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Deutschland sucht Astronautin Das sind die sechs toughesten Frauen

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In dem Anzug steckt Alexander Gerst. Doch demnächst könnte vielleicht eine deutsche Kollegin den Außenbordeinsatz übernehmen.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Sie sind Kampfjet-Pilotin, Ingenieurin oder Wissenschaftlerin: Mehr als 400 Frauen haben sich für eine Mission als erste deutsche Astronautin beworben. Nach diversen Tests und Untersuchungen stehen nun die toughesten von ihnen fest. Sechs Frauen sind im Finale.

Elf deutsche Raumfahrer waren bislang im All, der zwölfte steckt schon in den Startlöchern: Matthias Maurer ist neu im aktiven Astronautenteam der Esa. Schon 2019 könnte er seine erste Reise in den Weltraum antreten. Dann ist er dort Deutschlands zwölfter Mann. Ja, Mann. Denn noch ist die aktive Raumfahrt hierzulande ausschließlich Männersache. Das soll sich ändern.

Claudia Kessler, selbst Raumfahrtingenieurin und Geschäftsführerin von HE Space Operations, hat das Projekt "Die Astronautin" ins Leben gerufen. Ziel ist es, bis 2020 die erste deutsche Frau zur Internationalen Raumstation ISS zu senden – als ausgebildete Astronautin.

Das Angebot stößt auf Interesse: Mehr als 400 Frauen aus allen Bereichen der Ingenieur- und Naturwissenschaften bewarben sich für die Mission. 86 von ihnen meisterten die Vorauswahl und wurden zum offiziellen Auswahlverfahren des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zugelassen. Es folgten medizinische und psychologische Untersuchungen. Gesundheit, Persönlichkeit und kognitive Fähigkeiten standen auf dem Prüfstand. Nun stehen die in jeder Hinsicht toughen Finalistinnen fest. Diese sechs Frauen sind noch im Rennen:

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Nicola Baumann.

(Foto: Die Astronautin/LoeschHundLiepold)

Nicola Baumann: Für die 31-Jährige gehören Geschwindigkeiten von 2000 km/h sowie Überschläge in der Luft zum Alltag. Baumann ist nämlich Eurofighter-Pilotin. Ihr aktueller Dienstgrad: Major. Bei der Bundeswehr in Nörvenich bei Köln stationiert, ist Baumann unter anderem für die Luftraumüberwachung in Deutschland und den Nato-Staaten zuständig. Nebenbei absolvierte Baumann ein Fernstudium in Maschinenbau. Damit, so hofft sie, kommt sie ihrem Traum von einer Raumfahrt-Karriere möglicherweise etwas näher.

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Lisa Marie Haas.

(Foto: Die Astronautin/LoeschHundLiepold)

Lisa Marie Haas: Sie ist promovierte Physikerin und arbeitet als Ingenieurin bei der Robert Bosch GmbH in Reutlingen. Ihr Spezialgebiet sind Sensoren für Spielekonsolen, Handys und Drohnen. Die Spielekonsole soll die Bewegung des Nutzers in Echtzeit auf den Monitor übertragen? Dafür sind Beschleunigungssensoren nötig – eines der Arbeitsgebiete von Haas. Die 33-Jährige hat zwei Kinder, klettert und taucht gern und kann auch Judo und Karate.

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Magdalena Pree.

(Foto: Die Astronautin/LoeschHundLiepold)

Magdalena Pree: Mit Weltraumspaziergängen kennt sich die Luft- und Raumfahrttechnikerin schon ein wenig aus: Pree schrieb ihre Abschlussarbeit über die Eigenschaften von Raumanzügen für Außenbordeinsätze auf der ISS. Heute arbeitet die 28-Jährige im Satellitenkontrollzentrum des DLR in Oberpfaffenhofen und ist dort für Live-Operations und die Kontrolle von Systemkomponenten verantwortlich. Mit 17 Jahren machte Pree einen Motorflugschein. Außerdem hat sie den 3. Dan in Karate.

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Susanne Peters.

(Foto: Die Astronautin/LoeschHundLiepold)

Susanne Peters: Die 32-Jährige macht gerade ihren Doktor als Ingenieurin in der Luft- und Raumfahrttechnik und arbeitet am entsprechenden Lehrstuhl der Universität der Bundeswehr München. Peters' Spezialgebiet ist Weltraumschrott. Sie entwickelt ein Konzept, mit dem alte Raketenelemente aus ihrer Bahn geworfen und auf die Erde zurückgeholt werden. Denn sonst können die winzigen Teile mit großer Schlagkraft aktive Satelliten schädigen. Auch Peters beherrscht eine Kampfsportart: Taekwondo.

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Suzanna Randall.

(Foto: Die Astronautin/LoeschHundLiepold)

Suzanna Randall: Die Münchnerin ist Astrophysikerin an der Europäischen Südsternwarte in Garching. Sie forscht an der Evolution von Sternen und arbeitet außerdem für das Alma-Projekt in Chile – das derzeit größte Teleskop der Welt. Es besteht aus 66 Antennen, von denen die meisten einen Durchmesser von zwölf Metern haben. Randall hat in London studiert und in Montreal, Kanada, ihren PhD gemacht. Sie ist 37 Jahre alt.

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Insa Thiele-Eich.

(Foto: Die Astronautin/LoeschHundLiepold)

Insa Thiele-Eich: Bei ihr dreht sich bislang alles ums Wetter. Eich ist Meteorologin und betreibt Grundlagenforschung für eine verbesserte Wetter- und Klimavorhersage. Dabei geht es zum Beispiel um den Wasser- oder Energieaustausch zwischen Boden, Pflanzen und Atmosphäre. In ihrer Doktorarbeit beschäftigt sie sich außerdem mit den Auswirkungen des Klimawandels auf Bangladesch.

Jetzt geht die Auswahl in die nächste und letzte Runde: Zwei dieser sechs Kandidatinnen sollen zum Schluss zur Astronautin ausgebildet und auf die ISS-Mission vorbereitet werden. Eine der beiden soll die Reise dann auch tatsächlich antreten. Allerdings ist die Finanzierung noch nicht gesichert. Das Geld für Ausbildung und Flug muss von Sponsoren kommen. Man ist zuversichtlich, dass das klappt, aber es ist kein Pappenstiel: Insgesamt geht es um mehr als 30 Millionen Euro.

Quelle: n-tv.de, asc