Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 362 Wie entstehen Wintergewitter?

wintergewitter2.jpg

Gleich kracht es: Gewitterhimmel über Düsseldorf im Dezember 2014.

(Foto: picture alliance / dpa)

Hier hat es vergangene Woche zum zweiten Mal in diesem Winter gewittert. Das ist so ungewöhnlich. Wie entstehen Wintergewitter? (fragt Johanna G. aus Potsdam)

Diese Frage kann n-tv Meteorologe Björn Alexander klären. Doch die Antwort ist keine einfache; sie ist ein wenig kompliziert. Wie bei Wärmegewittern im Sommer sind auch bei den Gewittern im Winter große Temperaturunterschiede in der Atmosphäre der Auslöser. "Wintergewitter sind sogenannte Luftmassengewitter", erklärt Alexander. "Sie bilden sich also innerhalb ein und derselben Luftmasse. Strömt dabei feuchte und schauerwillige Kaltluft über eine wärmere Wasserfläche, dann sind die Bedingungen für ein Gewitter gegeben."

meer.jpg

Meere kühlen sich langsamer ab als Landmassen. Bewegt sich kalte Luft über das warme Wasser hinweg, ist damit eine wichtige Bedingung für ein Wintergewitter geschaffen.

(Foto: imago/Westend61)

Eine wärmere Wasserfläche, das ist in diesem Fall das Meer. Es spielt bei Wintergewittern eine entscheidende Rolle. "Die Meere kühlen sich nämlich deutlich langsamer ab als die Landmassen", sagt Björn Alexander. "Oder anders: Die Meere bleiben länger warm." Darüber aber bewegen sich dann - so ist es im Spätherbst und Winter häufig - kalte Luftmassen polaren Ursprungs. Damit es zu einem Wintergewitter kommen kann, muss es also, grob gesagt, unten möglichst warm und oben möglichst kalt sein. Und die warme Luft von unten muss hoch in die Atmosphäre aufsteigen können. Das sind dann die besten Voraussetzungen für Blitz und Donner im Winter.

Oft nachts, dafür weniger heftig

Regen bringen diese Gewitter, anders als im Sommer, aber meistens nicht. Wie man es in der kalten Jahreszeit erwartet, gehen sie eher mit Schnee- und Graupelschauern einher; die fallen dann recht kräftig aus. Und noch eine Besonderheit haben Wintergewitter: Sie überraschen uns häufiger in der Nacht als ihre sommerlichen Pendants. "Nachts kühlt die Wolkenoberseite noch ein bisschen mehr ab als tagsüber", erklärt Alexander das Phänomen. "Das wiederum hat zur Folge, dass der Temperaturunterschied zwischen dem milden Unten und dem kalten Oben nochmals größer wird. Und das wirkt sich positiv auf die Gewitterbildung aus."

Auch in der Intensität gibt es einen Unterschied: Wintergewitter sind meist weniger heftig als die Wärmegewitter im Sommer. "Ist es drückend und schwül, sind Temperatur und Feuchtigkeit groß und damit eben auch die vorhandene Energie", sagt der n-tv Meteorologe. "Dann sind heftige Gewitter die Folge. Das haben wir im Sommer 2014 oft zu spüren bekommen."

Vier verschiedene Gewitterarten

Wetterexperten kennen neben den Luftmassengewittern, zu denen sowohl Winter- als auch Wärmegewitter zählen, übrigens noch drei andere Gewitterarten: Frontgewitter, orographisch bedingte Gewitter und dann noch solche, die durch spezielle Strömungs- oder Ausstrahlungsprozesse entstehen. "Letztere", sagt Alexander, "würde ich der Einfachheit halber als eine Mischform aus den anderen Gewitterarten beschreiben – sonst würde es jetzt wirklich sehr kompliziert werden."

Frontgewitter aber lassen sich vergleichsweise anschaulich erklären: "Die sind an unterschiedliche Luftmassen gekoppelt", so der Experte. "Sie entstehen, wenn eine Kaltfront die vor ihr liegende Warmluft abdrängt." Frontgewitter können überaus heftig sein und große Schäden anrichten – wie etwa beim Pfingstunwetter 2014. Damals gab es im Flachland Orkanböen mit einer Geschwindigkeit von 140 km/h.

Bei orographischen Gewittern schließlich strömt, wie Alexander erläutert, feuchtwarme Luft gegen einen Berg oder ein anderes Hindernis. Die Luft wird zum Aufsteigen gezwungen, die Neigung zu Wolkenbildung und Schauern steigt. "Auch dann können wieder die gewittertypischen Wolkentürme entstehen", so der n-tv-Meteorologe. "Blitz und Donner sind dann nicht mehr weit."

Übrigens: Die sichersten Orte bei Gewitter – sommers wie winters – sind gemauerte Gebäude und das Auto. Nicht nur aufs Fernsehen, auch aufs Duschen oder Baden sollte man bei Gewitter verzichten. Der Grund: im Rohrleitungssystem könnte sich eine Überspannung ausbreiten.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema