Sport
Freitag, 29. September 2017

So läuft der siebte Spieltag: Vollprofis des FC Bayern suchen Heilsbringer

Von Tobias Nordmann und Stefan Giannakoulis

Wie geht's weiter beim FC Bayern? Sportdirektor Hasan Salihamidzic gibt die Antwort. Tenor: Weiß ich auch nicht. Da scheint es doch die beste Lösung, wenn Freiburgs Christian Streich in München Carlo Ancelotti beerbt.

Was macht der FC Bayern?

FC Bayern, FC Bayern? Ach, das ist doch der Verein, bei dem die Fußballer zum Präsidenten gehen und sich über den Trainer beschweren. Und der wird dann gefeuert. Das haben wir uns nicht ausgedacht. Das hat Uli Hoeneß, der Präsident des Bundesligisten, so erzählt, als der dem Radiosender FFH erklärte, warum sie Carlo Ancelotti gefeuert haben: "Der Trainer hat fünf Spieler auf einen Schlag gegen sich gebracht. Das hätte er niemals durchgestanden. Du kannst als Trainer nicht deine prominentesten Spieler als Gegner haben." So weit, so schlecht. Nun soll es erst einmal Willy Sagnol richten, bis sie einen anderen gefunden haben. Am Sonntag geht's (ab 15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) am siebten Spieltag der Bundesliga zur Hertha ins Berliner Olympiastadion. Vor das Mikrofon durfte er an diesem Freitag aber nicht.

Und nun?
Und nun?(Foto: imago/Eibner)

Statt seiner musste ein sichtlich nervöser Sportdirektor Hasan Salihamidzic der Welt erklären, wie es nun weitergeht. Wenig überraschend nannte er keine Namen. Nicht die der Spieler, die Ancelotti abgesägt hatten. Und auch nicht den des Kandidaten, den die Münchner als Nachfolger des Italieners haben wollen. Nur so viel: "Wir brauchen einen Trainer, der für alle die Probleme, die wir haben, eine Lösung findet." Das klang dann doch arg nach Heilsbringer. Aber der Sportdirektor gab sich optimistisch, dass sie den Wundermann finden: "Wir sind keine Amateure, wir sind Vollprofis." Grundsätzlich werde die Angelegenheit aber diskret behandelt: "Dass wir uns jetzt dazu nicht äußern, ist doch klar." Aber es sei so: "Wenn wir zu einem Entschluss kommen, werden wir auch den Trainer einstellen." Das mit Ancelotti, sagte Salihamidzic, tue ihm leid. Aber "der Trainer hat es nicht geschafft, die Spieler so hinzubekommen, dass sie feinen Fußball spielen, wie wir ihn vom FC Bayern gewöhnt sind". Kurzum: "Ziel ist erst mal, das mit dem Willy bis auf Weiteres zu machen." Die "Bild"-Zeitung schlägt Thomas Tuchel vor, weil der in München wohnt. Naja, und weil er Ahnung von Fußball hat. Tipp: 0:3 - klar, der Willy kann's ja.

Was geht's dem BVB?

Borussia Dortmund, Borussia Dortmund? Ach, das ist doch der Verein, bei dem die Fußballer zum Präsidenten gehen und so weiter - siehe oben. In der Rückrunde der vergangenen Saison wirkte - so wurde berichtet - ein exklusiver Zirkel um den entmachteten Publikumsliebling Nuri Sahin auf die Trennung von Tuchel hin. Erfolgreich, für beide Seiten. Denn der Mini-Guardiola kann sich dank Mini-Sabbatical ganz entspannt auf sein Engagement beim FC Bayern (ebenfalls siehe oben) vorbereiten, und der Klub ist weiterhin erfolgreich mit Neu-Coach Peter Bosz. Den übrigens schlagen wir jetzt einfach auch mal als Carlo-Ancelotti-Nachfolger vor. Warum? Weil wir's können und weil wir finden, dass der BVB als die historische Vizebraut der Liga niemals schöner strahlen darf, als die Spitzenreiterbraut. Und die, das können wir mit zahlreichen Fakten zweifelsfrei belegen, ist in der Bundesliga nun der FC Bayern.

Weil die aber nach der taktischen Eliteausbildung unter Josep Guradiola in den vergangenen beiden Jahren nicht nur taktisch sondern in ihrer Dominanz auch optisch gelitten hat, empfehlen wir eine Hochzeit mit Bosz. Der ist nicht nur sehr nett, sondern bringt als Mitgift auch das schöne, nunja manchmal auch wackelige, Spiel mit. Dass wird am Samstag (ab 15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) von Manuel Baum (Fun Fact: Bosz ohne z heißt im niederländischen Wald) und seinen überraschenden starken Augsburgern dem nächsten Stabilitätstest unterzogen. Sollte das für den BVB schiefgehen, sagen wir die Hochzeit zwischen Bosz und dem FCB ab und organisieren ein bayrisch-bayrisches Candle-Light-Dinner mit Baum. Wir tippen 1:1 und sagen völlig überraschend: Peter Neururer macht's. Der teilte übrigens am Freitagmittag mit: "Irgendein Vollidiot hat mich gehackt. Ich habe seit einem Dreivierteljahr gar keinen Twitter-Account mehr." Den Kompetenzcheck finden Sie hier.

Was passiert sonst noch?

FC Schalke 04 - Bayer 04 Leverkusen (Freitag, 20.30 Uhr): Wir wissen nicht, ob Sie's gehört haben: Der FC Bayern sucht einen neuen Trainer. Wie wär's mit Domenico Tedesco? Der Mann ist 32 Jahre alt und gilt ein bisschen als Streber, weil er 2016 als Jahrgangsbester die Ausbildung beim DFB bestanden hat. Note: 1,0. Frank Wormuth, sein Ausbilder, sagt über ihn: "Domenico Tedesco ist mir schon bei der Eignungsprüfung aufgefallen - durch seine Art, komplexe Dinge anzupacken. Er findet Struktur im Chaos." Da wäre er in München gut aufgehoben - allerdings ist er das auch in Gelsenkirchen. Und dort, beim FC Schalke 04, hat er nun einmal just einen Vertrag bis 2019 unterschrieben. Um den Schwenk zum heutigen Gegner zu schaffen: Auch Bayer 04 Leverkusen wollte ihn im Sommer, bekam aber Heiko Herrlich. Der hat immerhin von 2013 bis 2015 die U17 des FC Bayern trainiert. Und vorher zwei Jahre lang die SpVgg Unterhaching. Er kennt sich also aus in München. Ach ja, das Spiel heute. Wir tippen auf ein 2:2. Und beide Trainer bleiben, wo sie sind.

Das Foto ist übrigens schon etwas älter: Dieter Hecking.
Das Foto ist übrigens schon etwas älter: Dieter Hecking.(Foto: imago/Rust)

Borussia Mönchengladbach - Hannover 96: Dieter Hecking beim FC Bayern? Das wär's doch mal. Vielleicht würde diese konservative, bodenständige Variante den Münchnern ganz gut tun. Mit 356 Partien an der Seitenlinie in der höchsten deutschen Spielklasse hat er als Rekordhalter schon viel gesehen. Allerdings hat Gladbachs Trainer gerade andere Probleme. Nach dem 1:6 am Sonntag in Dortmund hat er aber im Training gesehen: "Die Mannschaft hat ein Feuer entfacht, das wir auch brauchen, um gegen Hannover zu gewinnen." Apropos: Sein Kollege André Breitenreiter, das unterstellen wir mal, hätte grundsätzlich bestimmt nichts dagegen, die Münchner zu trainieren. Als im Februar 2015 mit dem SC Paderborn von Josep Guardiolas Team mit 0:6 abgefertigt worden war, sagte er: "Vielen Dank für das tolle Erlebnis. Wir haben gegen die weltbeste Mannschaft gespielt mit dem weltbesten Trainer." Apropos Erlebnis, unser Tipp: 3:3.

Eintracht Frankfurt - VfB Stuttgart: Jetzt mal ernsthaft: Niko Kovac ist es durchaus zuzutrauen, dass launische Starensemble von der Isar in den Griff zu bekommen. Mit den Frankfurtern holt er raus, was rauszuholen ist. Und als ehemaliger Spieler des FC Bayern dürfte er noch etwas der berüchtigten Mia-san-mia-DNA in sich tragen. Außerdem lässt er sich von Markus Hörwick beraten, dem ehemaligen Pressesprecher der Münchner. Wir behalten das im Auge. Da kann Hannes Wolf jedenfalls, sein Pendant auf der Bank des VfB, nicht ganz mithalten. Tipp: 2:0 für die Eintracht - quasi als Kovac' Bewerbung.

Bayern-Schreck: Martin Schmidt.
Bayern-Schreck: Martin Schmidt.(Foto: imago/MIS)

VfL Wolfsburg - FSV Mainz 05 (alle Samstag, 15.30 Uhr): Martin Schmidt hat erst jüngst beim VfL angeheuert, zudem geht's nun gegen seinen Ex-Verein - da dürfte in seinem Kopf kein Platz für Gedanken an einen neuen Arbeitgeber sein. Allerdings gilt der Schweizer ja als Bayern-Schreck: Das bis dato letzte Heimspiel verlor der FC Bayern am 2. März 2016 mit 1:2 gegen Mainz - und Trainer Schmidt. 13 Monate holte er mit dem FSV beim 2:2 einen Punkt in Fröttmaning. Und nun, am sechsten Spieltag, gelang ihm mit den Wolfsburgern ebenfalls ein 2:2. Fünf Punkte aus den jüngsten drei Gastspielen: das schaffte kein anderer. Sandro Schwarz, sein Nachfolger in Mainz, gehört mit seinen 38 Jahren, eher in die Riege der ambitionierten Tedesco-Generation. Wie übrigens auch der Stuttgarter Wolf, 36 Jahre alt. Aber so viel Experimentiergeist trauen wir dem FC Bayern nicht zu. Tipp: 2:0.

Hamburger SV - Werder Bremen (Samstag, 18.30 Uhr): Dagegen ist Markus Gisdol mit seinen 48 Jahren schon einer der älteren Garde. Ihn dürfte reizen, beim FC Bayern endlich mal mit Spielern zu arbeiten, die es richtig gut können. Aber daraus wird wohl nichts. Zudem muss er ja vor dem Nordderby Optimismus beim Tabellenfünfzehnten aus Hamburg verbreiten: "Volle Vorfreude ist angesagt. Wir sind bereit, den Fight anzunehmen." Alexander Nouri vom SV Werder ist so alt wie sein Mainzer Kollege Schwarz - und hat mit den Bremern in dieser Saison aber noch kein Spiel gewonnen. Sein bisher größter Erfolg in dieser Saison war, dass ihn die Akademie für Fußballkultur für die Wahl zum Spruch des Jahres nominiert hat: "Ich habe nichts gegen das Wort Europa. Ich bin ja nicht die AfD." Das hatte er in der vergangenen Spielzeit über die Ambitionen der Bremer in Richtung Europapokal gesagt. Es hat aber am Ende nicht gereicht. Und mit den Bayern wird das auch nichts. Tipp: 2:1.

SC Freiburg - TSG Hoffenheim (Sonntag, 13.30 Uhr): Christian Streich beim FC Bayern? Ganz großes Kino! Der Mann ist unser Favorit. Wenn es einer mit dem SC Freiburg in den Europapokal schafft, was ist dann erst drin, wenn er Weltklassespieler trainiert? Wenn einer eine Mannschaft formen und Spieler besser machen kann, dann doch er. Das wäre ein echter Umbruch, ein Kulturwandel in München. Allein schon, wenn Streich in der Champions League einen Anzug tragen muss - die die Münchner dann übrigens ganz bestimmt gewinnen würde. Jede Pressekonferenz ein Fest. Wir freuen uns. Bitte Herr Hoeneß, Herr Rummenigge: Handeln Sie! Das Problem dürfte nur sein, dass sich Streich das nicht antun würde. Selbst, wenn sie ihn tatsächlich fragten. Über Hoffenheims Julian Nagelsmann hingegen ist alles gesagt. Er will zum FC Bayern, das hat er jüngst gesagt. Und irgendwann wird er die Münchner trainieren, auch wenn er seine Prüfung zum Fußballehrer nur mit der Note 1,3 bestand - hinter Streber Tedesco. Tipp: 0:2.

1. FC Köln - RB Leipzig (Sonntag, 18 Uhr): Falls Streich absagt, plädieren wir für Peter Stöger. Der ist mit seinen Kölnern gerade zwar nicht sonderlich erfolgreich, aber mit seiner ruhigen Art und seinem trockenen Humor ein guter Typ. Da sähen wir es gerne, grantelte er sich demnächst in München durch die Pressekonferenzen. Und Manager Jörg Schmadtke könnte er gleich mitnehmen. Die beiden beim FC Bayern - das wäre interessant. Den Job würden wir auch Leipzigs Ralph Hasenhüttl zutrauen, er sich wohl auch. Greenkeeper Lothar Matthäus hatte jüngst, also vor Ancelottis Entlassung, als Experte beim Bezahlsender Sky, glatt behauptet, in München würden sie ernsthaft über Hasenhüttl diskutieren. Der aber sagte nun er habe sich "nie eine Sekunde Gedanken drüber gemacht. Null". Schaun mer mal. Tipp: 0:2.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

 

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Quelle: n-tv.de

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