Fußball

So läuft der 29. Spieltag Hinterm FC Bayern wird's brutal emotional

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Thomas Müller und seine Kollegen können schon bald den achten Meistertitel in Folge feiern.

(Foto: Jürgen Fromme/firo Sportphoto/PO)

Der FC Bayern verpasst dem Saisonfinale den Stempel "Liga-Langeweile"? Mitnichten! Nur die Meisterschaft ist geklärt, dahinter ist es spannend - und im Abstiegskampf gibt sich niemand geschlagen. Beide Extreme sind an diesem 29. Spieltag der Fußball-Bundesliga eng verwebt.

Was spornt den FC Bayern jetzt noch an?

Sie sind Meister, die Liga kann ihnen nichts mehr geben. Deswegen plant der FC Bayern jetzt offenbar schon, wie die Mannschaft von Hansi Flick wieder einmal Triple-Träume wahrmachen kann. Der DFB-Pokal ist natürlich bereits fest eingeplant, der Titel soll verteidigt werden. Auch wenn erstmal das Halbfinale gegen Eintracht Frankfurt ansteht (10. Juni, 20.45 Uhr im ntv.de-Liveticker) - dem letzten Team, das die Münchner in einem Finale in Berlin bezwingen konnte. Eine Kleinigkeit, die es aus dem Weg zu räumen gilt. Danach nämlich will der Klub seine Spieler in den "Triple-Urlaub" schicken, berichtet die "Bild". Schließlich liegen mehrere Wochen freie Zeit zwischen dem Saisonfinale der Bundesliga und dem angepeilten Restart der Champions-League. Erst ab 8. August könnten die noch offenen Viertelfinals ausgespielt werden - die Bayern müssen gegen den FC Chelsea ran. Die Ausgangslage ist äußerst entspannt, am 25. Februar hatten sie das Spiel in London mit 3:0 gewonnen. Klar, da kann man schonmal weiterdenken - und die Profis bestmöglich ausgeruht, aber spielbereit in Richtung Finale bringen. Das Triple von 2013 ist schließlich schon lange her.

Was diese Zukunftspläne mit der Bundesliga zu tun haben? Richtig. Nix. Aber in der ist es für Flick und Co. nun ziemlich langweilig. Das Spiel gegen Fortuna Düsseldorf bereitet nur dem Gegner schlaflose Nächte, der versucht verzweifelt, vom Relegationsplatz zu entfliehen. Die positive Auswärtsbilanz unter Trainer Uwe Rösler von einem Sieg und drei Unentschieden ist diesmal jedoch nicht mehr als eine schöne Randnotiz. Die Münchner haben seit dem 7. Dezember 2019 nicht verloren. Das wird sich am Samstag (18.30 Uhr, im ntv.de-Liveticker) nicht ändern. Da bleibt auch Rösler nichts anderes als Anerkennung übrig: "Der Fußball, den sie im Moment spielen, ist fantastisch." Obacht, es gibt ja doch noch ein Ziel in der Liga: Der achte Meistertitel in Folge kann rechnerisch und unter Mithilfe der Konkurrenz schon am übernächsten Spieltag eingetütet werden. Tipp: 4:0 für München

Bleibt Borussia Dortmund wenigstens Platz zwei?

Ein Gutes hatte der vergangene Spieltag für Borussia Dortmund. Weder RB Leipzig, noch Borussia Mönchengladbach, noch Bayer 04 Leverkusen profitierten von der eigenen Pleite im Spitzenspiel gegen den FC Bayern (0:1). So hat das Team weiterhin Platz zwei inne. Bis auf Leipzig kann nicht mal an diesem Spieltag jemand vorbeiziehen. Über die erneut verpasste Meisterschaft tröstet das sicherlich nicht hinweg, auch wenn das Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke glauben machen wollte: "Wir haben ein Spiel verloren, in dem wir es sehr ordentlich gemacht haben." Im Gegenteil, die Niederlage provozierte nur noch mehr Spekulationen - vor allem über Trainer Lucien Favre. Der verkündete scheinbar seinen Rücktritt, ruderte zurück - und findet es nun ganz wunderbar in Dortmund, wo er unbedingt bleiben möchte. Dass angeblich Niko Kovac schon in Warteposition gebracht ist? Das Gerede über den Trainer, der scheinbar nichts mehr richtig machen kann, wird anhalten.

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Dahoud fällt mit einer Knieverletzung aus.

(Foto: Jrgen Fromme/firo Sportphoto/POOL)

Genauso wie die Jagd der Verfolger anhalten wird. Am Sonntag (18 Uhr) geht's nach Paderborn. Einmal Aufatmen, bitte - wobei, da war doch was! Im Hinspiel schrammte der BVB gerade so an einer Niederlage vorbei. Erst in der Nachspielzeit traf Marco Reus zum 3:3-Ausgleich. Für die Ostwestfalen läuft es nicht immer so gut: Das Tabellenschlusslicht will sich zwar noch nicht ergeben, faktisch aber sind die Chancen auf den Klassenerhalt gleich Null. "Wir machen immer weiter", sagt Trainer Steffen Baumgart dennoch. Lobt aber zugleich den Gegner: "Der BVB hat eine gute Entwicklung genommen." Eine Entwicklung, die für den Angriff auf den FC Bayern nicht ausreicht. Vorerst aber, um die Konkurrenz in Schach zu halten. Nicht mehr dabei helfen, dass es auch so bleibt, kann Mahmoud Dahoud. Der Mittelfeldmann, der zuletzt so unbeschwert aufspielte, muss die Saison vorzeitig beenden. Favre teilte auf der Spieltags-Pressekonferenz mit, dass er bei der Bayern-Niederlage eine Knieverletzung erlitten hat. Für Dahoud soll am Sonntag um 18 Uhr in Paderborn Emre Can in die Startelf rücken und dafür sorgen, dass sein Klub nicht wieder über den Aufsteiger stolpert. Tipp: Nach dem 3:3 im Hinspiel siegt der BVB diesmal mit 3:0

Was passiert im Kampf um die Champions League?

SC Freiburg - Bayer Leverkusen (Freitag, 20.30 Uhr): Die Bruchlandung von Leverkusen am vergangenen Spieltag war hart und unerwartet. 1:4 gegen den VfL Wolfsburg, schwaches, gar "inakzeptables" Spiel, wie Trainer Peter Bosz wetterte. Es geht für sein Team darum, nicht auf der Zielgeraden noch die Champions League zu verspielen, aktuell sind sie nur Fünfter. Können aber nun vorlegen - und damit Borussia Dortmund, RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach unter Druck setzen. In Freiburg ist die Hoffnung auf Europa dagegen vermutlich verflogen. Nach einem überragenden Saisonstart ist die Mannschaft von Christian Streich schon länger raus aus den Plätzen ganz oben. Mit einer Niederlage und zwei Unentschieden läuft es im Breisgau derzeit eher holprig. Neben der höheren Qualität spricht für Leverkusen: Auswärts sind sie seit sechs Spielen ungeschlagen. Zudem haben sie Kai Havertz, von dem der gegnerische Trainer geradezu schwärmt: "Er spielt mit einem totalen Selbstverständnis. Es würde mich mal interessieren, mit welchem Puls er auf den Platz geht. Wahrscheinlich halb so hoch wie meiner, obwohl ich nicht mal spiele", so Streich. "Wenn du so eine Qualität hast wie er, kannst du dich natürlich vollständig auf deine Fähigkeiten verlassen." Tipp: 3:1 für Leverkusen, das damit vorerst Tabellenplatz drei erobert

Borussia Mönchengladbach - 1. FC Union Berlin (Sonntag, 15.30 Uhr): An das Hinspiel wird sich der 1. FC Union gern erinnern, das endete mit einem 2:0-Sieg. Nach Dortmund war die zweite Borussia das nächste große Team, das sie zu Hause im Stadion an der Alten Försterei bezwingen konnten. Doch der Heimvorteil der Berliner fehlt diesmal - in der Fremde konnten sie erst elf Punkte holen und stehen in der Auswärtstabelle nur auf Platz 17. Die Borussia dagegen ist ziemlich ausgeglichen, holte zu Hause nur fünf Punkte mehr als auswärts. Das ist ein weiterer Vorteil, denn aufgrund der Corona-Maßnahmen scheint der Heimvorteil aufgehoben. Nur fünf Heimsiege gab es in den 27 Begegnungen seit dem Restart - wohl also dem, der es auch "auswärts" kann - oder eben ohne Fans. So schafft es die Borussia im Kampf um die Champions League wieder an Leverkusen vorbei. Mit derzeit schon 53 Punkten sind sie ohnehin bereits gut wie nie. Tipp: 3:0 - und wieder an Leverkusen vorbei

1. FC Köln - RB Leipzig (Montag, 20.30 Uhr): Markus Gisdol schlug beim Effzeh ein wie eine Bombe, doch die Anfangseuphorie hat sich aufgelöst. Seit vier Partien sind die Kölner schon sieglos. Die Remis-Könige stehen ihnen nun gegenüber, RB Leipzig spielte bereits zehnmal Unentschieden, so häufig wie sonst nur der FC Schalke 04. Dank nur dreier Niederlagen und 15 Siegen haben die Sachsen dennoch Platz drei inne und im Rennen um die Champions League damit hinter dem designierten Meister FC Bayern und dem zwei Punkte besseren Borussia Dortmund die besten Aussichten. Ruhe und Gelassenheit ob dieser guten Situation? Mitnichten! Trainer Julian Nagelsmann machte klar, wie die Marschrichtung in Leipzig ist: "Es ist ein Trugschluss zu glauben, als 18 Jahre alter Spieler hat man drei oder vier Jahre Zeit, sich zu entwickeln. Das ist mir relativ scheiß egal, ich will mal einen Titel gewinnen." Nun, in dieser Saison wird's damit in der Bundesliga nix mehr. An diesem Spieltag könnte er aber zumindest einen Sieg feiern, sollten die Kölner nicht zu allzu vielen Standards kommen - Leipzig kassierte nach der Corona-Pause alle drei Gegentore nach Standards. Überhaupt: Der Trainer verlor noch nie gegen den 1. FC Köln. Tipp: 3:1 für Leipzig - das Gegentor fällt, na klar, nach einer Ecke und damit gibt's den dritten Tabellenplatz zurück

Und sonst so?

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Pokerface im Abstiegskampf: Kohfeldt.

(Foto: imago images/Nordphoto)

FC Schalke 04 - Werder Bremen: Achtung Schalke, jetzt kommt Werder! Sollte Moral die größte Komponente des Duells sein, hat Bremen eine gute Ausgangsposition. Tief drin im Abstiegskampf, aber längst nicht aufgesteckt, stattdessen gegen Freiburg gesiegt und gegen Gladbach einen Punkt erackert. Dazu ein Trainer Florian Kohfeldt, der sein Team weiter anspornt: "Keiner darf die Galligkeit verlieren. Keiner darf die Griffigkeit verlieren. Wir haben nur noch Schlüsselwochen vor uns." Und: "Wir haben jetzt keine Zeit mehr für die geringste Nachlässigkeit." Dagegen ein FC Schalke, der in drei Spielen seit dem Restart neun Tore kassierte und jeglichen Elan vermissen lässt. Wie Kohfeldt auf der anderen Seite ist auch Schalkes Coach David Wagner harscher Kritik ausgesetzt. Wie Kohfeldt bekommt aber auch er Rückendeckung von der Vereinsführung. Man könnte fast annehmen, die Teams befinden sich in ähnlicher Lage. Obwohl die Bremer 15 Punkte weniger auf dem Konto haben, sind sie gefühlt die stärkere Mannschaft. Das wird ein spannendes und wegweisendes Duell. Tipp: Schalke taumelt weiter, Bremen siegt 2:1

Hertha BSC - FC Augsburg: Der Höhenflug der Berliner ist beeindruckend. Zwei Siege und ein Unentschieden gab es bislang unter Neu-Trainer Bruno Labbadia, dem vierten in dieser Saison. Das bedeutet für Hertha plötzlich, dass der Weg zu den internationalen Rängen kürzer ist als zum Relegationsplatz - für den selbsternannten Bald-"Big City Club" kommt das gerade recht. In den Träumereien spielt der anstehende Gegner wohl eher keine Rolle, Augsburg ist zu klein für Investor Lars Windhorst. Der FCA startete mit einer Niederlage, einem Sieg, einem Unentschieden und viel Wirbel um Coach Heiko Herrlich aus der Corona-Pause. Hat seinerseits nur vier Punkte Vorsprung auf den Tabellen-16. Mainz und dürfte nachempfinden können, was Labbadia im Phrasenschach (siehe unten) sagt. Tipp: Herthas Bilanz steigt weiter, 2:0

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Die Frankfurter Lage ist zum Heulen.

(Foto: Jan Huebner/Pool)

VfL Wolfsburg - Eintracht Frankfurt: Ein Punkt aus sechs Spielen - das ist die magere Bilanz der Eintracht. Elf Punkte aus sechs Spielen - das ist die Ausbeute des VfL. Die beiden Europa-League-Klubs dieser Saison trennt ein derzeit ein Klassenunterschied. Während die Wolfsburger unter Oliver Glasner zuletzt die Rekord-Leverkusener mit 4:1 vom Platz fegten, musste sich Frankfurt unter der Woche über eben jenen einzelnen Punkt freuen, den sie gegen den SC Freiburg ergatterten. Während die Niedersachsen der erneuten Europa-League-Qualifikation entgegenstreben, müssen sich die Hessen mittlerweile gegen den Abstieg kämpfen. Eintracht-Coach Adi Hütter will aber nicht vorzeitig aufgeben: "Ich erwarte, dass wir morgen Paroli bieten können." Trotzdem gestand er der "Bild": "Ich ärgere mich." Tipp: Zu recht, das wird auch diesmal nix, 2:0

FSV Mainz 05 - TSG Hoffenheim (alle Samstag, 15.30 Uhr): Die Bilanz der beiden ist ziemlich ausgeglichen. Von 23 Duellen gab es sieben Unentschieden, sieben Siege für die Hoffenheimer und neun Dreier für die Mainzer. Die leicht positive Richtung für die Mainzer liegt in den letzten zwei Duellen begründet, die Mainz mit 5:1 und 4:2 für sich entscheiden konnte. Auch deswegen warnt TSG-Coach Alfred Schreuder: "Die Mainzer stehen in der Tabelle hinter uns. Aber das heißt nicht, dass es ein leichtes Spiel wird. Auf keinen Fall. Das haben wir in dieser Saison schon oft gesehen." Allerdings kämpft Mainz gegen den Abstieg, hält sich nur einen Punkt über dem Relegationsplatz. Die Hoffenheimer dagegen jagen die Europa-League-Quali - und haben den Auswärtsvorteil, nach dem sie in dieser Saison nur drei von 13 Spielen verloren. Tipp: 1:2

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Ohne diese sieben Punkte hätten wir den Arsch an der Wand." Bruno Labbadia über die Bedeutung der Ausbeute von sieben Punkten aus seinen ersten drei Spielen mit Hertha BSC.

Der FC Bayern führt die Fußball-Bundesliga mit sieben Punkten Vorsprung souverän an. Doch was passiert dahinter? Der Kampf um die Champions League ist spannend. Sowohl die Partie der Leverkusener als auch die der Leipziger können Sie bei Amazon Prime verfolgen.

Quelle: ntv.de

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