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Steinzeit zum Nachfühlen Hollande weiht Replik der Chauvet-Höhle ein

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In Südfrankreich wurde die Replik der berühmten Chauvet-Höhle eingeweiht. Die Malerei ist detailgetreu nachempfunden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die südfranzösische Chauvet-Höhle gilt als prähistorischer Schatz. Nur ausgewählte Forscher dürfen die empfindlichen Wandmalereien im Original betrachten. Damit auch gewöhnliche Besucher einen Eindruck bekommen, wurde die Höhle komplett nachgebaut.

Der Weg in die Steinzeit führt über eine lange Betonrampe. Dann taucht der Besucher im südfranzösischen Tal der Ardèche in eine faszinierende Höhlenwelt ein, staunt über die Wandmalereien mit Mammuts, prähistorische Raubkatzen und Pferdeherden und gruselt sich vor auf dem Boden liegenden Tierknochen. Um eine echte Höhle handelt es sich aber nicht. Nicht zuletzt die poststeinzeitliche Betontreppe weist darauf hin, dass hier die weltberühmte Chauvet-Höhle detailgetreu nachgebaut wurde - ein Juwel für Archäologie-Fans, die zum neuen Touristenmagnet werden soll.

Zur feierlichen Einweihung der Caverne du Pont d'Arc genannten Kunsthöhle in Südfrankreich, die rund einen Kilometer vom Original entfernt liegt, reiste Frankreichs Staatschef François Hollande höchstpersönlich an. In zwei Wochen, am 25. April, öffnet die nachgebaute Höhle für alle anderen Besucher.

"Das ist ein Meisterwerk"

Diese werden ein wahres Universum prähistorischer Tiere begutachten können. Denn die Cro-Magnon-Menschen zeichneten vor rund 36.000 Jahren nicht weniger als 425 Bilder von Tieren an die Felswände der echten Höhle, darunter einen Panther, Höhlenbären, Löwen und Eulen - Kunstwerke voller Leben, von ergreifender Schönheit und erstaunlicher Präzision. Insgesamt 1000 Malereien finden sich in der Höhle, sie gehören zu den ältesten der Welt - ein einmaliger prähistorischer Schatz.

Eine Sensation war daher die Entdeckung der Chauvet-Höhle vor 21 Jahren. Drei Hobby-Höhlenforscher fanden die Grotte, deren Zugang vor rund 23.000 Jahren verschüttet worden war. Doch die Malereien sind höchst empfindlich. Daher blieb die Höhle einem großen Publikum verschlossen und darf nur von einer Handvoll Menschen betreten werden.

Mit der Replik der Chauvet-Höhle soll nun ein großes Publikum die Möglichkeit bekommen, sich ein Bild von der Kunstfertigkeit seiner Vorfahren zu machen. 3500 Quadratmeter groß ist der Höhlennachbau, die Wände haben eine Fläche von 7500 Quadratmetern. Zum Vergleich: Der Nachbau der ebenfalls für ihre steinzeitlichen Malereien berühmten Lascaux-Höhle ist nur 300 Quadratmeter groß. "Noch nie in der Geschichte wurde ein solcher Nachbau angefertigt, das ist ein Meisterwerk", sagt Pascal Terrasse, der für den Bau der Kunsthöhle verantwortlich war.

3D-Technik ermöglichte Nachbau

Der Nachbau des prähistorischen Wunders war eine Mammutaufgabe. Um die auf die unebene Felsoberfläche gemalten Abbildungen originalgetreu zu kopieren, wurde moderne 3D-Technologie eingesetzt. Gemalt wurde aber letztlich, wie vor 36.000 Jahren, mit Holzkohle. "Ohne die Exaktheit von 3D hätte das Projekt nicht existieren können", sagt der Künstler Gilles Tosello, der einige der beeindruckendsten Bilder nachzeichnete. "Aber alles, was sichtbar ist, wurde von Hand gestaltet." Zehn Handwerker waren fast vier Jahre lang damit beschäftigt, Tropfsteine aus der Höhle nachzubilden, die seit vergangenem Sommer zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.

55 Millionen Euro kostete der Bau. Errichtet wurde auch ein Gebäude für Ausstellungen und pädagogische Arbeit, ein Veranstaltungszentrum und ein Restaurant. "Das ist kein Freizeitpark", betont Terrasse. "Die Caverne du Pont d'Arc in ein kultureller, wissenschaftlicher und touristischer Ort." 350.000 Besucher, so hoffen die Verantwortlichen, sollen jedes Jahr kommen.

Quelle: ntv.de, kbe/AFP