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Alt werden nur die anderen Holy shit, Madonna wird 60

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Sie will auf eine gewisse Art und Weise wahrscheinlich auch gar nicht erwachsen werden ...

Eben noch wälzte sie sich sündig auf einem Bett, hauchte "Justify my love" oder wollte auf die "Isla Bonita" auswandern, da wird die bekannteste Trägerin des Gaultierschen Spitzbusen-BHs auch schon 60. SECHZIG Jahre alt. Oder eben jung.

Es ist kein Geheimnis, dass es Frauen schwerfällt, zu altern. Denn was für Männer gilt, gilt ja nicht unbedingt für Frauen: Männer bekommen graue Haare und werden interessanter, sie bekommen Bäuche und sind trotzdem attraktiv, sie werden eigenartig, aber alles im grünen Bereich. Wenn Frauen älter werden, nerven sie entweder oder sie werden unsichtbar. So die landläufige Meinung. Und so war das bisher vielleicht auch.

Aber dank Frauen wie Madonna gehören diese Phrasen und diese Zeiten der Vergangenheit an. Auch Madonna mag ein wenig eigen geworden sein (schon immer gewesen sein?!), ihre Klamotten sind irgendwie übertrieben und ihr Hang zu Beauty-Experimenten aller Art ist relativ absurd, denn jünger sieht sie deswegen ja nicht unbedingt aus. Aber ihre Art, sich auszuleben, zu tun und zu lassen, was sie will, sich zu nehmen, wen oder was sie haben möchte, zu geben, auch wenn es niemand haben will, die ist überirdisch großartig. Und da haben wir noch gar nicht über ihre Musik gesprochen.

Übermutter

Logo, Madonna ist jetzt nicht die Super-Feministin im Sinne von Alice Schwarzer. Dafür hat sie zu oft ihre Brüste gezeigt. Zu oft "Fuck" gesungen und gesagt, zu viele Männer verschlissen, zu wenig bewiesen, dass sie die beste "Freundin von …" ist, zu egoistisch als Mutter agiert. Überhaupt - wie sie Mutter geworden ist. Mal mit dem einen Vater, mal mit dem anderen, mal hat sie Kinder adoptiert - böse Zungen haben behauptet, sie hätte die Kinder gekauft, aber egal: die Kinder haben es bei ihr sicher besser als bei vielen anderen Müttern auf der Welt.

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Madonna mit Tochter Lourdes .

(Foto: Instagram/madonna)

Die Kinder, von denen man schon was Eigenständiges hören oder sehen kann - Lourdes und Rocco - wirken im Rahmen einer Pop-Star-Übermutter recht vernünftig, sie scheinen die gleichen Probleme wie andere junge Menschen zu haben (trag' ich jetzt Haare unter den Armen oder doch nicht (L.) und will ich lieber bei Mama oder Papa wohnen (R.), das Übliche halt), aber das ist vollkommen okay, denn erstens ist Madonna - die wirklich Madonna heißt, kein Künstlername - ihre Mutter, und die könnte die Hunde auf jeden hetzen, der ihre Babys angreift.

Zweitens könnte sie selbst ihre Babys verteidigen, und das wäre sicher noch schmerzhafter als die Erfahrung mit den Hunden. Und drittens greift diese Kinder ja niemand an, denn sie haben wahrlich genug zu tun mit ihrer Mutter, das versteht jeder. Außerdem sind Kinder und Männer nun echt ihre Privatsache und wir wollen uns lieber anderen Themen Madonna betreffend widmen.

Wenn Madonna 60 werden kann, dann können wir das auch

Madonna hat mit ihrer ganzen Art - so wie sie ist, so wie sie schon immer war und auch so, wie sie sich und ihre Meinung, ihre Haare, ihre Musik immer wieder neu erfunden und immer wieder verändert hat - so unendlich viel für die Frauen dieser Welt getan. So viel, dass man zu ihrem Geburtstag, zumal zu ihrem unglaublicherweise 60., einfach mal mehr als nur "happy birthday" sagen sollte. Man sollte auch mal "Danke" sagen! "Thank you for the Music" klingt es Abba-esk in unseren Ohren. Der Hörer, der Fan, weiß, warum er Madonna liebt. Zumindest phasenweise, man muss ja nicht alles gut gefunden haben, was sie gemacht hat. Aber wer nicht zu Madonna getanzt, gelacht, geliebt oder geweint hat, der lügt. Und alle Musikerinnen, die nach ihr kamen, wissen auch nur zu gut, wofür sie sich theoretisch bei dieser Überfrau bedanken müssten: Dafür, dass sie gezeigt hat, dass alles geht, wenn frau nur will. Dass man umwerfend aussehen kann in hochgeschlossenen Roben oder in brustfreien Fummeln.

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Madonna und die Kirche - ein ewiges Thema ...

(Foto: REUTERS)

Dass die beste Werbung für beispielsweise ein Album, das Katholizismus und Rassismus anprangert, vom Papst direkt kommen kann: nach "Like A Prayer" rief Papst  Johannes Paul II. zum Boykott des Albums auf, doch Madonna tanzte einfach weiter vor Kreuzen und schwarzen Heiligenfiguren und sie verkauft mehr Alben als jede andere Sängerin und ist vermutlich noch reicher als Beyoncé.

Madonna Louise Ciccone, die am 16. August 1958 in einem Vorort von Detroit, Michigan, geboren wurde und deren Mutter starb, als Madonna noch ein kleines Mädchen war, hat aber, nach einer nicht einfachen Kindheit, auch Glück. Glück, dass sie zum Beispiel sehr ehrgeizig ist und mit dem Schicksal umgeht, statt zu hadern. Glück auch, dass sie überwiegend Musikerin ist. Wäre sie, sagen wir mal, Kassiererin, wäre es wahrscheinlich gar nicht mal so großartig, 60 zu werden. Ihre Beine täten weh und sie hätte vielleicht eine Sehnenscheidenentzündung am Ellenbogen vom "schwere Waren über den Pieper ziehen". Oder Schauspielerin, am allerschlimmsten, da gehört man zu 93 Prozent ab 39 zum alten, unbesetzbaren Eisen (die 7 übrigen Prozent sind Meryl Streep, Emma Thompson, Iris Berben, Hannelore Elsner, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert und Judi Dench).

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Macht, was sie will, sieht aus, wie sie will: Bravo!

(Foto: Instagram / Madonna)

Musikerinnen dagegen haben es gut. Sie können auf Abschiedstourneen gehen und werden bejubelt, siehe kürzlich Joan Baez. Und die ist beileibe nicht die Einzige, die alt und erfolgreich und einzigartig und Vorbild und großartig ist in ihrem Business. Da wären auch noch Aretha Franklin und Patti Smith und Kate Bush, und keiner macht sich über die Falten einer Marianne Faithfull lustig (sie war die Geliebte von Mick Jagger, kein Wunder, dass sie Falten hat).

Und auch darüber, dass Pop-Oma Cher (gerade in "Mamma Mia 2" zu bestaunen) im Körper einer alterslosen Barbie gefangen zu sein scheint, da macht sich auch keiner drüber lustig; eigentlich will man nur wissen, wer ihr Chirurg ist. Das Allerbeste an all diesen Frauen ist, von der Kassiererin bis zu Cher, dass sie alle was draufhaben. Aber keine hat es uns bisher so schön und so exzessiv und so drastisch vorgeführt wie Madonna, die ihren kleinen Katechismus beherrschte und daraus eine ganz große Nummer, geradezu ein Neues Testament, machte. So wie ein guter Papst oder Popmusiker das eben macht.

Jammern is' nicht

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Auf der "Blond Ambition World Tour" im Gaultier-Bustier: Es war mit rund 130 Kreationen des französischen Designers 2013 im Brooklyn Museum in New York zu sehen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Es gibt übrigens keine Madonna-Sause zu ihrem 60. - merkwürdig? Ein Zeichen, dass sie sich doch zu Hause unter der Bettdecke verkriechen möchte? Mitnichten. Auf ihrem Instagram-Account zählt sie die Tage Countdown-artig herunter und lässt ihre Fans am werten Befinden teilhaben. Und da ist nichts zu bemerken von Jammern. Und worüber sollte sie auch jammern? Darüber, dass es mit den Männern (sie war zum Beispiel mit Sean Penn verheiratet) nicht so problemlos geklappt hat?

Auf keinen Fall, denn Madonna nimmt sich ganz sicher, was und wen sie will. Dass es mit ihrer Schauspielkarriere nicht so bergauf ging wie gewünscht? Sie wird für immer "Evita" sein! Und was ist schon eine Rolle im Vergleich zu so vielen Nummer-eins-Alben?

Eine Frau, die über 300 Millionen Platten verkauft hat, deren Werke "Like A Virgin", "True Blue" oder "Erotica" heißen, die von Modemachern verehrt wird und die ihre Botschaften bei Preisverleihungen mit einem spitzen Pfeil unter das Volk schießen darf ("Wenn du in der Musikindustrie ein Mädchen bist, darfst du hübsch und sexy sein. Aber wehe, du bist smart und hast eine Meinung, die nicht dem Status Quo entspricht"), die sich mehrmals pro Jahrzehnt neu erfindet (neue Haare, neue Musikrichtung, neuer Style, neue Männer) - die jammert einfach nicht! Schon gar nicht zu ihrem 60. Geburtstag!

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Glückliche Mutter: Mit Lourdes und Rocco (außen) und den Adoptivkindern David, Mercy und den Zwillingen Estere und Stella.

Die Glückwünsche an diese einzigartige Künstlerin gehen nun in Richtung Portugal*, wohin sie mit ihren Kindern, insgesamt sechs, jüngst umgezogen ist, da das Trump-Amerika sie dermaßen anwidert und Sohn David gern ein großer Kicker werden will.

Von dort, aus Lissabon, erwarten wir noch dieses Jahr ein neues Album von dieser zum Glück überaus lebendigen Pop-Göttin - ein Album, das sicher wieder ganz anders sein wird als alles andere zuvor. Möge sie noch lange leben!

*Nachtrag: Geburtstag feiert sie in Marrakesch ...

Quelle: n-tv.de