Wissen

Sonnenfinsternis der anderen Art Merkur als kleiner Fleck zu sehen

Merkur2.jpg

So klein wie ein Stecknadelkopf: Merkur ist links im Bild vor der Sonne zu sehen. Die Aufnahme stammt aus dem Nasa-Livestream zum Merkurtransit: http://mercurytransit.gsfc.nasa.gov/

(Foto: NASA)

Wieder einmal steht eine Sonnenfinsternis an. Klein ist sie, dafür aber besonders lang. Vom Mittag bis zum Abend zieht Merkur an unserem Zentralgestirn vorbei. Es lohnt sich, das Schauspiel zu verfolgen. Doch es ist mit Warnungen verbunden.

Die letzte spektakuläre, von Europa aus zu beobachtende Sonnenfinsternis ist noch gar nicht so lange her: Am 20. März 2015 schob sich der Mond von der Erde aus betrachtet so vor die Sonne, dass er diese kurzzeitig komplett verdeckte. Nun steht wieder eine Sonnenfinsternis an, allerdings der anderen Art. Der Mond ist diesmal unbeteiligt. Heute ist es Planet Merkur, der die irdische Sichtachse zur Sonne kreuzt. Um 13.12 Uhr ging es los.

Merklich dunkler wird es dadurch bei uns nicht. Dafür ist Merkur einfach zu klein. Als winziger schwarzer Punkt zieht er vor der Sonnenscheibe entlang; so winzig, dass er mit bloßem Auge von der Erde aus nicht erkennbar sein wird. Merkur ist zwar nah dran an der Sonne – er ist der sonnennächste Planet. Aber während das Zentralgestirn einen Durchmesser von 1.390.000 Kilometern hat, beträgt der von Merkur gerade einmal 4879 Kilometer.

Ohne Spezialfilter geht es nicht!

Entsprechend lange dauert es, bis der Winzling die Sonnenscheibe passiert hat: Das Schauspiel lässt sich über gut sieben Stunden hinweg verfolgen – durch ein Teleskop mit mindestens 50-facher Vergrößerung. Wichtig: Das Teleskop muss unbedingt mit dem für eine Sonnenfinsternis nötigen Filter versehen sein.

merkurtransit.jpg

(Foto: VdS www.sternfreunde.de)

"Es ist unerlässlich, die Augen durch geeignete Filter bei der direkten Beobachtung der Sonne zu schützen", warnen Sternwarten. Ein Teleskop verstärkt das Licht. Ohne den speziellen Schutzfilter wirkt es auf das Auge wie ein Brennglas. Weder eine Sonnenbrille noch die Spezialbrille von der letzten Sonnenfinsternis können da Abhilfe schaffen. Das kann nur ein Sonnenfilter.

Wer Merkur vor der Sonne beobachten will, muss also entsprechend ausgerüstet sein – oder das Angebot einer Sternwarte nutzen. Das geht auch nach Feierabend noch: Um 16.56 Uhr hat Merkur gerade mal die Hälfte seines Weges an der Sonne vorbei zurückgelegt. Erst um 20.40 Uhr ist es geschafft, dann löst sich der kleine Planet vom Sonnenrand – und die Sonne geht unter. Falls es mit der Sternwarte vor Ort nicht klappt: Es gibt auch Livestreams - etwa hier oder hier.

Verpasst man das kosmische Spektakel trotzdem, sind dreieinhalb Jahre Geduld gefragt: Am 11. November 2019 bietet sich in Mitteleuropa die nächste Beobachtungsmöglichkeit. Weitere Termine sind im November 2032, im November 2039 und im Mai 2049. Ein Merkurtransit ist so selten nicht. Durchschnittlich kommt er in einem Jahrhundert ein dutzendmal vor. Weitaus weniger häufig geschieht es, dass die Venus von der Erde aus sichtbar an der Sonne vorbeizieht. Zwar bot sich sowohl 2004 als auch 2012 die Gelegenheit, einen Venustransit zu verfolgen, doch wer diese Möglichkeiten ungenutzt ließ, geht leer aus. Der nächste Venustransit findet erst 2125 statt.

Noch seltener ist die Konstellation, bei der Merkur und Venus zusammen vor der Sonne zu sehen sind. Das geschieht weder in den nächsten 100 noch in den nächsten 1000 Jahren, nicht einmal in den nächsten 10.000. Erst im Jahr 69163 ereignet sich dieser außergewöhnliche Simultan-Transit. Und dann dauert es mehr als 155.000 Jahre, bis es wieder so weit ist: Die Menschheit – sofern es sie dann noch gibt – schreibt dann das Jahr 224508. Begnügen wir uns also mit dem Merkurtransit. Der ist phänomenal genug.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema