Leben

Aus der Schmoll-Ecke Baerbock gibt mit Sklavenhalter-Titel an

imago0115392663h.jpg

Annalena Baerbock hat einen "Master of Laws" - sie ist also eine junge Herrin, eine Masterin.

(Foto: imago images/Metodi Popow)

Darf ein Mann das Tageshoroskop einer Frauenzeitschrift lesen? Warum stellt eine Kanzlerkandidatin der Partei der politischen Hypermoral eine berufliche Bezeichnung zur Schau, die an dunkle Zeiten erinnert? War zuerst das Ei oder das Huhn da? Hier finden Sie fast alle Antworten unseres Kolumnisten.

Ich weiß gar nicht, ob es überhaupt noch schicklich ist oder schon als übergriffig gilt, dass ich, ein Mann, auf der Webseite der "Brigitte", einer Zeitschrift für Frauen, mein Tageshoroskop gelesen habe. Ich gebe zu, es heute - wenn Sie das hier lesen, ist das Heute natürlich längst das Gestern und schon das Morgen Realität, was vielleicht besser ist, da es ja nun endlich warm werden soll und wir das fiese Virus endgültig besiegen können - im vollen Bewusstsein getan zu haben, möglicherweise gegen die ungeschriebenen Gesetze unserer politisch extrem korrekten Gesellschaft zu verstoßen und Frauen zu beleidigen, wofür ich mich, falls es so ist, aufrichtig entschuldige. Selbstverständlich bin ich als Mensch mit Glied nicht in der Lage, mich in Erfahrungen von Menschen ohne Glied hineinzuversetzen. Ich wollte nicht anmaßend sein, sondern lediglich durch Lektüre meines Tageshoroskops in Erfahrung bringen, ob mir die Kolumne leicht von der Hand gehen wird oder ich mich schwertue, mehrere Sätze sinn- und gehaltvoll folgen zu lassen.

Die für die "Brigitte" arbeitenden Sternbilddeutenden, wie Sternbilddeuterinnen und Sternbilddeuter neuerdings genannt werden müssen, damit die Marsmenschen wissen, dass es auf dem Planeten Erde Frauen gibt, schrieben nicht dazu, ob das Tageshoroskop nur für Frauen oder auch mit für Männer erstellt wurde: "Heute funktioniert nichts nach Plan, entweder weil Sie den Alltagsrhythmus bewusst und aktiv umkrempeln oder weil Sie von äußeren Umständen dazu veranlasst werden. Sie können darüber lachen und die frische Brise genießen. Halten Sie zu sehr an einer eingefahrenen Bahn fest, so müssen Sie allerdings mit unangenehmen Überraschungen rechnen."

Jetzt, wo heute bald vorbei ist, kann ich nur hoffen, dass die Orakeleien der Sternbilddeutenden der "Brigitte" sonst besser sind oder allein für Frauen erstellt werden - denn auf mich traf nichts zu. Wie Sie wissen, bin ich ein überaus toleranter Sehr-Gutmensch, der niemandem Böses will. Hier aber muss ich einen Verdacht kundtun: Mir kamen ernsthafte Zweifel am Können der Sternbilddeutenden der "Brigitte", ich fragte mich sogar, ob die noch alle fliegenden Untertassen im All haben, derlei Unsinn zu prognostizieren. "Eingefahrene Bahnen" und "unangenehme Überraschungen"? Ist das ironisch gemeint? Tag für Tag bringen die Nachrichten "unangenehme Überraschungen". Hier eine neue Virusvariante, dort mal wieder haufenweise fehlende Impfstoffe und Tote.

Außengastronomie nicht mal auf dem Balkon

Die gesamte Menschheit wartet darauf, wieder normal zu leben. Die Welt befindet sich seit mehr als einem Jahr in "eingefahrener" Umlaufbahn - da mal soeben den "Alltagsrhythmus bewusst und aktiv umkrempeln", ist nicht so ganz einfach. Dazu müsste man erst einmal wissen, wohin mit dem Kind, was gerade Phase ist in Sachen Öffnungen und Schließungen, was erlaubt und was verboten. Wegen der verdammten Kälte war nicht einmal Außengastronomie auf meinem Balkon möglich. Ende Mai! Wozu fahre ich seit Jahrzehnten wie besessen Auto? Damit es immer schön warm ist. "Es kann sein, dass Ihre Mitmenschen Ihnen heute mitteilen, dass Sie ein paar Grenzen überschreiten. Verstehen Sie diese Kritik nicht als Angriff, sondern lernen Sie daraus", erklärten die Sterndeutenden der "Brigitte"

Selbstverständlich werde ich das tun. Ich liebe den Konstruktivismus. Als Journalist bin ich es gewohnt, dass Kritik Grenzen überschreitet. Als Sehr-Gutmensch halte ich das aus und lerne, lerne, lerne. Wahrscheinlich meinten die Sterndeutenden der "Brigitte" jenen Leser, der jüngst zu der Überzeugung kam, mir bescheinigen zu müssen, dass meine Kolumne zu Jan Josef Liefers "mehr als unterirdisch" gewesen sei, wobei er offenließ, ob das ein Kompliment war oder nicht. Denn "mehr als unterirdisch" könnte ja "ganz weit oben" bedeuten, also himmlisch. Dann wäre es sehr nett. Vielen Dank!

Jener Leser scheint das Meer, seine Bewohner und Berufstätigen sowie Kindersendungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu mögen. "Der Fisch (BRD) stinkt schon mächtig vom Kopfe her", ließ er mich, den "Presstituierten", wissen. Und: "Wenn man schon auf der Titanic sitzt, sollte man nicht auch noch Hein Blöd auf die Kommandobrücke stellen. Können wir nur hoffen, dass Corona ganze Arbeit leistet und den gesellschaftlichen Dummfug mit in den Orkus der Geschichte reißt."

Dieser Hoffnung schließe ich mich ausdrücklich an. Denn mitunter habe ich den Eindruck, dass die Herdenblödheit in weitaus größerer Geschwindigkeit zunimmt als die Herdenimmunität. Schade. Aber das Leben ist, wie es ist. Man wird nicht jünger, frau auch nicht. Mit dem Alter lässt die Gedächtnisleistung nach. Da vergisst man schon mal, Nebeneinkünfte dem Bundestag zu melden. Oder man erinnert sich nicht mehr, ob man sich mit einem Chef einer Bank getroffen oder mit engsten Mitarbeitern über dieses oder jenes Detail zum Wirecard-Fiasko gesprochen hat.

Ich komme vom Holz

Das geht mir auch so. Die Zeit nagt an mir. Ich werde vergesslich und alltagsblöder. Dabei komme ich noch nicht mal von Hause her von Hühnern, Schweinen, Kühe melken, sondern vom Holz. Ich habe Drechsler gelernt, kein Abitur, geschweige denn studiert. Ich habe keinen Akademikertitel. Ich war vorsichtig, weil ich nicht wollte, dass meine Studienarbeiten auf Plagiate untersucht werden. Ich war Quereinsteiger ohne Schreiberfahrung. Ich habe keinen Master in irgendetwas. Und hätte ich einen, würde ich den Titel - Sie wissen schon, dass ich ein edler Sehr-Gutmensch bin - niemals benutzen.

Ich verstehe nicht, warum das Annalena Baerbock tut, eine Politikerin aus der Partei mit den allerhöchsten Ansprüchen an Moral und politischer Korrektheit, in der eine Frau verbal verprügelt wird, wenn sie es wagt zu erklären, als Kind davon geträumt zu haben, Indianerhäuptling zu sein, statt ihr zu sagen: Mensch, prima, eine Frau, die nach ganz oben und einen Stamm führen will, die sich schon in der Kindheit was zugetraut hat, obwohl damals der Genderstern noch nicht mal am Horizont in Sicht war und Mädchen nur die Wahl zwischen Krankenschwester und Friseuse hatten. Ein gutes Beispiel für weiblich gelesene Karriere ist, dass Baerbock ins Wigwam an der Spree ziehen und Häuptling des Stammes der Germanen werden will. Ganz schön taff!

Mehr zum Thema

Aus meiner Sicht hat sie beruflich das Zeug dazu. "Masterstudium an der London School of Economics", heißt es auf Baerbocks Webseite unter Lebenslauf. Sie hat den "Master of Laws". Master - Sie wissen schon, was das heißt, oder? Im Duden steht: "englische Anrede für: junger Herr". Aha. Baerbock ist also eine junge Herrin, eine Masterin. Aber Letzteres gibt es im Englischen nicht. Die Briten sollten sich das noch einmal überlegen, ob sie weiterhin Frauen sprachlich unsichtbar lassen wollen.

Aber zurück zu Baerbock: Master waren die Sklavenhalter in übler Zeit, als die Berliner Mohrenstraße noch Mohrenstraße hieß. Und ausgerechnet eine Kanzlerkandidatin der Partei für anständiges Reden bezeichnet sich - hier frei übersetzt - als "junger Herr" oder "Sklavenhalter der Gesetze". Seltsam, dass es da keinen Aufschrei gibt. Ich jedenfalls bin empört!

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.