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Fakten zum kleinen Pieks Sind Impfungen giftig?

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Impfgegner machen häufig aus Teilwahrheiten Argumente.

(Foto: picture alliance / dpa)

In den USA warnt die Gesundheitsbehörde vor einer Ausbreitung von Masern. Auch in Berlin grassiert der größte Masern-Ausbruch seit Jahren - allein im Januar 2015 gab es 254 neue Fälle. Ein herber Rückschlag im Kampf gegen die Krankheit. Als Ziel wurde eigentlich ausgerufen, Masern bis zu diesem Jahr in Deutschland auszurotten. Doch das scheitert vor allem an vehementen Impfgegnern, die mit zweifelhaften Argumenten Stimmung gegen eine Impfung machen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) nimmt zu diesen Einwänden gegen Impfungen Stellung und bemüht sich um Aufklärung. Sechs häufige Argumente nehmen wir unter die Lupe.

Argument 1: Es gibt keine Nachweise dafür, dass Impfungen wirken

Impfgegner prangern immer wieder an, es gebe keinen wissenschaftlichen Beweis für die Wirksamkeit von Impfungen. "Obschon seit über 200 Jahren geimpft wird, ist uns die Medizin bis heute den Nachweis der Wirksamkeit der Impfung schuldig geblieben", heißt es auf einer Webseite, die gegen das Impfen argumentiert. Fakt ist: Bevor ein Impfstoff überhaupt zugelassen wird, muss der Hersteller in umfangreichen Studien den Nachweis erbringen, dass er wirkt. Und auch ein Blick in die Praxis hilft, entgegen allem Beteuern der Gegner. Beispiel Kinderlähmung: Mit der Einführung der Schluckimpfung sank die Zahl der Erkrankten dramatisch: von 4700 erkrankten Kindern im Jahr 1961 auf 50 Kinder im Jahr 1965. "Impfungen sind eine der größten Errungenschaften der medizinischen Forschung des letzten Jahrhunderts", sagt der Virologe Stephan Ludwig im Gespräch mit n-tv.de.

Argument 2: Man kann trotz Impfung erkranken

Das stimmt - und diese Tatsache verschweigt auch kein seriöser Mediziner. "Keine einzige Impfung vermag ausnahmslos alle Geimpften zu schützen, ebenso wie kein Medikament bei sämtlichen Patienten wirkt", schreibt das RKI. Es ist dennoch ein Trugschluss, zu glauben, Impfungen würden deshalb nicht helfen. Denn das tun sie in den allermeisten Fällen. Bei einer Masernepidemie an einer Schule etwa läge die Erkrankungsrate bei nicht geimpften Schülern bei 97 bis 98 Prozent. Bei geimpften Kindern sinkt sie auf zwei bis drei Prozent. Die Wirksamkeit von Impfungen ist nicht nur vom Gesundheitszustand oder Alter der jeweiligen Person abhängig, sondern auch von der jeweiligen Krankheit, gegen die geimpft wird. Manche Impfungen, wie die gegen Tuberkulose, verhindern auch nicht die Krankheit selbst. Sie sollen lediglich vor schlimmen Komplikationen schützen. Bevor man sich hierüber auf zweifelhaften Webseiten in den Weiten des Internets informiert, lohnt sich ein Gespräch mit dem Arzt des Vertrauens.

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Nüchtern betrachtet hat der kleine Pieks deutlich weniger Folgen als das Auslassen der Impfung.

(Foto: picture alliance / dpa)

Argument 3: Für die Entwicklung des Kindes ist es besser, eine Krankheit durchzustehen

Diese Aussage klingt erst einmal plausibel – die Natur einfach walten zu lassen, stärkt das Kind am Ende mehr als eine Impfung. Doch dafür fehlt jeder Beleg. Es gibt keine Studien, die diese Aussage stützen. Zudem kommt, dass sich Impfungen nur gegen wenige besonders gefährliche Erreger richten – mit Hunderten weiteren kämpft unser Körper jeden Tag. An Abhärtung fehlt es auch einem geimpften Körper keineswegs.

Argument 4: Impfungen enthalten giftige Stoffe

Impfungen seien gefährlich für Kinder, da in ihnen gefährliche Stoffe enthalten seien, sagen Impfgegner. "Möbelherstellern ist es verboten, Formaldehyd zu verwenden, da man seine krebserregende Wirkung kennt", heißt es etwa auf einer Webseite, die gegen das Impfen argumentiert. Fakt ist, dass in einigen Impfstoffen tatsächlich Stoffe enthalten sind, die als gefährlich gelten: Formaldehyd, Aluminium, Phenol oder Quecksilber. Allerdings, wie das RKI betont, in nur sehr geringen Konzentrationen, die weit unter den vorgegebenen Grenzwerten liegen - damit sind sie unbedenklich. Auch ein Anstieg von Autismusfällen oder von Hyperaktivität durch ein quecksilberhaltiges Konservierungsmittel in manchen Impfungen kann wissenschaftlich nicht belegt werden. Im Gegenteil. Mehrere Studien sprechen gegen einen solchen Zusammenhang. Dennoch hat man nach Angaben des RKI auf die Sorgen reagiert: "Für alle generell empfohlenen Schutzimpfungen sind inzwischen quecksilberfreie Impfstoffe verfügbar."

Argument 5: Impfungen fördern Allergien

In der Tat stimmt es, dass die Zahl der Allergien zugenommen hat – wie auch die Zahl der Impfungen. Was wie ein Zusammenhang aussieht, ist aber nicht zwangsläufig einer. Belege für eine entsprechende Korrelation gibt es nicht. Beobachtungen legen eher nahe, dass es keine Verbindung gibt und Impfungen das Risiko für eine Allergie nicht erhöhen. Das RKI verweist auch auf die Erfahrung in Deutschland: "In der DDR, wo eine gesetzliche Impfpflicht bestand und fast alle Kinder geimpft wurden, gab es kaum Allergien. Diese nahmen in Ostdeutschland erst nach der Wende zu, während gleichzeitig die Impfquoten sanken."

Argument 6: Es geht doch nur ums Geld!

Für viele Kritiker ist genau dies der Ausgangspunkt: eine Verschwörungstheorie, im Zentrum die wirtschaftlichen Interessen der Pharmaindustrie. "Die Pharmaindustrie bzw. der Impfstoffhersteller wirbt intensiv mit Angstmache für Impfungen", heißt es auf einer Webseite der Impfgegner. Natürlich: Pharma-Unternehmen haben wirtschaftliche Interessen. Wie jedes Unternehmen. In vielen Fällen darf und muss auch Kritik geübt werden, wenn es etwa um die Erforschung oder Preise von Medikamenten gegen Krankheiten geht, die vor allem in für die Konzerne nicht lukrativen ärmeren Ländern grassieren. Durch Impfstoffe wird ein großer Gewinn erzielt. Aber: Sie sparen letztlich mehr Geld ein, als sie kosten. Für Pharmakonzerne dürften Medikamente für chronisch kranke Menschen deutlich mehr Gewinn abwerfen.

Quelle: n-tv.de

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