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Alarmierender "Rote-Hand-Brief" Ärzte müssen Einsatz bestimmter Antibiotika reduzieren

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Viele Antibiotika dürfen nur noch eingeschränkt verschrieben werden (Symbolbild).

(Foto: imago/Wolfgang Zwanzger)

Bei einer Bronchitis oder Mandelentzündungen verschreiben Ärzte oft Antibiotika auf Basis von Fluorchinolonen. Diese Medikamente können allerdings schwere Nebenwirkungen verursachen. Pharmakonzerne und Politik reagieren nun darauf.

Angesichts schwerwiegender Nebenwirkungen dürfen Ärzte die weitverbreitete Antibiotikagruppe der Fluorchinolone nur noch sehr eingeschränkt verschreiben. In einem "Rote-Hand-Brief" warnten die Pharmaunternehmen davor, die Nebenwirkungen könnten "lang anhalten, die Lebensqualität beeinträchtigen und möglicherweise irreversibel" sein. Die Rede ist unter anderem von Sehnenrissen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Schlafstörungen und psychischen Störungen wie Depressionen und Angstzuständen.

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Nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn wurden die Anwendungsgebiete dieser fluorchinolonhaltigen Antibiotika daher eingeschränkt. Sie sollen insbesondere nicht mehr verschrieben werden bei Infektionen, die auch ohne Behandlung abklingen oder die nicht schwerwiegend sind. Gleiches gilt bei nicht bakteriellen Infektionen. In Deutschland bestehen Zulassungen für die Wirkstoffe Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin und Ofloxacin. Besondere Vorsicht sei unter anderem bei älteren Menschen und bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion geboten, schreibt das BfArM.

Insgesamt sind Produkte von mehr als 30 Herstellern betroffen. Die Packungsbeilagen der entsprechenden Medikamente werden geändert. Die neuen Regeln sind das Ergebnis eines europäischen Risikobewertungsverfahrens.

Bisher häufiger Einsatz bei Bagatellerkrankungen

In Deutschland wurden 2015 laut BfArM knapp 5,9 Millionen Arzneimittelpackungen mit diesen Wirkstoffen von niedergelassenen Ärzten verordnet. Das waren bezogen auf alle Antibiotikaverordnungen die vierthäufigsten.

Die betroffenen Wirkstoffe sind antibakteriell wirksam und können schwerwiegende, lebensbedrohende Infektionen heilen. Nach Angaben des Wissenschaftlichen Instituts der AOK werden sie in der Praxis häufig aber auch bei Bagatellerkrankungen wie unkomplizierten Harnwegsinfekten oder Bronchitis und Sinusitis ambulant verordnet. Sie gelten als sogenannte Reserveantibiotika, die eingesetzt werden, wenn andere Antibiotika nicht mehr helfen. Die ärztliche Entscheidung, Fluorchinolone zu verschreiben, sollte laut BfArM nur nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Bewertung im Einzelfall getroffen werden.

Die Fluorchinolon-Antibiotika und deren schwerwiegenden Nebenwirkungen stehen bereits seit längerem im Fokus der Arzneimittelbehörden und wurden entsprechend in der Packungsbeilage aufgeführt. Die neuen Einschränkungen sind das Ergebnis einer vom BfArM angestoßenen europäischen Risikobewertung.

Quelle: n-tv.de, cri/AFP/dpa

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