muskel wird durch Narbengewebe ersetzt, das sich nicht zusammenziehen kann. Stumme Herzinfarkte steigern daher das Risiko eines plötzlichen Herztodes enorm.

Stumme Herzinfarkte kommen häufiger vor als vielfach angenommen. Einer US-Studie zufolge verlaufen fast 80 Prozent der Infarkte unbemerkt und werden auch durch EKG-Untersuchungen nicht festgestellt. Zwar sei die klinische Bedeutung stummer Herzinfarkte unklar, schreiben die Forscher um David Bluemke von den Nationalen Gesundheitsinstituten (NIH) in Bethesda (US-Staat Maryland). Es gebe aber Hinweise darauf, dass die von ihnen verursachten Vernarbungen zum plötzlichen Herztod beitragen könnten, betont das Team im "Journal of the American Medical Association" ("Jama"). Das Ergebnis lasse sich vermutlich auf Deutschland übertragen, sagt Prof. Thomas Meinertz, der Vorsitzende der Deutschen Herzstiftung.

Bei Überlebenden eines Herzinfarkts wird das geschädigte Muskelgewebe durch Narbengewebe ersetzt, das sich nicht mehr zusammenziehen kann. Dies gilt als Risikofaktor für spätere Herzprobleme. Die Mediziner um Bluemke wollten nun ermitteln, wie viele Herzinfarkte in der US-Bevölkerung unerkannt bleiben. Dazu untersuchten sie zu Beginn der Studie 1840 Menschen im Alter von 45 bis 84 Jahren, die keine Herzerkrankung hatten. Zehn Jahre später prüften sie die Teilnehmer dann per kardialer Magnetresonanztomographie (CMR) auf vernarbtes Herzgewebe. Die Menschen waren zu dieser Zeit im Mittel 68 Jahre alt.

Übergewichte und Raucher stärker gefährdet

Bei 146 Teilnehmern, knapp 8 Prozent, fanden die Forscher Narbengewebe am Herzmuskel. Nur bei 32 davon war ein Infarkt zuvor entdeckt worden, dagegen war er bei 78 Prozent der Betroffenen unbemerkt geblieben und auch später bei EKG-Untersuchungen nicht aufgefallen. Nach Angaben der Forscher traten Infarkte bei Männern etwa fünfmal häufiger auf als bei Frauen. Besonders gefährdet waren außerdem übergewichtige Menschen und Raucher.

"Die klinische Bedeutung unerkannter Vernarbungen des Herzmuskels bleibt abzuwarten", schreiben die Autoren. "Aber bei mehr als 70 Prozent der Patienten mit plötzlichem Herztod, aber ohne bekannte Erkrankung der Herzkranzgefäße, wurden bei pathologischen Untersuchungen vorherige Narben am Herzmuskel festgestellt. Wir brauchen weitere Studien, um die klinischen Folgen solcher unentdeckter Narben zu verstehen."

Meinertz überrascht das Resultat nicht sehr. "Die in dieser Arbeit nachgewiesenen Herzmuskel-Narben sind vermutlich Folge stummer Herzinfarkte. Klinisch ist seit Langem bekannt, dass Herzinfarkte praktisch ohne Symptome ablaufen können.", sagt er. "Welche klinische Bedeutung diese Narben haben, ist nicht bekannt. Das kann man nur klären, indem man die Teilnehmer der Studie langfristig weiter beobachtet." Prof. Heribert Schunkert vom Deutschen Herzzentrum München betont, die Resultate der sehr akkurat durchgeführten Studie seien in dieser Deutlichkeit schon bemerkenswert. Er vermutet, dass stumme Herzinfarkte in Deutschland häufiger sind als in den USA, weil hierzulande Risikofaktoren wie etwa Bluthochdruck weiter verbreitet seien.

Quelle: ntv.de, Walter Willems, dpa

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