Wissen
Dienstag, 16. Juni 2015

Frage & Antwort, Nr. 383: Kann Kaffee Gerüche neutralisieren?

Von Jana Zeh

Immer wieder sehe ich in Parfümerien kleine Gläser mit Kaffeebohnen zwischen den Flakons stehen. Der Geruch der Bohnen soll die Nase für Parfüme wieder aufnahmefähig machen. Funktioniert das? (fragt Susan F. aus Giessen)

Jede Frau kennt das, wenn es mal wieder Zeit für einen neuen Duft ist. Doch die Qual der Wahl beginnt bereits am Eingang der Parfümerie, denn schon dort läuft man durch eine Duftwolke, die einen geruchstechnisch völlig vernebelt  - und spätestens nach der dritten Duftprobe weiß man weder, was einem gefallen hat, noch zu welchem Fläschchen welcher Duft gehört.

(Foto: picture alliance / dpa)

Um Abhilfe zu schaffen, lassen aufmerksame Verkäuferinnen ihre kaufwilligen Kunden an Kaffeebohnen schnüffeln. Das soll die Nase wieder aufnahmefähig machen, also den Geruch neutralisieren. "Das funktioniert wirklich", sagt Professor Hanns Hatt von der Ruhr-Universität Bochum in einem Gespräch mit n-tv.de. "Wir wissen allerdings bis heute nicht, ob der Effekt, den der Geruch der Kaffeebohnen auslöst, auf der Ebene der Nase oder eher im Gehirn entsteht", erklärt der Duftforscher weiter. Wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zu diesem Thema stehen also noch aus. "In den Tests, die derzeit an Mäusenasen laufen, sieht es so aus, als würde der Effekt im Gehirn erzielt. Es ist aber zu früh, um ein eindeutiges Ergebnis zu benennen", ergänzt Hatt.

Riechen ist kein niederer Sinn

Lange Zeit galt das Riechen im Vergleich zum Sehen und zum Hören als niederer Sinn und wurde auch von der Wissenschaft so behandelt. Dass dem nicht so ist, zeigen neuere Studien, die die Wege von Gerüchen untersuchen. Der komplexe Prozess des Riechens beginnt mit der Aktivierung von sogenannten olfaktorischen Rezeptoren. Diese befinden sich in der oberen Nasenschleimhaut auf einem rund vier Quadratzentimeter großen Bereich. Jede Riechzelle stellt allerdings nur einen Typ von Riechrezeptoren her. Insgesamt besitzt der Mensch Millionen von Duftstoffrezeptoren in 350 verschiedenen Arten in der Nase. Also eine Art für den Duft von Vanille, eine Art für den Duft von Moschus usw.

Beim Riechen werden die Rezeptoren durch bestimmte Moleküle in der Luft aktiviert, die wir über die Nase vor allem beim Atmen aufnehmen. Da Gerüche meistens aus einer Mischung bestehen, können verschiedene Rezeptoren gleichzeitig "angesprochen" werden.  Der geübte Riecher kann laut einer aktuellen Untersuchung bis zu einer Billion verschiedener Geruchsmischungen unterscheiden. Das Problem: Die menschliche Sprache ist so begrenzt, dass es nicht genug Ausdrücke für die Beschreibung der verschiedenen Gerüche gibt.

Zudem werden Gerüche nach einer gewissen Zeit adaptiert, das bedeutet: Gerüche, die als Dauerreiz auftreten, werden nicht mehr als Impulse umgewandelt und dementsprechend auch nicht ans Gehirn weitergeleitet. Ist das der Fall, kann man diese Gerüche nach einer gewissen Zeit nicht mehr registrieren. Das passiert auch, wenn man an zu vielen Parfümproben schnuppert, ohne zwischendurch seine Nase zu entlasten, ob an der frischen Luft oder durch den Geruch von Kaffeebohnen, ist egal.

Übrigens: Kaffeebohnen oder Kaffeepulver können auch unangenehme Gerüche im Auto, Badezimmer oder Kühlschrank "wegzaubern". Da das Pulver stärker hygroskopisch, also feuchtigkeitsbindend wirkt, als die Bohnen, ist es zu bevorzugen. Wenn es als Geruchsneutralisierer ausgedient hat, sollte man es nicht mehr zur Getränkeherstellung benutzen, denn dieser Kaffee schmeckt bestimmt nicht.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de