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Viel Metall und - nach dem Auftanken - noch mehr hochentzündlicher Treibstoff: die Sojus-Rakete auf ihrem Weg zur Startrampe.
Viel Metall und - nach dem Auftanken - noch mehr hochentzündlicher Treibstoff: die Sojus-Rakete auf ihrem Weg zur Startrampe.(Foto: REUTERS)
Dienstag, 05. Juni 2018

Der Sojus-Rakete ganz nah: "Mit dieser Blechbüchse ins Weltall?"

Von der kasachischen Steppe aus wird der deutsche Astronaut Alexander Gerst ins All aufbrechen (am Mittwoch, 6. Juni, ab 12.50 Uhr live bei n-tv). Vor Ort am russischen Weltraumbahnhof Baikonur ist n-tv-Reporter Carsten Lueb. Er berichtet von postsowjetischem Charme, Treffen von All-Veteranen und seiner Begegnung mit der Rakete.

n-tv.de: Der Weltraumbahnhof Baikonur, von dem Alexander Gerst zur Raumstation ISS aufbrechen wird, liegt sehr abgelegen. Wie beschwerlich war die Anreise?
Carsten Lueb: Wir sind von Moskau aus gute drei Stunden hergeflogen. Sonst kommt man hier auch gar nicht anders hin. Es ist wirklich weit weg. Die Versorgung und die Anreise des Personals funktioniert hier auch nur mit dem Flugzeug. Mit dem Auto müsste man sonst stundenlang durch die Steppe fahren.

Für n-tv berichtet Reporter Carsten Lueb aus Baikonur.
Für n-tv berichtet Reporter Carsten Lueb aus Baikonur.

Wie ist Dein Eindruck vom Weltraumbahnhof?
Der erste Eindruck: Er ist riesig. Riesig. Wir reden hier über locker 40 bis 50 Kilometer, die man mal eben auf dem Gelände zurücklegt. Gleichzeitig atmet hier alles so einen gewissen Sowjetcharme der 50er und 60er Jahre. Da ist gar nichts hochmodern. Eher ein bisschen runtergekommen in den letzten Jahrzehnten. Sogar ein bisschen sehr runtergekommen. Aber: Es funktioniert.

Gilt das auch für die Unterbringung von Euch?
Die Zimmer sind arg klein, Kühlschrank, Fernseher dazu ein schmales Bett – das letzte Mal habe ich so etwas bei der Bundeswehr gesehen. Dafür ist das Essen erstaunlich gut und reichlich. Die kasachische Küche hat richtig leckere Gerichte im Angebot. Mein Favorit ist Plow – ein Gericht mit Reis und Lamm. Wirklich super.

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Es wimmelt in Baikonur ja förmlich vor deutscher Weltraum-Prominenz. Etwa sind die ehemaligen deutschen Raumfahrer Thomas Reiter, Sigmund Jähn und Reinhold Ewald vor Ort. Sitzt man als Deutsche abends zusammen?
Ja, gestern war das jedenfalls so. Im Verhältnis zum Gesamtzustand der Stadt gibt es in Baikonur das ein oder andere annehmbare Restaurant. Wir saßen gestern zusammen mit Reinhold Ewald an einem Tisch, Sigmund Jähn saß sogar direkt neben mir. Das war wirklich ein nettes, anregendes Gespräch.

Gibt es etwas in Baikonur, das Dich überrascht hat?
Die Kontrollen und die militärische Abgeriegeltheit des ganzen Weltraumbahnhofs, das habe ich mir so krass nicht vorgestellt. Es ist ja ein Sperrgebiet mitten in der Steppe. Man kommt zuerst an einen Checkpoint und muss angemeldet sein. Das nehmen die Sicherheitsleute auch sehr ernst. Nur geführte Touren dürfen hinein. Als Individual-Tourist kann man nicht mal so eben hinfahren.

Das politische Verhältnis zwischen Russland und dem Westen ist derzeit nicht das beste. Spürst Du etwas vor Ort davon?
Nein. Von den politischen Spannungen merkt man hier gar nichts. Die Menschen sind alle sehr freundlich, egal ob Kasache oder Russe. In Baikonur sind auch alle auf irgendeine Art und Weise mit der Weltraumfahrt verbunden. Eine Kollegin hatte einen Einheimischen nach dem Weg gefragt. Als der merkte, dass sie Deutsche war, rief er freudig nur "Hach, Alexander Gerst! Alexander Gerst!".

Gestern wurde die Rakete, mit der Alexander Gerst ins All fliegen wird, zur Startrampe gebracht. Du warst hautnah dabei. Wie ist das, so ein Gefährt von Nahem zu sehen?
Die Rakete ist wirklich faszinierend. Sie ist sehr schlank, gleichzeitig sehr hoch, fast 50 Meter. Sie sieht ein bisschen so aus wie in einem Comic. Aber man erwischt sich auch bei dem Gedanken: 'Mit der Blechbüchse ins Weltall? Wenn ich Gerst wäre, würde ich das nicht machen'. Da braucht man schon ein gutes Vertrauen und auch eine gute Kenntnis von der ganzen Technologie, die dahinter steckt, um sein Leben so einem Gerät anzuvertrauen.

Wie nah wirst Du der Startrampe kommen, wenn es losgeht?
Wir dürfen morgen den Start von einem leicht erhöhten Punkte beobachten. Der liegt etwa 1,8 Kilometer von der Startrampe mit der Sojus-Rakete entfernt. Das ist recht nah und wäre beispielsweise in den USA undenkbar.

Mit Carsten Lueb sprach Kai Stoppel.

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Quelle: n-tv.de