Fundsache

Fund mit Knochenkrankheit Forscher liefern Nachweis über älteste Viren

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Die zwei verwachsenen Schwanzwirbel des Varanopiden.

(Foto: Yara Haridy / Museum für Naturkunde, Berlin)

Viren sind organische Strukturen, die Infektionen auslösen. Aufgrund ihrer Vermehrung sind sie mit Medikamenten nur schwer zu bekämpfen. Wie lange es die Krankmacher auf der Erde schon gibt, können Forscher nun mit großer Sicherheit sagen.

Forscher haben in fossilen Fundstücken eine Knochenkrankheit entdeckt, die durch Viren ausgelöst wird. Das Team um Yara Haridy vom Museum für Naturkunde in Berlin nahm Knochenstücke, die aus einer Höhle in der Nähe von Richards Spur in Oklahoma (USA) stammen, genauer unter die Lupe. Es stellte sich dabei heraus, dass es sich um zwei verwachsene Schwanzknochen handelt. Diese haben vor rund 289 Millionen Jahren einer eidechsenartigen Kreatur gehört, die den sogenannten Varanopiden zugeordnet wird. Varanopiden gelten als Verwandte der frühesten Vorfahren von Reptilien und Säugetieren.

Die Schwanzknochen wiesen Veränderungen auf, die die Forscher mithilfe einer Mikro-Computertomografie sichtbar machten. Sie sahen sowohl in der äußeren als auch in der inneren Struktur der Knochen einerseits unnormal hohen Abbau, andererseits unnormal große Verdickungen, die auf ein exzessives Knochenwachstum hinweisen. Die Befunde ähnelten in höchstem Maße der sogenannten Paget-Krankheit, schreiben die Forscher, die ihre Ergebnisse bei  "PLOS ONE" veröffentlichten.

Umstrittener Auslöser

Die Paget-Krankheit ist eine Stoffwechselerkrankung der Knochen, die einen oder mehrere Abschnitte im Körper betrifft. Sie wurde erstmals 1876 von Sir James Paget beschrieben. Bei der langsam fortschreitenden Krankheit kommt es zu einem Ungleichgewicht zwischen knochenabbauenden und knochenbildenden Zellen. Sie tritt häufig bei Menschen im Alter über 55 Jahren auf. Bei Menschen sind Hüfte und Wirbelsäule am häufigsten davon betroffen. Der exakte Auslöser für die Erkrankung ist unter Fachleuten umstritten. Es sind sowohl genetische Faktoren als auch masernähnliche Viren oder eine Kombination aus beidem in der Diskussion. Anzeichen für die Erkrankung wurden auch schon bei verschiedenen Säugetierarten und Reptilien festgestellt.

Ob das Tier die Erkrankung nur am Schwanz oder noch an anderen Stellen im Körper hatte, können die Forscher nicht klären, da ihnen nur die beiden Schwanzknochen für Untersuchungen zur Verfügung stehen. Beschränkte sich die Erkrankung auf den Schwanz, dann hatte das Tier eher geringe Schmerzen und lediglich eine Versteifung des Schwanzes im betroffenen Bereich.

Bereits 2011 haben Forscher des Naturkundemuseums in den fossilen Knochen eines 150 Millionen Jahre alten Dinosauriers die Zeichen von Morbus Paget entdeckt. Die neuesten Erkenntnisse der Forscher stellen damit nicht nur den ältesten Nachweis einer Paget-ähnlichen Erkrankung bei einem Tier dar. Es handelt sich außerdem um den ältesten indirekten Nachweis von Viren in der Erdgeschichte.

Quelle: n-tv.de, jaz

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