Leben

Last* One Woman Show We are Family

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Seit 1977 sind Joe und Jill Biden ein Ehepaar.

(Foto: imago images/UPI Photo)

Joe Biden hat bestimmt nicht alles richtig gemacht in seinem Leben. Wer hat das schon? Aber er hat vieles richtig gemacht. Das gibt Hoffnung! Hoffnung für den Einzelnen, ein Land, die ganze Welt.

Worüber kann ich schreiben in dieser Woche, in der fast nur ein Thema die Nachrichten bestimmt? Eine lustige kleine persönliche Geschichte? Eher nicht. Etwas mit Sex und Gewalt? Wollte ich neulich schon nicht. Was mich momentan am meisten interessiert, ist: Wann ist Corona zu Ende - die Antwort darauf liegt leider noch in zu weiter Ferne. Was mich momentan aber auch sehr interessiert, ist: Wer ist dieser Joe Biden? Jetzt hat man zwar schon eine Menge über den alten weißen Mann gelesen und gehört, doch geht es mir, je mehr ich lese oder sehe, so, dass ich immer mehr wissen will über ihn und seine Familie. Und die Tatsache, dass ein Mann, der 77 Jahre alt ist, plötzlich zum Prinz werden kann (mit einer 69 Jahre alten Prinzessin, hallelujah).

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Liebäugelt schon länger mit dem Posten - das Foto ist von 1987.

(Foto: AP)

Ich sehe einen Mann, der irgendwas mit seinem Gesicht hat machen lassen, was wirklich vollkommen unnötig ist. Aber mein Gott, es sind die Vereinigten Staaten von Amerika, da bekommt jedes Mädchen zum 18. eine neue Nase, schöne Ohren oder einen Traumbusen, sofern es das Taschengeld zulässt. Oder Daddy. Und ja, er rennt jedes Mal so hastig auf die Bühne in dem unbedingten Willen, dynamisch zu wirken, dass man betet, dass er nicht hinfällt. Joe, bitte bedenken: Wir wollen nichts riskieren! Also bitte, machen Sie langsam, laufen Sie ruhiger! America needs you! Wir brauchen Sie!

Was also sagen über Joe Biden, das Sie nicht längst schon wissen? Gucken Sie sich einfach ein paar Videos an; das hab' ich gemacht, weil ich mir ein eigenes Bild im wahrsten Sinne des Wortes machen wollte. Es ist ja dann so, dass auf der Seite rechts im Bild noch mehr Videos aufpoppen, und da steht: "Das könnte Sie auch interessieren". Und dann sind da sehr viele Joe-und-Jill-Biden-Videos, die man anklicken kann.

Keine Liebe, nur Diktatur

*Datenschutz

Ich habe mir zuerst das Video mit den Enkeltöchtern angesehen. Vier gackernde junge Frauen, die nicht immer ans Telefon gehen, wenn Opa anruft, denen man aber anmerkt, wie sehr sie ihn respektieren und lieben. Die den Zuschauer spüren lassen, wie sehr er - "Pop" - die Enkel liebt. Da agiert eine Familie. Keine einfache Familie, eher eine mit komplizierter Geschichte und vielen Höhen und Tiefen, aber dennoch eine Familie, von der die meisten nur träumen können. Da sind auf einmal wieder Werte im Spiel, alte Werte, aber die kommen einem fast neu vor nach vier Jahren Trump. Werte wie Verlässlichkeit, Treue, Hingabe - das kannten wir nicht mehr aus dem Weißen Haus. So lange herrschte dort eine Art der Kommunikation, die aus nicht zu Ende gesprochenen Sätzen bestand, aus Fußaufstampfen und Trotz, aus Hinterhältigkeit und Intrige. Aus einem Präsidenten, der mit Grimassen und Golfschläger regierte. Einer First Lady, die nur lächelte, wenn sie die Kameras auf sich fühlte oder den prüfenden, fordernden Blick ihres Mannes. Da war keine Liebe, nur Diktatur.

Die Trump'schen erwachsenen Kinder - alle instrumentalisiert. Erwachsen, verhaftet in Daddys Company, mit Posten und Pöstchen versehen, als lebten sie in einem Königreich und nicht in einer Demokratie. Am Anfang war das bestimmt ganz unterhaltsam für die Trump-Juniors, in Donalds Fahrwasser zu einer anderen Wichtigkeit zu gelangen. Vielleicht war da auch noch Hoffnung unter den vernünftigeren Nachfahren mitsamt Anhang, Dinge regeln zu können, wenn man ihn, den Vater und Präsidenten, nicht sich selbst und seinen schlechten Beratern überlassen würde - wenn man den jungen Leuten mal was Positives unterstellen will.

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Nichts gegen Sport, aber Biden setzt einfach andere Prioritäten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Golf oder Friedhof?

Ansonsten herrschte dort im familiären Umfeld vielleicht auch einfach nur eine gewisse Form von Gier. Oder hat man, nach dem Frauengipfel W20 in Berlin (2017) je wirklich wieder etwas von "Ivanka for President" gehört? Das einzig Gute: Barron, Melanias und Donalds 14-jähriger Sohn, wurde vor der Öffentlichkeit - zum Glück für ihn, und das muss man Melania wirklich hoch anrechnen - abgeschirmt und beschützt wie noch nie ein Kind im Weißen Haus.

Trump geht golfen, Biden auf den Friedhof - das fasst es vielleicht zusammen, wie unterschiedlich diese Männer mit wichtigen Momenten umgehen. Der eine zollt den Ahnen Respekt, der andere geht einer Freizeitbeschäftigung nach. Joe Biden lässt seiner Vize bei der ersten Rede den Vortritt, Donald Trump hetzt gegen Frauen oder will sie benutzen. Biden tröstet die Tochter eines ehemaligen politischen Gegners in einer Talkshow, weil ihr Vater, John McCain, an einem Gehirntumor gestorben ist, genau wie Bidens Sohn Beau.

Es sind diese kleinen Gesten, die man niemals von einem Präsidenten Trump gesehen hat, die für die Menschen das Größte sind. Ja, Trump hat keinen Krieg angezettelt - aber nur, wenn man den Krieg, der in seinem eigenen Land bereits tobt, nicht mitrechnet. Es ist ein Krieg, der Rassismus heißt, der Corona-Leugnung heißt, der Arm gegen Reich heißt. Das sind die Kriege, die Joe Biden nun schlichten muss - und dafür wünscht man ihm den allergrößten Erfolg und die beste Gesundheit!

*Last One Woman Show, weil die Kolumne nach einem Jahr anders heißen soll. Ich stehe nie allein da, so zu tun, als würde ich alles allein wuppen, stimmt einfach nicht. Und eine Show mach ich auch nicht. Also - im Dezember dann mit neuem Namen!

Quelle: ntv.de