Fundsache

Aus Zeit um 130 nach Christus Bibel-Fragmente in Höhle in Israel entdeckt

Archäologen finden in einer Höhle im Südosten Israels mehrere Schriftstücke mit Texten aus der Bibel. Die letzte Entdeckung dieser Art ist etwa 80 Jahre her. Neben den jahrhundertealten Textfragmenten stoßen die Forscher in der Nähe des Toten Meeres auf noch weitaus ältere Fundstücke.

In Israel sind nach Angaben der nationalen Altertumsbehörde erstmals seit Jahrzehnten Fragmente einer Schriftrolle mit biblischen Texten entdeckt worden. Der aufregende, jahrtausendealte Fund sei in einer schwer zugänglichen Höhle nahe dem Toten Meer gemacht worden, teilte die Behörde mit.

Die letzte Entdeckung dieser Art war vor rund 60 Jahren. In Höhlen am nördlichen Ende des Toten Meeres waren von 1947 an die sogenannten Qumran-Rollen gefunden worden. Die antiken Schriften sind die ältesten bekannten Bibeltexte und rund 2000 Jahre alt, sie zählen zu den wichtigsten archäologischen Entdeckungen des 20. Jahrhunderts.

Die neu entdeckten Dutzenden Bibel-Fragmente sind demnach auf Griechisch verfasst. Sie stammten aus der Zeit des Bar-Kochba-Aufstands. Der jüdische Aufstand gegen das Römische Reich unter Rebellenführer Bar Kochba war im Jahre 132 nach Christus ausgebrochen und rund drei Jahre später niedergeschlagen worden.

"Die Funde sind nicht allein für unser kulturelles Erbe wichtig, sondern auch für die gesamte Welt", sagte der Leiter des Ministeriums für Jerusalem und Kulturerbe, Avi Cohen.

Israelische Höhlen werden seit Jahren durchsucht

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Der entdeckte Korb ist etwa 10.000 Jahre alt.

(Foto: picture alliance/dpa/Israel Antiquities Authority)

Die Suche in den vielen Höhlen der Region hatte 2017 begonnen. Neben den Schriftstücken wurden demnach auch ein 6000 Jahre altes, mumifiziertes Skelett eines Kindes, Münzen, Pfeilspitzen, Kleidung, Sandalen, Lauskämme sowie ein sehr großer Korb gefunden. Letzterer sei 10.500 Jahre alt und damit wohl der älteste der Welt.

In den nun entdeckten Schriftstücken seien Auszüge aus dem Zwölfprophetenbuch enthalten, etwa aus den Büchern Sacharja und Nahum. Aus dem Buch Sacharja heißt es demnach dort: "Das ist's aber, was ihr tun sollt: Rede einer mit dem andern Wahrheit und richtet wahrhaftig und recht, schafft Frieden in euren Toren; keiner ersinne Arges in seinem Herzen gegen seinen Nächsten, und liebt nicht falsche Eide; denn das alles hasse ich, spricht der Herr."

Die Fragmente wurden in einer Höhle gefunden, die den Namen "Cave of Horror" (Höhle des Grauens) trägt und im Wadi Nachal Chever liegt. Sie befindet sich inmitten einer Felswand, etwa 80 Meter unterhalb von dessen Spitze. Sie kann nur erreicht werden, indem man sich von dort abseilt. Die Nationalparkbehörde warnt wegen Unfallgefahr davor, sich in die Höhle zu begeben. Die klimatischen Bedingungen in den Höhlen am Toten Meer begünstigen den Erhalt von Schriftstücken.

Klima hat Funde konserviert

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Das Skelett des vermutlich weiblichen Kindes wurde nach Angaben der Historikerin Ronit Lupu in einer flachen Grube unter zwei Steinplatten gefunden. Das laut Computertomographie etwa sechs bis zwölf Jahre alte Kind habe zusammengekauert darin gelegen. Der Oberkörper sei mit einem Stück Stoff bedeckt gewesen. "Wer immer das Kind begraben hat, hat es zugedeckt, wie Eltern ihre Kinder zudecken", sagte Lupu. Wegen der besonderen klimatischen Bedingungen in der Höhle seien das Kind und die Decke bemerkenswert gut erhalten. Es sei auf natürliche Art mumifiziert. "Haut, Sehnen und sogar das Haar sind teilweise erhalten, obwohl so viel Zeit vergangen ist."

Seit dem Fund der Qumran-Rollen haben nach Angaben der Altertumsbehörde viele Plünderer die Höhlen aufgesucht und historische Funde zerstört. Die ersten der Schriftrollen waren von einem Hirten gefunden worden, später wurden weitere Fragmente entdeckt. Der Großteil von ihnen wurde auf Hebräisch verfasst. Die Sammlung enthält aber auch viele aramäische, griechische, einige arabische und eine kleine Anzahl lateinischer Fragmente. Die Schriften sind seit 2012 digitalisiert und in bester Bildqualität im Internet zu sehen.

Quelle: ntv.de, Sara Lemel und Sebastian Engel, dpa

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