Fußball

Deutsche Legionäre im Formcheck Podolski als Retter, Klose schiebt Frust

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Gereizt? Miroslav Klose.

(Foto: imago/Action Plus)

Robert Huth knackt als deutscher Fußballprofi in England einen Rekord, Mesut Özil glänzt, Bastian Schweinsteiger spürt den Charme Louis van Gaals. Istanbul feiert Lukas Podolski, Mario Gomez bleibt der Torero.

Gastarbeiter des Wochenendes

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Spitzenreiter: Robert Huth.

(Foto: REUTERS)

Robert Huth (Leicester City): Die deutsche Abwehrkante ist mit Leicester City wieder Tabellenführer in der Premier League, der Rückkehr an die Spitze der vermeintlich stärksten Liga der Welt gelang durch ein 3:0 bei Swansea City. Damit aber nicht genug der Freude für Huuuuuuuuuuuuuuuuuuth, er verewigte sich außerdem in den Liga-Annalen: als alleiniger deutscher Rekordspieler in Englands höchster Spielklasse. In Swansea stand der 31-jährige Berliner zum 269. Mal in der Premier League auf dem Platz und ließ damit Dietmar Hamann hinter sich - der via Twitter prompt gratulierte: "Glückwunsch Huthy, hätte von keinem netteren Kerl überholt werden können. Gut gemacht, Kumpel."

Lukas Podolski (Galatasaray): Wurde, befand die türkische Zeitung "Fanatik" durchaus überschwänglich, gegen Bursaspor zum "Retter Podolski". Beim spät herausgeschossenen 3:0 (0:0)-Erfolg, dem ersten nach fünf sieglosen Partien in der Süper Lig, erzielte der Weltmeister das 1:0 (69.) selbst, beim 2:0 von Yasin Öztekin (80.) leitete er den Angriff ein und beim 3:0 gab er die direkte Vorlage für Vollstrecker Burak Yilmaz (89.). Wiederholt Podolski die Leistung an diesem Dienstag in der Champions League gegen FK Astana aus Kasachstan, geht es 2016 zwar nicht in Europas Königsklasse, zumindest aber in der Europaliga weiter.

Gefragt

Mesut Özil (FC Arsenal): Der Spielmacher ist weiterhin glänzend aufgelegt. Indiz dafür: Er legt seinen Mitspielern fleißig Tore vor und überzeugt endlich einmal auch dann, wenn es seine Teamkollegen eher nicht tun. Beim insgesamt schmeichelhaften 3:1 gegen Sunderland durfte sich Joel Campbell vor dem 1:0 über einen Sahnepass freuen, für Özil war es bereits die zwölfte Vorlage. Zur Einordnung: Der nächstbeste Kellner in Englands Premier League ist Riyad Mahrez von Leicester City und kommt auf sieben Vorlagen. Aber nicht nur Özils Spiel, auch sein Spielkommentar hatte die gewohnte Tiefe. Via Twitter ließ er wissen: "Zu diesem Zeitpunkt der Saison waren das drei ganz wichtige Punkte."

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Zweikämpfer: Bastian Schweinsteiger.

(Foto: imago/Sportimage)

Bastian Schweinsteiger (Manchester United): Es hakt weiter im Spielgetriebe von Englands Rekordmeister und so langsam fragen sich Fans und Experten, ob die temporären Anpassungsschwierigkeiten an den Ballbesitzfetischismus von Trainergenie Louis van Gaal womöglich einem grundlegenden Systemfehler geschuldet sein könnten. Louis van Gaal fragt sich das natürlich nicht. Er nahm sich nach dem drögen 0:0 gegen West Ham, das die United-Fans mit aufmunternden "Attack, attack, attack"-Rufen begleitet hatten, stattdessen DFB-Kapitän Schweinsteiger zur Brust und attestierte ihm im bestem Van-Gaal-Charme: "Ich denke, dass er in jeder Partie besser spielen kann. Denn bisher haben wir noch nicht den besten Schweinsteiger gesehen, den ich schon bei Bayern München gesehen habe." Läuft es ganz schlecht für Schweinsteiger, spielt er in den nächsten Partien erstmal gar nicht mehr - sondern sieht wegen eines Ellbogenchecks drei Spiele lang zu. Den Rüffel von van Gaal konterte der DFB-Kapitän aber ganz gelassen: "In der Premier League ist alles neu für mich. Natürlich kann man in jedem Spiel besser spielen. Ich will immer das beste Spiel meines Lebens spielen, aber das ist unmöglich." Heute Abend gastiert er mit ManUnited in der Champions League beim VfL Wolfsburg - ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de.

Mario Gomez (Besiktas): Bleibt der Torero von Istanbul. Das Tor zum 1:0 gegen Kayserispor war sein zehnter Saisontreffer am 14. Spieltag, besser ist in der türkischen Süper Lig nur der Kameruner Samuel Eto'o mit zwölf Toren. Am Ende gewann Besiktas 2:1 und kehrte an die Tabellenspitze zurück. Das machte auch Ex-Nationalspieler Andreas Beck glücklich: "Wir sind froh, dass wir nach der Niederlage gegen Akhisar Belediyespor wieder drei Punkte eingefahren haben, aber das war ein hartes Stück Arbeit."

Toni Kroos (Real Madrid): Erholte sich mit seinen Teamkollegen in der spanischen Primera Division mit einem lockeren 4:1 (4:0) gegen den FC Getafe vom Schock des Pokalausschlusses durch eine königliche Wechselposse. Bereitete dabei das eminent wichtige 4:0 mit einem schönen Steilpass vor. Eminent wichtig deshalb, weil es Weltfußballer Cristiano Ronaldo erzielte. Ansonsten harmonierte er auf der Doppelsechs vor der Viererabwehrkette prima mit dem Kroaten Luca Modric. Real bleibt in der Tabelle auf Platz drei hinter dem Stadtrivalen Atletico - und hinter Tabellenführer FC Barcelona.

Geschmäht

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In der Kritik: Antonio Rüdiger.

(Foto: imago/HochZwei/Syndication)

Antonio Rüdiger (AS Rom): Spielte beim 1:1 in der Serie A beim FC Turin durch - und verdiente sich vernichtende Kritiken der wenig zimperlichen italienischen Presse. Kostproben: Die "Gazzetta dello Sport" nannte seine Leistung "verheerend", gab ihm die schlechteste Note aller Römer und ätzte: "Probleme immer und überall: Rüdiger begeht eine lange Serie von Fehlern." "Tuttosport" klagte derweil: "Rüdiger, was für Fehler!" Kleiner Trost: Mit Edin Dzeko enttäuschte noch ein weiterer ehemaliger Bundesliga-Profi im Römer Dress, zumindest die "Gazzetta" sah das so. Sie beklagte zwar, dass Rüdiger die Roma wichtige Punkte koste, befand mit Blick auf das Remis in Turin aber: "Der verpasste Sieg der Römer ist auch Dzekos Schuld."

Miroslav Klose (Lazio Rom): Ähnlich schlecht läuft es für den Altmeister beim Stadtrivalen Lazio. Mit 0:2 verloren die Römer im Stadio Olimpico gegen den Meister Juventus Turin. Und der Angreifer fiel nur auf, als er sechs Minuten vor dem Ende der Partie die Gelbe Karte sah - und vier Minuten Glück hatte, dass er nach einem Frustfoul am Turiner Giorgio Chiellini nicht vom Platz flog. "Klose verliert sich im Würgegriff der Juve-Spieler. Er ist nie wirklich entscheidend", kommentierte die römische Tageszeitung "Il Messaggero". Das Internetportal "Lazionews" schrieb: "Klose ist wie ein Löwe im Käfig. Er bewegt sich zwar unermüdlich, schafft jedoch nicht den Durchbruch." Die Strafe nach der achten Niederlage in dieser Saison folgte prompt: Klubchef Claudio Lotito verdonnerte die Spieler zu einer neuntägigen Klausur, wie die "Gazzetta dello Sport" berichtete. Bis zur nächsten Partie am 14. Dezember gegen Sampdoria Genua werden die Spieler im Trainingslager Formello nahe Rom üben und dort auch übernachten müssen.

Nebendarsteller

Kevin Trapp (Paris St. Germain): Alles beim Alten bei PSG in der französischen Ligue 1 - der schwedische Superstar Zlatan Ibrahimovic schießt die Tore, Trapp steht hinten drin. Beim 3:0 beim OGC Nizza traf Ibrahimovic doppelt, Trapp spielte im 17. Saisonspiel zum zehnten Mal zu Null. Allerdings musste der ehemalige Torhüter der Frankfurter Eintracht auch nur zwei Schüsse des Gegners parieren.

Per Mertesacker (FC Arsenal): Zeigte beim 3:1 gegen Sunderland im ersten Durchgang einige wichtige Balleroberungen. Hatte mit einigen Unsicherheiten im zweiten Durchgang aber auch Anteil daran, dass sich Arsenals Torwart Petr Cech wiederholt auszeichnen durfte. Mertesacker konnte einer etwas wackligen Abwehr oft keinen Halt geben.

Marc-André ter Stegen (FC Barcelona): Hat seine Knieprobleme auskuriert und saß beim 1:1 des spanischen Tabellenführers in Valencia beschwerdefrei auf der Bank. Erlebte dort ein doppeltes Novum: Einerseits schläferte sich Barça beim Versuch, Valencia einzuschläfern, selbst ein, wie "El Periodico" befand. Andererseits verzichtete Trainer Luis Enrique trotzdem auf Wechsel, was bei den Katalanen zuletzt vor 15 Jahren vorgekommen war.

Lazarett

Sami Khedira (Juventus Turin): Wieder verletzt. Aber auch ohne ihn reichte es für Juve zum fünften Sieg in Serie. Shkodran Mustafi (FC Valencia): Sah zu, wie seine Teamkollegen beim Trainerdebüt von Gary Neville ein überraschendes 1:1 gegen den FC Barcelona erkämpften. Emre Can (FC Liverpool): Der Jung-Nationalspieler war der einzige Gewinner in einem enttäuschenden Liverpool-Spiel - weil er beim 0:2 beim Tabellenvorletzten Newcastle United nicht auf dem Platz stand.

Quelle: ntv.de