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Startups zeigen Greentech-Ideen Essen wir bald alle Insekten?

Die Zukunft ist grün, oder sollte es zumindest sein. Wie ein Welt aussehen könnte, in der Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle bei Konsum und Produktion spielt, zeigen Unternehmen beim "Greentech Festival" in Berlin. n-tv.de hat sich dort mal umgeschaut.

Eines scheint sicher: So wie bisher kann die Menschheit nicht weitermachen. Die Wegwerf-Mentalität der vergangenen Jahrzehnte weicht langsam der Erkenntnis: Produktion und Konsum müssen die Ressourcen der Erde schonen. Wasser, Luft, Pflanzen und Tiere. Sonst steuert der Planet auf dem Abgrund zu, glauben viele.

"Grüne" Technologien sollen das Problem lösen und dabei den Spagat schaffen - unseren Lebenswandel mehr oder weniger unangetastet lassen, ihn aber gleichzeitig in Einklang mit der Natur bringen. Sie sollen die alten Technologien ablösen, die das ganze Unheil über uns gebracht haben. Wie das gehen soll, zeigen Unternehmen in Berlin beim "Greentech Festival" auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof.

Dominiert wird die Ausstellung, dessen Mitbegründer Ex-Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg ist, von den medienwirksamen "grünen" Vorzeigestücken: elektrisch betriebene Fortbewegungsmittel in all ihren Formen. Auf dem "Greentech Festival" zeigen Unternehmen neben den omnipräsenten E-Fliegern und E-Flitzern aber auch grüne Technologien aus anderen Bereichen.

Insektenriegel als nachhaltiger Snack

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Auch "Europas erstes Insekteneis" gibt es bei Insnack zum Probieren.

(Foto: Kai Stoppel)

Wie etwa Insnack. Das noch junge Unternehmen aus Berlin setzt auf ein eher ungewöhnliches Lebensmittel: Insekten. Nicht in erster Linie wegen des Geschmacks, sondern vor allem wegen der ressourcenschonenden Herstellung. "Um ein Kilogramm Protein herzustellen, benötigt man bei der Rinderzucht mehr als 2000 Liter Wasser", sagt Insnack-Mitbegründer Marc Schotter. "Wenn man stattdessen Grillen dafür nimmt, braucht man jedoch nur zehn Liter Wasser."

Insnack bezieht sein Insektenmehl aus Belgien, den Niederlanden und Frankreich. Gefüttert werden die Tiere unter anderem mit Abfall, genauer gesagt: weggeworfenen Bio-Lebensmitteln. Die Vision der Macher: Insektenfarmen in Städten, in denen Bio-Abfall als Futtermittel verwendet  wird und Solaranlagen die nötige Energie liefern. Auch ethisch soll es Vorteile geben: Leiden würden die Tiere nicht, sagt Schotter. Getötet durch Eiseskälte "schlafen sie einfach ein".

Was den Ausstoß von Treibhausgasen angeht, sei die Insektenzucht ebenfalls überlegen – Stichwort Klimawandel. Ein Insektenriegel der Firma ist schon auf dem Markt, im Juni sollen weitere folgen. Sie sollen trendbewusst nach Kaffee, Aprikose-Physalis und Matcha-Sesam schmecken. Zwar gebe es noch Vorbehalte der Verbraucher gegenüber Essen aus Insektenmehl, gesteht Schotter. "Aber wir merken, dass die Menschen demgegenüber immer offener werden."

Strumpfhosen aus Meeresmüll

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Erst Fischernetz, dann Meeresabfall, nun an den Füßen von Europäern: die Strümpfe und Strumpfhosen der Firma Kunert.

(Foto: Kai Stoppel)

Auch in der Mode ist das Thema Nachhaltigkeit angekommen. Eine Traube von Frauen steht um den Stand der Modefirma Kunert, dort gibt es etwas umsonst: Strümpfe. Aber nicht irgendwelche. In ihrem früheren Leben trieben sie als Reste von Fischernetzen auf den Weltmeeren. Aber die Unisex-Socken sind vorerst nur eine Spielerei für die Messe. Auf dem Markt ist jedoch bereits eine Strumpfhose aus recyceltem Meeresmüll.

Das Garn dafür wird in einer Fabrik aus Slowenien aus Nylonabfällen - wie eben Fischernetze - hergestellt. Aber dabei will es Kunert nicht belassen: Mit einer weiteren Strumpfhosen-Variante will das Unternehmen aus dem Allgäu den "Kreislauf der Natur" schließen. Das Modell Blue 90 ist sogar biologisch abbaubar – wird die Strumphose weggeworfen, löst sie sich unter bestimmten Bedingungen komplett auf.

Die Natur zurück in die Städte bringen will das thüringer Unternehmen CityLam – und zwar mit bewachsenen Häuserfassaden. An einer Wand des Flughafen-Hangars hängen die mit Pflanzen überwucherten, beweglichen Lamellen. In den automatisch bewässerten Modulen wachsen Zwergmispeln und Sedum-Arten. Sie sollen CO2 aus der Luft filtern, Staub binden und Straßenlärm dämmen.

Pflanzen statt Klimaanlagen

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Schaffen ein gutes Klima in den Städten - so jedenfalls der Plan: die grünen Fassaden der Firma CityLam.

(Foto: Kai Stoppel)

Auch für das Gebäude selbst sollen sie nützlich sein: "Im Sommer kühlen die Module das Gebäude durch Verdunstungskälte", erklärt Henning Röper, Vertriebschef bei der Mutterfirma EuroLam. Zwar könne dies an heißen Tagen eine Klimaanlage nicht ersetzen, habe aber bei den Kosten einen "positiven Effekt". "Wir gehen aber davon aus, dass es sich rechnet", sagt Röper.

Noch stecke die Markteinführung in den Kinderschuhen, bisher seien nur kleinere Projekte realisiert worden. "Wir sind noch am Anfang. Aber das Interesse nimmt zu", sagt Röper. Die Motivation dahinter? "Wir denken, dass die Greentech-Idee dabei hilft, die Welt in der Balance zu halten." Es sei der Beginn einer Bewegung. "Wir wollen von Anfang an dabei sein."

Quelle: n-tv.de

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