Panorama

Wuhan, Beirut, Tönnies, Wendler Diese Videos erschütterten 2020 die Welt

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Eine Druckwelle über Beirut, ein Massengrab vor New York, Polizeigewalt in Minneapolis.

Die USA am Rande von Krieg und Revolution, Beirut in Trümmern, Terror und Amok in Österreich und Deutschland: Über die Corona-Krise hinaus ist 2020 ein Jahr verheerender Ereignisse. Immer wieder gehen Videos um die Welt, die erschütternde Szenen dokumentieren und die Macht bewegter Bilder entfalten.

Die Corona-Pandemie bestimmt fast überall auf der Welt monatelang das Leben in vielen Belangen - trotzdem bleibt das Jahr 2020 auch darüber hinaus als ein außergewöhnliches in Erinnerung. Seit März sind auch in Deutschland die Nachrichtenseiten gefüllt mit den Entwicklungen der größten globalen Krise seit dem 2. Weltkrieg. Aber schon lange bevor die Welt dem Virus einen offiziellen Namen gibt, macht sich die dunkle Vorahnung breit: Dieses Jahr wird nicht wie jedes andere.

Mit Handys und Internet fast überall sofort zur Hand stehen immer wieder Videoaufnahmen im Zentrum globaler Großereignisse. Sie dienen als Beweismittel in internationalen Konflikten, lösen in tragischen Momenten Wellen der Solidarität aus, tragen Missstände ans Licht der Öffentlichkeit und bewegen, empören oder begeistern binnen kürzester Zeit weltweit Millionen Menschen. Wir blicken zurück auf Momente, in denen Videos den Gang großer und kleiner Geschichten verändern oder in denen sich verändernde Geschichte der Welt in Videos offenbar wird.

Fast wie Erinnerungen aus einer viel länger vergangenen Zeit wirkt der Blick auf den Anfang dieses Jahres. Schon am 1. Januar ist Deutschland in Aufruhr, als in Krefeld das Affenhaus des Zoos samt der darin lebenden Tiere niederbrennt. Und auch die verheerenden, wochenlangen Wald- und Buschbrände in Australien sind noch keine zwölf Monate her. Kollektiv hält die Welt erstmals den Atem an, als ein US-Raketenangriff auf iranischem Boden den hochrangigen iranischen General Ghassem Soleimani ausschaltet. Am Rande eines potenziell globalen Krieges wähnt sich die Welt tagelang, als diese Aufnahmen publik werden, die zeigen, wie das in Reaktion auf den Anschlag hochgefahrene Raketenabwehrsystem Teherans ein voll besetztes Passagierflugzeug vom Himmel schießt.

Und dann, als die Welt schon brennt, kommt Corona. Besorgte und argwöhnische Blicke richten sich auf China, wo sich in Wuhan Szenen wie aus einem Katastrophenfilm abspielen. Spätestens als heimlich gefilmte Aufnahmen durchdringen, die Leichensäcke in Krankenhäusern zeigen, wird langsam klar, dass die Gefahr größer ist, als vom Regime in Peking zunächst vermittelt. Nach außen aber kommuniziert die Propaganda, dass China das Virus mit aller Macht in den Griff bekommt und im Rekordtempo der Krise Herr wird.

Und dann wird, was viele lange als weit entfernt wähnen, plötzlich real: Das Virus ist mitten in Europa. Besonders hart trifft es zunächst Norditalien und die Stadt Bergamo. Endgültig klar wird die Bedrohung, als Aufnahmen aus Krankenhäusern in der abgeriegelten Region durch die Medien gehen.

Binnen kürzester Zeit, und während US-Präsident Donald Trump seinen Bürgern noch einredet, Covid-19 sei in den USA kein Problem und werde sich ohnehin spätestens im Frühling von selbst erledigen, grassiert die tödliche Lungenkrankheit bereits im reichsten Land der Erde. Die zerstrittenen Vereinigten Staaten demonstrieren, wie schnell die Pandemie außer Kontrolle geraten kann.

Die erste Welle rollt mit besonderer Wucht über die Region New York. Was Trump für politische Zwecke zu instrumentalisieren versucht, kostet in der Metropole Hunderte ihr Leben. Bilder wie aus einem dystopischen Hollywood-Blockbuster laufen plötzlich in den Nachrichten. Drohnenaufnahmen von Massengräbern vor New York verdeutlichen die Hilflosigkeit der Menschen.

Deutschland reagiert verhältnismäßig schnell, fährt weite Teile des öffentlichen Lebens herunter und bleibt so zunächst von der unkontrollierten Ausbreitung des Virus verschont. Für Angst und Aufsehen sorgen aber immer wieder größere Cluster von Ansteckungen. Besondere Empörung provozieren Bilder aus einer Fleischfabrik der Firma Tönnies, nachdem sich ein Großteil der dicht gedrängten Belegschaft binnen Tagen mit dem Virus infiziert.

Mitten in der Gesundheits- und Wirtschaftskrise der USA bringen Polizisten auf einer Straße in Minneapolis den Schwarzen George Floyd um. Videos zeigen, wie ein Beamter minutenlang auf dem Hals des Opfers kniet, bis Floyd stirbt. Es ist der vorläufige Tiefpunkt in einer Reihe ähnlicher Fälle. Die Aufnahmen wirken wie der Funke, der das Fass von strukturellem Rassismus und ungestrafter Polizeigewalt in den USA zur Explosion bringt.

Wochenlang demonstrieren Hunderttausende, die Innenstädte mehrerer Metropolen brennen, randalierende Demonstranten stehen aggressiven Polizisten und dubiosen Militärtruppen des Präsidenten entgegen, die das Land an den Rand bürgerkriegsähnlicher Zustände bringen.

Ein unvorstellbares Unglück ereilt indes Anfang August die libanesische Hauptstadt Beirut. Ein Brand an einem Lagerhaus erfasst Unmengen unsachgemäß gelagerten Sprengstoffs. Die gewaltigen Explosionen reißen einen gigantischen Krater mitten in den Hafen und Hunderte Menschen im Umkreis in den Tod. Das ganze verheerende Ausmaß der Detonationen halten mehrere Handykameras fest.

In Deutschland verbreiten sich derweil krude Verschwörungsideologien schneller als das Coronavirus selbst. Die gegen die Pandemie ergriffenen Maßnahmen treffen viele Menschen hart, auf wachsenden Demonstrationen mischt sich ein explosives Durcheinander von rechtsextremen Staatsfeinden mit Esoterikern, von einfachen Kritikern der Maßnahmen mit lautstarken Kräften, die die Massen und das Momentum für politische Umsturzphantasien missbrauchen wollen.

Immer wieder werden die selbsternannten "Querdenker" von abdriftenden Prominenten befeuert. Für einen Aufschrei sorgen die wirren Videos des ohnehin umstrittenen Ex-Schlagerstars Michael Wendler.

Zur gleichen Zeit aber, als Tausende auf den Straßen und im Internet das zu harte Vorgehen gegen ein angeblich harmloses Virus beklagen, verliert Deutschland die Kontrolle über die zuvor beherrschte Pandemie. Die Animation der ntv.de-Daten zeigt, wie dramatisch die Situation in Deutschland über den Sommer kippt.

Auch in Österreich kehrt das Virus mit Macht zurück, die Regierung verhängt neue Maßnahmen. Stunden, bevor diese in Kraft treten, erlebt Wien eine Nacht des Grauens. Schwer bewaffnete Terroristen ziehen durch die Straßen der Hauptstadt und schießen um sich. Mehrere Menschen kommen ums Leben, das Land und Europa stehen unter Schock. Und doch ist die Nacht auch die Geburtsstunde einer Heldengeschichte.

Das einzig grundsätzlich vorhersehbare Ereignis in dieser Reihe ist die Präsidentschaftswahl in den USA. Schon in der Wahlnacht werden düstere Vorahnungen wahr: Mit seiner Rede lange vor dem Ende der Stimmauszählung sorgt der mittlerweile erwiesene Wahlverlierer Trump für Entsetzen und legt den Grundstein für das, was er in der Folge anzettelt. Er erklärt er sich zum Sieger, bezichtigt seine Gegner der Lüge und Manipulation und beginnt mit dem, was seine Kritiker als Staatsstreich gegen die größte Demokratie der Welt brandmarken.

Und auch Deutschland bleibt nicht von einer weiteren Katastrophe verschont. Am helllichten Tag sterben im beschaulichen Trier mehrere Menschen, als ein Mann mit hoher Geschwindigkeit mit einem Auto durch eine Fußgängerzone rast.

Wenngleich eine symbolische Zahl im Kalender die Weltgeschichte in Wahrheit kaum interessiert, wurde wohl selten ein Jahreswechsel so herbeigesehnt, wie der Anfang von 2021. Mit dem Beginn der Impfungen gegen Corona und der nahenden Amtsübernahme des US-Demokraten Joe Biden verbindet sich die Hoffnung, einen Schlussstrich unter das Katastrophenjahr 2020 ziehen zu können.

Quelle: ntv.de, mra