Ratgeber

Corona-Laborthese Was droht den Finanzmärkten?

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Bestätigt sich die Laborthese, dürfte es an den Märkten krachen.

(Foto: imago/blickwinkel)

Katastrophen an den Finanzmärkten bahnen sich leise an. Oft hören die Investoren die Signale nicht, da sie noch zu stark mit den letzten Krisen beschäftigt sind. Die jetzige Ankündigung des US-Präsidenten, der These eines Laborunfalls in Wuhan nachzugehen, birgt enormen Sprengstoff.

Die Hinweise der US-Geheimdienste konkretisieren sich. Das Coronavirus könnte doch im Institut für Virologie im chinesischen Wuhan künstlich hochgezüchtet und unbeabsichtigt von dort schon im Dezember 2019 entwichen sein. Mit der bekannten Folge von mehr als drei Millionen Toten und einem beispiellosen weltweiten wirtschaftlichen Schaden. Wir wollen und können an dieser Stelle den weiteren Untersuchungen nicht vorgreifen, aber als Risikoszenario für Wertpapierportfolios muss diese These sehr ernst genommen werden.

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Dr. Andreas Beck bewertet als unabhängiger Finanzmathematiker die Qualität von Vermögensverwaltungen. Unter anderem testet er zusammen mit n-tv und Focus Money seit über zehn Jahren die Portfolios der führenden Privatbanken in Deutschland. Daneben leitet er die Index Capital, welche für Banken und Fondsgesellschaften wissenschaftlich fundierte Portfoliomodelle entwickelt.

Ein typischer Fehler von Portfoliomanagern besteht darin, sich bei Stresstests zu stark auf historische Daten zu verlassen. Man geht in den Modellen implizit davon aus, dass die Anlageklassen, die in den letzten Krisen stabil waren, auch in zukünftigen Krisen funktionieren werden. Betrachten wir die Neue-Markt-Krise, die Terroranschläge, die Finanzkrise, die Euro-Krise - immer war China nicht das Problem, sondern die Lösung. Keine der letzten Krisen hat China relevant erfasst, stattdessen wurde die chinesische Wirtschaft immer stärker und zum eigentlichen Motor der Weltwirtschaft. Gerade die Finanzkrise war in diesem Sinne keine Weltfinanzkrise. Chinesische Banken und Versicherungen hatten aus Gründen der dortigen Regulierung keine toxischen, weil falsch bewerteten US-Hypothekenpapiere in ihren Bilanzen.

Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang der bisherige Verlauf der Corona-Krise. Obgleich diese von China ausgegangen ist, zeigte sich die chinesische Wirtschaft im weiteren Verlauf sehr robust. All das führte dazu, dass der China-Anteil in weltweit ausgerichteten Portfolios ein immer größeres Gewicht eingenommen hat. Als Argument wird zum Beispiel eine BIP-Gewichtung angeführt - Regionen werden nicht wie im MSCI All Countries World über die Marktkapitalisierung der Unternehmen gewichtet, sondern über das regionale Bruttoinlandsprodukt. Klingt nicht unvernünftig, ist aber bei Licht betrachtet nur eine Rechtfertigung dafür, China extrem hoch zu gewichten und so im Backtest zu glänzen.

Schadensersatzforderungen der gesamten Welt an China?

Zurück zur Laborthese. Als Alternative zu Backtests stehen im Risikomanagement synthetische Stresstests zur Modellierung von Krisen zur Verfügung. Damit können die Auswirkungen von Krisen auf Portfolios untersucht werden, auch wenn es in der Historie diese Krise noch gar nicht gab und Kursdaten entsprechend nicht vorhanden sind. Betrachten wir, welche Szenarien eine Bestätigung der Laborthese bedeuten können. Naheliegend wären enorme Schadensersatzforderungen praktisch der gesamten Welt an den chinesischen Staat. Lehnt China diese ab, so könnten die jeweiligen Länder das bei ihnen vorhandene Auslandsvermögen chinesischer Staatskonzerne beschlagnahmen.

Dieses Szenario erscheint uns vor allem deshalb realistisch, da seine Umsetzung keine Anerkennung internationaler Gerichte durch den chinesischen Staat erfordert und sehr viele Staaten davon enorm profitieren würden. Für die Finanzmärkte würde ein solches Szenario allerdings ein dramatisches Gewitter bedeuten. Es geht um nichts anderes als eine Rückabwicklung der Integration Chinas in die globale Marktwirtschaft. Betrachtet man die Abhängigkeiten vieler Unternehmen vom chinesischen Markt, so wird das Gefahrenpotenzial schnell deutlich - selbst wenn China gar nicht im eigenen Portfolio übergewichtet ist.

USA kamen ungeschoren davon

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Auf der anderen Seite zeigt sich auch, wie groß das Interesse der Welt daran wäre, es nicht zu einer solchen Eskalation kommen zu lassen. Die Geschichte hat gezeigt, dass nicht jedes Vergehen einzelner Staaten von der Weltgemeinschaft geahndet wird. Man denke nur an den völkerrechtswidrigen Einmarsch der USA in den Irak. Nicht einmal der Umstand hatte Konsequenzen, dass die Begründung für den Einmarsch auf gefälschten Dokumenten zu vermeintlichen Massenvernichtungswaffen Iraks beruhte. Dennoch würde ich mich nicht darauf verlassen, dass ein Beweis der Laborthese durch die westlichen Geheimdienste ohne gravierende Konsequenzen bliebe. Offensichtlich ist die Situation heute eine ganz andere, sodass ich jedem Investor empfehle, ein entsprechendes Stressszenario für sein Portfolio frühzeitig durchzuspielen.

Dr. Andreas Beck bewertet als unabhängiger Finanzmathematiker die Qualität von Vermögensverwaltungen. Unter anderem testet er zusammen mit n-tv seit über zehn Jahren die Portfolios der führenden Privatbanken in Deutschland. Sein neuestes Buch "Erfolgreich wissenschaftlich investieren" kann auf www.globalportfolio-one.de kostenlos heruntergeladen werden.

Quelle: ntv.de

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