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Amazon lässt abstimmen Altes Hollywood vs. neue Probleme

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Man wird doch wohl noch auf die eigene Genialität anstoßen dürfen! so geschieht's jedenfalls bei "The Interestings".

(Foto: Amazon Video)

Sie haben die Wahl: Ein weiteres Mal lässt Amazon Video seine Zuschauer darüber abstimmen, welche Serien sie in Zukunft gucken wollen. Drama-Fans können zwischen Retro-Glamour in Hollywood und "First World Problems" im New York der 90er wählen.

Wieso erst aufwendig eine ganze Staffel einer Serie produzieren, um dann deren Flop zu betrauern? Wieso auf eine kleine Testgruppe verlassen? Die Streaming-Plattform Amazon Video hat sich in Sachen Marktforschung optimiert und lädt glatt alle Zuschauer ein, mitzubestimmen, mit welchen Formaten sie in Zukunft ihre Abende verbringen wollen.

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Es ist mal wieder "Amazon Pilot Season". Das Prinzip hat sich bereits bewährt. Preisgekrönte Serien wie Amazons Aushängeschild "Transparent", die Musikshow "Mozart in the Jungle" und "Tumble Leaf" für die Kleinen etwa schnitten mit ihrer Pilot-Folge bereits bestens beim Publikum ab. Gleiches gilt für "The Man in the High Castle". Die Nazi-Dystopie ist Amazons am häufigsten gestreamte Eigenproduktion.

Nun wartet also ein frischer Schwung Pilot-Episoden darauf, sich dem Urteil der Netzgemeinde zu stellen. Neben sechs Kinderformaten sind auch zwei neue Dramen dabei: "The Last Tycoon" und "The Interestings". Beide Serien basieren auf erfolgreichen Romanen - aus Scott Fitz Geralds letztem Werk beziehungsweise auf dem Bestseller von Meg Wolitzer, aber nur eine sollte die "Pilot Season" überleben.

"The Last Tycoon"

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Matt Bomer gibt in "The Last Tycoon" den Charmeur von Hollywood.

(Foto: Amazon Video)

Im Hollywood der 30er Jahre dreht sich alles um den schnieken Filmstudio-Manager Monroe Stahr. Er hat das hübsche Gesicht von Matt Bomer aus "American Horror Story" und emotionale Unzulänglichkeiten, die an "Mad Men's" Don Draper erinnern. Mit seinem Chef Pat Brady streitet er um die Zukunft der Filmindustrie - Kunst vs. Kommerz, Ideale eben.

Wer sich an Kostümfilmen erfreut, kann sich mit "The Last Tycoon" sicherlich ganz gut die Zeit vertreiben. Wen es jedoch nach komplexeren Charakteren sehnt als solchen, die bei all der optischen wie ideologischen Überlegenheit als einzige Schwäche eine "düstere Vergangenheit" ins Feld führen, ist falsch bei dem Format. Frauen, die ihr Leben der Korrektur eines Mannes widmen wollen, Männer, die sich durch junges Fleisch beflügeln lassen - das ist im echten Leben bereits so langweilig, das braucht es nicht in Serie.

"The Interestings"

"Unsere Köpfe sind so aufgebläht von intellektuellen Gedanken, fortan soll man uns als die Interessanten kennen", verkündeten sie einst im Sommer-Camp für künstlerisch Begabte und auch zwanzig Jahre später suhlen die Freunde noch in geistiger Überlegenheit. Nur so überlegen, wie sie einst zu werden glaubten, sind nicht alle von ihnen.

"The Interestings" lebt von erwachsenen Problemen und jugendlichem Enthusiasmus, von New York, Glamour und alten Geheimnissen. Ob sich die Geschichte der sechs Hauptpersonen in Serie so erfolgreich wie in Buchform gestalten kann, muss sich erst zeigen. Nach dem Ende der Pilot-Folge will man aber wenigstens noch eine mehr gucken - oder die Zusammenfassung der Romanvorlage von Meg Wolitzer googlen.

Alle Pilot-Folgen sind über Amazon Video abrufbar.

Quelle: ntv.de