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Toter US-Student Was ist Botulismus?

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Clostridium botulinum ist ein stäbchenförmiges Bakterium.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Der US-Student Otto Warmbier wird im Koma aus der Haft in Nordkorea entlassen. Wenige Tage nach seiner Rückkehr in die USA stirbt der 22-Jährige. Die nordkoreanischen Behörden begründen das Koma des jungen Mannes mit einer Lebensmittelvergiftung namens Botulismus und der Einnahme einer Schlaftablette. Doch was verbirgt sich hinter Botulismus? Wie gefährlich ist die Vergiftung? Und wie kann man sich davor schützen?

Was ist Botulismus?

Als Botulismus wird eine Lebensmittelvergiftung bezeichnet, die durch Bakterien mit dem Namen Clostridium botulinum verursacht wird. Diese Bakterien beziehungsweise deren Sporen sind in der Umwelt weit verbreitet. Sie sind im Land- und Meeresboden zu finden und können mit Staub- und Erdpartikeln auf Lebensmittel gelangen. Die Vergiftung kann sowohl Menschen als auch Tiere treffen. Für den Menschen werden die Bakterien meistens durch verunreinigte Lebensmittel zum Problem. Vor allem bei unzureichend konserviertem Fleisch und Fisch, selten aber auch in verarbeiteten Hülsenfrüchten oder selbst eingewecktem Gemüse können sich die Bakterien ganz ohne Luft gut weiterverbreiten. Dabei führen, außer beim Säuglings- und Wundbotulismus, nicht die Bakterien selbst, sondern ihre giftigen Ausscheidungen zum Botulismus.

Welche Symptome treten auf?

Botulinumtoxin

Botulinumtoxin, kurz auch als Botox bezeichnet, zählt zu den stärksten bekannten Giften. Ursprünglich wurde das Botulinumtoxin durch die heute seltene Krankheit Botulismus bekannt, eine tödliche Lebensmittelvergiftung.

Das Nervengift ist das Produkt, das Bakterien, sogenannte Clostridien, ausscheiden. Die Bakterien wachsen unter Abschluss von Luft. Je besser die hygienischen Bedingungen in einem Land sind, umso geringer ist die Anzahl an Botulismus-Fällen.

Das Gift wirkt an den Nervenenden und blockiert dort Botenstoffe. Das führt dazu, dass die Muskulatur erschlafft. Das führt zu Herz- oder Atemstillstand und der Mensch stirbt.

Das von den Bakterien ausgeschiedene Gift, das sogenannte Botulinumtoxin, gehört zu den stärksten bekannten Bakteriengiften. Wird es über die Nahrung aufgenommen, treten innerhalb von zwölf bis 36 Stunden, in seltenen Fällen auch in einer größeren Zeitspanne zwischen zwei Stunden und 14 Tagen, typische Vergiftungserscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen auf. Das Nervengift greift dann oftmals zuerst die Funktion der Augen an. Betroffene sehen verschwommen oder doppelt. Die Augen fallen immer wieder zu, die Pupillen sind geweitet und reagieren nicht mehr auf Licht. Auch die Lider können schließlich nicht mehr bewegt werden. Die Lähmungen breiten sich über den Kehlkopf und weiter über den ganzen Körper aus. Wird nicht rechtzeitig eingegriffen, kann der Patient das Bewusstsein verlieren. Sogar die Atem- oder die Herzmuskulatur kann gelähmt werden, was schließlich zum Tode führt. Wie stark die Symptome sind, hängt von der Menge des aufgenommenen Botulinumtoxins ab.

Wie wird Botulismus diagnostiziert?

Botulismus kann auf verschiedene Weisen diagnostiziert werden. Hat der Patient bereits Lähmungen, dann treten diese meistens symmetrisch in der rechten und linken Körperhälfte auf. Das Empfinden in den gelähmten Körperbereichen ist trotz der Lähmung nicht gestört. Schmerz-, Wärme- und Kältereize können dort wahrgenommen werden. Über die körperlichen Symptome hinaus kann das Gift im Blut, im Mageninhalt oder im Stuhl des Patienten nachgewiesen werden. Gibt es die Möglichkeit, dann lassen Ärzte auch verdächtige Nahrungsmittel, die der Patient zu sich genommen hat, untersuchen. Der Nachweis ist in Deutschland nur in wenigen Speziallabors möglich und gilt als anspruchsvoll. Wird in den Proben tatsächlich Botulinumtoxin entdeckt, dann muss das Robert Koch-Institut über die Diagnose informiert werden, denn Botulismus ist in Deutschland eine meldepflichtige Erkrankung. Die Erkrankung ist selten. Jährlich erkranken zwischen zehn und 20 Personen hierzulande daran.

Wie sieht die Behandlung aus?

Da es beim Botulismus wichtig ist, schnell zu reagieren, werden Ärzte bereits bei Verdacht darauf aktiv und verabreichen ein Gegengift. Das Antitoxin wird entweder in die Vene gespritzt oder sogar gegen Nervenwasser auf Höhe der Lendenwirbelsäule ausgetauscht. Um eine weitere Ausbreitung der Bakterien und ihrem Gift zu verhindern, kann zudem eine Magen- und Darmspülung vorgenommen werden, um die giftigen Lebensmittel aus dem Körper zu holen. Patienten werden zudem in eine intensivmedizinische Station eingewiesen, um dort notfalls die künstliche Beatmung vornehmen zu können.

Wie kann man sich schützen?

Die selbstgemachte Leberwurst, ein selbstgeräucherter Fisch, Schinken oder in Öl eingelegtes Gemüse sind nur einige Beispiele für riskante Lebensmittel. Prinzipiell können aber alle Lebensmittel, die unter sauerstoffarmen Bedingungen gelagert werden, also auch industriell hergestellte, Botulinumtoxine enthalten. Aus diesem Grund wird immer wieder vor dem Verzehr des Inhalts von aufgeblähten Konserven und Dosen gewarnt. Alle Lebensmittel, die theoretisch Botulinumbakterien enthalten könnten, sollten vor dem Verzehr oder vor dem Haltbarmachen mindestens 15 Minuten lang bei 100 Grad Celsius gegart werden. Nur so können die Bakterien getötet und das hochpotente Gift zerstört werden. Kommt es dennoch zu einer Vergiftung oder den Symptomen von Botulismus, sollte schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht und der Verdacht geäußert werden.

Die andere Seite des Botulinumtoxins

Obwohl Botulinumtoxin so gefährlich ist, wird es auch als Heilmittel bei verschiedenen Erkrankungen, wie beispielsweise bei Migräne, übermäßigem Schwitzen, der sogenannten Hyperhidrose oder bei Spastiken nach Schlaganfall erfolgreich eingesetzt. Allgemein bekannt ist Botulinumtoxin unter dem Namen Botox, das als Anti-Faltenmittel direkt unter die Haut gespritzt wird. Egal, ob als medizinisches oder kosmetisches Mittel, bei allen Anwendungsgebieten zeigt sich einmal mehr, dass der Satz von Paracelsus, "alle Dinge sind Gift und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift sei", an Aktualität nichts eingebüßt hat.

Quelle: ntv.de