Frage & Antwort

Hauptsache alle Zähne im Mund Können "die Dritten" auch nachwachsen?

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(Foto: imago images/Steinach)

"Die Dritten" ist die umgangssprachliche Umschreibung für künstlichen Zahnersatz. Implantate, Brücken oder Prothesen sind für viele das Mittel der Wahl, um nicht mit Zahnlücken rumlaufen zu müssen. Doch manchmal geht das auch anders.

Das Gebiss jedes Menschen ist einzigartig. Es birgt viele Informationen und kann zur Identifikation herangezogen werden. Zugleich ist der Mund samt Zähnen ein sehr intimer Teil des Körpers. Geht ein Zahn verloren oder wächst gar nicht erst nach, dann muss der Zahnarzt helfen. In seltenen Fällen kann der Körper sogar selbst die Lücke schließen. Aber wie geht das?

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Zahnersatz mag nicht jeder.

(Foto: imago/Photocase)

Um diese Frage zu beantworten, geht es erst einmal zurück zu den Ursprüngen. Die ersten Zähne wachsen bereits sehr früh im Leben. Bei den meisten Babys treten die mittleren Schneidezähne im Unterkiefer im Alter von sechs bis acht Monaten zuerst durch. Und bereits in diesem jungen Alter bestätigen die Ausnahmen die Regel, denn bei manchem Säugling zeigen sich die ersten Zähen schon ab dem vierten Lebensmonat. Andere können noch beim ersten Geburtstag nicht einen Zahn im Mund vorzeigen.

Neben dem Alter, indem sich die Milchzähne erstmals zeigen, können auch die Reihenfolge, in der die Milchzähne durchdringen, und sogar ihre Anzahl variieren. Normalerweise besteht ein Milchgebiss aus 20 Milchzähnen. Es gibt jedoch Kinder, die eine Über- oder Unterzahl an Milchzähnen haben. Dieses Phänomen tritt auch im bleibenden Gebiss bei Erwachsenen auf. Dabei ist die Hyperdontie, also die Überzahl wesentlich seltener als die Hypodontie (Unterzahl) zu finden. Beide Besonderheiten werden vererbt. Die Zahnunterzahl kann auch mit erblichen Erkrankungen wie Lippen-Kiefer-Gaumenspalten oder dem Down-Syndrom in Verbindung stehen.

Ausnahme und Forschung

Doch nun zur Ausgangsfrage: Tatsächlich gibt es Fälle, bei denen gezogene, verlorene oder ausgeschlagene Zähne in einem bleibendem Gebiss nachgewachsen sind. Vor allem von Weisheitszähnen wird dies immer wieder berichtet. "Zwar gibt es vereinzelt Berichte darüber, dass auch Menschen zum dritten Mal Zähne oder auch ganze Zahnsätze nachwachsen, aber warum das bei manchen Menschen passiert und bei anderen nicht, ist noch weitgehend unbekannt", sagt Dr. Roland Lauster, Professor für medizinische Biotechnologie an der TU Berlin. Eine Möglichkeit kann beispielsweise darin bestehen, dass die bereits beschriebene Überzahl an Zähnen dazu führt, das sich an der gleichen Stelle, an der ein Zahn verloren geht, ein neuer durch das Zahnfleisch schiebt. Das jedoch kann auch ein Zahn sein, der normalerweise nicht an dieser Stelle steht. In solchen Fällen sollte unbedingt ein Zahnarzt hinzugezogen werden.

Da das Wachsen eines dritten Zahnes sehr selten ist, wollen Wissenschaftler nichts dem Zufall überlassen. Seit vielen Jahren wird an natürlichem Zahnersatz geforscht, denn dieser könnte teure Implantate und nervige Brücken in Zukunft überflüssig machen. Erst kürzlich berichtete das Team um Professor Lauster von ihrer Arbeit. Die Forscher gewinnen aus dem Inneren eines extrahierten Weisheitszahnes sogenannte dentale Pulpa-Zellen. Diese werden so behandelt, dass sich daraus ein aktiver Zahnkeim bildet. Würde man diesen Zahnkeim einem Patienten einpflanzen, so die Idee, beginnt er mit dem umliegenden Gewebe zu kommunizieren und löst damit die gesamte Kaskade an Botenstoffen aus, die die Zahnbildung anregt. Der so gebildete Zahn würde, weil die Ausgangsstoffe aus körpereigenem Material gewonnen wurden, keine Abstoßungsreaktionen hervorrufen. Auf diese Weise könnten in Zukunft dritte Zähne direkt im Mund nachwachsen.

Übrigens: Die häufigste Zahnanomalie in der Bevölkerung ist das Fehlen der Weisheitszähne. Es gibt dazu keine verlässlichen Zahlen. Experte schätzen, dass die Weisheitszähne bei mindestens 20 Prozent aller Menschen ganz fehlen. Im Laufe der Jahrhunderte könnte der Mund des Menschen zu klein dafür geworden sein.

Quelle: n-tv.de

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