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Impf-Auffrischungen seit Sommer Wie Israel der vierten Welle begegnet

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Die Booster-Impfungen in Israel starteten schon am 30. Juli 2021.

(Foto: imago images/Xinhua)

Mit Booster-Impfungen soll in Deutschland der vierten Welle der Sars-CoV-2-Infektionen wirkungsvoll entgegen getreten werden. Doch kann das funktionieren? Israel beginnt schon im Sommer damit und liefert nun erste Daten dazu. Fest steht: Die vierte Welle im Land gilt als überstanden.

Erfolgreich haben Auffrischungen mit dem mRNA-Impfstoff BNT162b2 in Israel dazu beigetragen, die Infektionszahlen im Land auf ein Minimum zurückzudrängen und damit die vierte Welle der Corona-Infektionen im Land relativ schnell in den Griff zu bekommen. Das geht aus den Zahlen einer Studie hervor, die im Fachjournal "Lancet" veröffentlicht wurden.

Ein Forscherteam um Ran Balicer vom Clalit Research Institute in Tel Aviv hat in Zusammenarbeit mit Forschern der Harvard University die Daten von 728.321 dreifach Geimpften und der gleichen Anzahl von zweifach geimpften Personen gegenübergestellt und ausgewertet. Die Personen der Kontrollgruppe wurden so ausgewählt, dass Faktoren wie Alter, Geschlecht und gesundheitliche Risikofaktoren mit denen der Gruppe der Dreifach-Geimpften weitestgehend übereinstimmten. Alle Personen bekamen die zweite Dosis von BNT162b2, oft auch als mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer bezeichnet, vor mindestens fünf Monaten. Die Personen der ersten Gruppe bekamen im Zeitraum vom 30. Juli 2020 bis 23. September 2021 eine dritte Impfdosis.

Schnelle Entscheidung der Behörden

Auch wenn die aktuellen Daten lediglich Nachbeobachtungszeiten von maximal 55 Tagen einschließen, liefern sie starke Hinweise darauf, wie gut Auffrischungsimpfungen wirklich schützen. Der Studie zufolge lagen die Krankenhauseinweisungen wegen Covid-19 in der Gruppe der dreifach Geimpften um 93 Prozent niedriger im Vergleich zu den zweifach Geimpften. Konkret gab es 231 Einweisungen bei den zweifach Geimpften und 29 bei denen, die bereits drei Impfdosen bekommen hatten. Ähnlich gute Ergebnisse sahen die Forscher auch bei den schweren Covid-19-Verläufen und den Todesfällen. Durch die Drittimpfungen konnten die schweren Verläufe um 92 Prozent gesenkt werden. Die Zahl der Todesfälle reduzierte sich durch die Auffrischungen um 81 Prozent. Sie lage bei den zweifach Geimpften bei 44 und bei den dreifach Geimpften bei 7.

Das Gesundheitsministerium Israels hatte mit den Auffrischimpfungen schon früh auf wieder steigende Infektionszahlen im Land reagiert. Es entschied, dass immungeschwächte Patienten ab dem 13. Juli 2021 eine dritte Dosis von BNT162b2 erhalten sollten. Am 30. Juli wurde die Entscheidung auf Personen über 60 Jahre erweitert. Danach wurde die Altersgrenze schrittweise gesenkt. Seit dem 30. August 2021 können alle Einwohner des Landes, die über 12 Jahre alt sind, sich eine dritte Dosis des Impfstoffes geben lassen.

Israel mit Vorbildfunktion

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Wurden den Daten der John Hopkins University zufolge am 13. September 2021 mit 11.800 gemeldete Neuerkrankungen der bisherige Höchststand innerhalb der vierten Welle erreicht, werden aktuell (1. November) lediglich 760 Neuerkrankungen gemeldet. Die Ergebnisse der Studie zeigen, welchen Stellenwert die Auffrischungsimpfungen im Kampf gegen die Ausbreitung der Delta-Variante von Sars-CoV-2 haben. Das rasche Vorgehen in Israel wird als wesentlicher Faktor für die Überwindung der vierten Corona-Welle angesehen. Das Land nimmt damit schon jetzt eine Vorbildfunktion ein, wie der von Experten, wie der Hygieniker Dr. Georg-Christian Zinn im Gespräch mit ntv bestätigt.

In Deutschland wurde die Empfehlung zur Drittimpfung durch die Ständige Impfkommission für Personen ab 70 Jahre, Bewohner von Pflegeheimen, Pflegepersonal und medizinisches Personal mit direktem Kontakt zu Patienten am 18. Oktober 2021 ausgesprochen. Für Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder Vorerkrankungen kam die Empfehlung am 30. September 2021. Bis heute bekamen rund 2,1 Millionen Menschen eine weitere Dosis eines zugelassenen Covid-19-Impfstoffes als Auffrischung.

Quelle: ntv.de, jaz

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