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So läuft der 30. Spieltag Pizarro droht FC Bayern, S04 hat Finalangst

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Kennt sich bestens mit dem FC Bayern aus: Claudio Pizarro (m.), hier 2008 beim bisher letzten Werder-Sieg in München.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Fünf Spieltage vor Saisonende wird's brenzlig in der Bundesliga - oben wie unten. In Schwaben sind Fußball-Ästhetiker fehl am Platz, Schalke irrlichtert weiter. Der BVB beult Dellen aus und jagt ganz nebenbei den FC Bayern. Helfen soll dabei ein Senior von der Weser.

Was macht der FC Bayern?

Der muss zittern. Nein, nicht etwa vor den jüngst flatterigen Verfolgern aus Dortmund. Denn die müssen erstmal ihren Lieblingsgegner ihre Hausaufgaben im Breisgau erledigen (siehe unten), um dem Tabellenführer der Fußball-Bundesliga nach der 0:5-Demontage durch ebendiesen wieder ordentlich Furcht einflößen zu können. Nein, der ärgste Widersacher des FC Bayern München ist dieser Tage der SV Werder Bremen. Gleich zwei Mal binnen fünf Tagen treffen beide Klubs aufeinander, zunächst ab 15.30 Uhr in München (im Liveticker bei n-tv.de) in der Liga, dann am Mittwoch (ab 20.45 Uhr ebenfalls im Liveticker bei n-tv.de) im Halbfinale des DFB-Pokals, das im Weserstadion steigt.

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Und warum soll ausgerechnet der Tabellensiebte ein Problem für den deutschen Rekordmeister sein? Nun, dafür gibt's einige Indizien. In seiner Bundesliga-Geschichte hat der FC Bayern bereits 26 Mal gegen Bremen verloren und damit so oft wie kein anderes Team. Und die Bremer sind immerhin als einzige Mannschaft in der Rückrunde ungeschlagen. Allen Werder-Fans kurz vor der euphorischen Hyperventilierung sei allerdings gesagt, dass die Bremer für ihre 26 Erfolge stolze 105 Liga-Begegnungen brauchten - und die Bayern zuletzt 18 (!!!!) Pflichtspiele in Folge gegen Werder gewonnen haben. Wo wir beim zweiten Argument wären: Claudio Pizarro. Der Peruaner hat in seinen 40 Lebensjahren schon viel erlebt - darunter eben auch den bislang letzten Bremer Sieg gegen den FC Bayern am 20. September 2008. Damals fertigte das Team von Trainer Thomas Schaaf die Münchener mit 5:2 ab, Pizarro traf zum zwischenzeitlichen 4:0.

Doch genug aus dem Kapitel für grün-weiße Statistikfüchse. An diesem 30. Spieltag reist der alte Mann von der Weser wieder nach München. Als Ersatzspieler, aber mit dezenter Drohung im Gepäck. "Wenn ich reinkomme, wird es vielleicht nicht so schön für die Bayern", sagte der älteste Bundesliga-Torschütze vor der Partie gegen den Klub, für den er insgesamt neun Jahre gespielt hat. Auch sein vier Jahre jüngerer Trainer Florian Kohfeldt ist angriffslustig. "Wir haben auch unsere Waffen, um ihnen weh zu tun", sagte er - auch mit Blick auf Pizarro: "Claudio gehört bei uns zu den Spielern, die wissen, wie Erfolg geht." Das Problem: In dieser Disziplin scheint dem FC Bayern so schnell niemand etwas vorzumachen. "Wir haben in den letzten Wochen und Monaten sehr, sehr gut gespielt", sparte Münchens Trainer Niko Kovac vor dem Nord-Süd-Derby nicht mit Eigenlob. Und stellte klar, daran werde auch der Ausfall von Manuel Neuer nichts ändern. Stattdessen steht halt Sven Ulreich im Bayern-Tor. "Er hat gute Leistungen gezeigt und überzeugt. Ich mache mir da überhaupt keine Sorgen", befand Neuer. Werder Bremen ist ja auch nicht Real Madrid. Tipp: 2:1. Für die Bayern. Pizarro kommt zu spät.

Wie geht's dem BVB?

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Lucien Favre und seine Dortmunder brauchen einen überzeugenden Sieg fürs Gemüt.

(Foto: imago images / DeFodi)

Was dem FC Bayern die Bremer (Stichwort: Lieblingsopfer), sind Borussia Dortmund die Freiburger. Deutsche Statistiker haben herausgefunden: Nirgendwo reiste der BVB in der Fußball-Bundesliga zuletzt lieber hin als in den Breisgau. Der ungewöhnlich kleine Platz in Freiburg, er liegt dem BVB einfach. Bei 17 Dienstreisen nach Freiburg gab es eine einzige Dortmunder Pleite, am 8. Mai 2010, als es für beide Teams nicht einmal mehr um die goldene Ananas ging. In Zeiten des Aufruhrs, wie sie in Dortmund trotz weiter exzellenter Meisterschaftschancen wegen der jüngsten totalen (München) bzw. total partiellen Systemabstürze in der Dortmund gerade herrschen, sind das eigentlich durchaus erbauliche Zahlenspiele. Allerdings ist sich der BVB trotz Platz zwei und Mini-Rückstands auf München (1 Zählerchen) gerade selbst ein großes Rätsel - und für Dortmunds Superhirnli-Trainer Lucien Favre deshalb nicht die historisch formidable Freiburg-Bilanz der Borussen relevant, sondern die beeindruckende Heimstärke der Streich-Buben in dieser Saison gegen Topgegner. Vielleicht liegt's auch daran, dass Favre selbst als Trainer noch nie in Freiburg gewinnen konnte, aber das ist kühne Mutmaßung.

Jedenfalls holte der SC daheim gegen Leipzig (3:0), Mönchengladbach (3:1) und FC Bayern (1:1) sieben von neun Punkten - und sich dafür ein freundliches Favre-Lob ab, dieses: "Freiburg ist immer sehr gut organisiert und läuferisch stark und dadurch auch sehr gefährlich." Das klingt freundlich, ändert aber nichts daran: Der BVB muss gewinnen - und will das endlich wieder überzeugend tun. Auf der Suche nach der irgendwo in Augsburg verlorenen Spielwucht baut Favre auf Nuancen ("Sind immer Details zu verbessern"), eine Ausbeulung der Post-Geburt-Formdelle von Kapitän Marco Reus und die Rückkehrer Raphael Guerreiro und Christian Pulisic. Und Freiburg? Will "marschieren und fighten, als ob es unser letztes Spiel wäre" und "eine ganze Klasse besser spielen als zuletzt", kündigte Coach Christian Streich selbstbewusst an. Denn: "Das wäre nötig, um eine Chance zu haben und vielleicht eine Sensation zu landen." Tipp: 2:1 für Dortmund, ganz unsensationell.

Wie läuft der Schalker Abstiegskampf?

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Huub Stevens hat positive Signale bei seinen Schalker Spielern ausgemacht.

(Foto: imago images / Markus Endberg)

Die guten Nachrichten für Huub Stevens zuerst: Obwohl zahlreiche Fans nach dem dürftigen 1:1 in Nürnberg am vergangenen Spieltag skandiert hatten, dass außer Torwart Alexander Nübel "alle gehen" könnten, sind dann nach Recherchen von n-tv.de doch einige Spieler in Gelsenkirchen geblieben. Zumindest kann der Schalker Jahrhunderttrainer im Spiel gegen seinen Ex-Klub TSG Hoffenheim (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) elf Mann aufbieten, um sich gegen den drohenden Abstieg zu stemmen. Und: Bis zum Relegationsrang sind es noch sechs Punkte. Das war's aber so ziemlich an positiver Kunde für Königsblau, auch wenn Stevens betont: "In dieser Woche habe ich wieder positive Signale von der Mannschaft gesehen." Nun denn.

Allein, von positiven Signalen wird sich ein Europa-Aspirant wie Hoffenheim allerdings wohl kaum einschüchtern lassen. Die Kraichgauer haben mit jüngst drei Siegen in Serie zu einem beachtlichen Saisonschlussspurt angesetzt. Und der soll laut Trainer Julian Nagelsmann nicht auf Schalke enden. "Wir müssen dreifach punkten, um den Druck auf andere Teams hochzuhalten. Wir wollen Ziele erreichen", sagte er und spekulierte: "Vielleicht können wir doch noch den vierten Platz angreifen." Davon trennen den Tabellensechsten momentan immerhin nur fünf Punkte. Stevens, der Nagelsmann vor drei Jahren krankheitsbedingt das Hoffenheimer Traineramt überlassen hatte, klingt da weniger energisch. "Ich weiß nicht, ob ein Sieg reicht", sagte der "Knurrer von Kerkrade" - und fügte hinzu, dass er es auf ein Finale um den Klassenerhalt am letzten Spieltag gegen Stuttgart "eigentlich nicht ankommen lassen" wolle. Tipp: Für die Schalker wird's zunehmend eng - 1:3.

Apropos Stuttgart: Der VfB tut zurzeit einiges dafür, Stevens' Wunsch zu erfüllen. Nur zwei Punkte in den vergangenen fünf Spielen - das ist zu wenig im Abstiegskampf. Wie praktisch, dass das Team von Trainer Markus Weinzierl diese Bilanz nun gegen den direkten Konkurrenten FC Augsburg aufpolieren kann. Mehr noch: Um überhaupt noch eine Chance auf den direkten Klassenerhalt zu wahren, sind die württembergischen Schwaben gegen die bayerischen Schwaben zum Erfolg verdammt. Augsburg hingegen wäre seinerseits bei einem Sieg fast gerettet. Das deutet auf einen erbitterten Kampf hin - findet auch Augsburgs Neu-Trainer Martin Schmidt: "Es wird kein schönes Spiel werden, wer das erwartet, wird enttäuscht", sagte er und prophezeite: "Das wird ein knallharter Abstiegsfight." Ähnlich sieht es Weinzierl: "Da ist Emotion drin". Die "Stuttgarter Zeitung" schrieb jüngst, dass das Spiel für Weinzierl an seiner ehemaligen Wirkungsstätte die "letzte Chance" sei. Der 44-Jährige selbst denkt da offenbar etwas weiter. Er habe "immer davon gesprochen, dass wir am letzten Spieltag ein Endspiel haben wollen", sagte er. Doch dazu muss der VfB erst mal das hässliche Auswärtsspiel beim Tabellen-14. gewinnen. Tipp: Stuttgart ringt Augsburg knallhart nieder - 2:3.

Was ist sonst noch so los?

FSV Mainz 05 – Fortuna Düsseldorf, Samstag 15.30 Uhr: Mainz ist durch, Düsseldorf ist durch. Tipp: 3:2.

Bayer Leverkusen – 1. FC Nürnberg, Samstag, 15.30 Uhr: Erst furios loslegen, dann virtuos implodieren, so ungefähr lässt sich der Peter-Bosz-Effekt beschreiben. Mit dem Arbeitssieg in Stuttgart haben die Leverkusener nach einem Pleiten-Hattrick aber wieder die Kurve bekommen - und nun mit dem Vorletzten 1. FC Nürnberg eine machbare Aufgabe vor der Brust. Der dürfte zwar vom Schalke-Schiri-Frust höchstmotiviert sein, ist aber in dieser Saison noch ohne Auswärtssieg.  Tipp: 4:3 für Leverkusen. Bosz-Effekt binnen 90 Minuten.

Borussia Mönchengladbach – RB Leipzig, Samstag, 18.30 Uhr: Im Borussia-Park zu Mönchengladbach steigt das Topspiel des 30. Spieltags, es geht um die Champions-League-Qualifikation. Die hätte RB Leipzig mit einem Sieg und dann zehn Punkten Vorsprung die fünftplatzierten Gladbacher fast sicher - die hat aber auch Gladbach noch nicht abgeschrieben. Tipp: 2:2.

Hertha BSC – Hannover 96, Sonntag, 18 Uhr: Fünf Spiele noch, dann spätestens endet die Amtszeit von Pal Dardai als Chefcoach der Berliner Hertha. Die Lücke, die in Berlin traditionell zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft, wird ihm zum Verhängnis. Aber, so Dardai: "Ich bin nicht beleidigt, bin nicht wütend." Das könnte er aber noch werden, falls seine Hertha auch gegen Ligaschlusslicht Hannover verliert und die sechste Pleite in Folge kassiert. Gut, dass Hannovers Coach noch Thomas Doll heißt, der zuletzt sogar achtmal in Folge verloren hat. Tipp: 1:0, aber schön wird's nicht.

VfL Wolfsburg – Eintracht Frankfurt, Montag 20.30 Uhr: Die Hoffnung in Wolfsburg lebt, und gehofft wird weiterhin auf einen Europa-League-Platz. Frankfurt träumt nach dem Sturmlauf ins EL-Halbfinale eine internationale Etage höher und möchte Platz vier verteidigen, der ja zur Champions-League-Teilnahme berechtigen würde. Aber: Wolfsburg-Coach Labbadia hat als Trainer gegen Frankfurt noch nie verloren und von zehn Duellen immerhin fünf gewonnen. Aber: Frankfurts Abwehrchef Makoto Hasebe weiß genau, wie man in Wolfsburg gewinnt - er wurde 2009 mit dem VfL Meister. Tipp: 3:2 für Frankfurt. Nach 2:0-Führung für Labbadia.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Ich habe schon hundertmal gesagt, Pal Dardai ist ein Vollprofi, er ist in der Fußballkabine aufgewachsen." Herthas Noch-Trainer Pal Dardai über Herthas völlig unbeleidigten Noch-Trainer Pal Dardai.

Quelle: n-tv.de

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