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Europas Mars-Landung gescheitert? Noch fehlt Lebenszeichen von "Schiaparelli"

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Wie geht es "Schiaparelli"? Hier ein Modell der Sonde im Esa-Kontrollzentrum in Darmstadt.

(Foto: dpa)

Es sind nervenzehrende Stunden: Als im Esa-Kontrollzentrum ein Signal anzeigt, dass die Sonde "Schiaparelli" den Höllenritt durch die Mars-Atmosphäre begonnen hat, ist sie bereits auf dem Planeten aufgekommen. Doch in welchem Zustand?

Gerade hat sie die historische Kometen-Mission Rosetta beendet, da will die europäische Weltraumorganisation Esa ein neues Kapitel in der Geschichte der Raumfahrt aufschlagen: Eine Sonde soll weich auf dem Roten Planeten aufsetzen. Ein heikles Unterfangen, denn schon kleinste Veränderungen in der Mars-Atmosphäre - etwa durch die Sandstürme, die zurzeit über den Planeten hinwegfegen - haben große Auswirkungen auf den Landevorgang.

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Tatsächlich sind Fehlschläge unter den Mars-Missionen der letzten Jahrzehnte eher die Regel als die Ausnahme. Bislang waren es ausschließlich Nasa-Sonden, die unbeschadet auf dem Planeten ankamen. Nun wollte Europa nachziehen. Doch womöglich ist das nicht gelungen. Noch am späten Abend war es ein Manöver mit ungewissem Ausgang.

Was soweit feststeht: Um 16.42 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit traf "Schiaparelli" auf die Mars-Atmosphäre und der Höllenritt Richtung Planetenoberfläche begann. Er sollte - sofern alles nach Plan lief - sechs Minuten dauern. Um 16.48 Uhr sollte das Test-Landegerät auf dem Marsboden aufsetzen. Doch das Signal, das ein Mars-Orbiter zu dieser Zeit von Schiaparelli auffing, riss eine Minute zu früh ab. Warum, ist unklar.

Im Laufe der Nacht werden am Raumflugkontrollzentrum der Esa in Darmstadt, Esoc, nun weitere Daten von anderen Orbitern ausgewertet, die Hinweise auf "Schiaparellis" Zustand liefern könnten. Sollten die Mars-Orbiter keine Signale des Landers empfangen haben, wäre es nach Beagle 2 die zweite Sonde der Esa, die zwar auf dem Mars aufschlägt, danach jedoch nicht kommuniziert.

"Lernen für die Mission 2020"

Esa-Generaldirektor Jan Wörner sieht die Schiaparelli-Landung in jedem Fall als Test. "Und Tests macht man nicht, um einfach nur zu zeigen, wie es geht, sondern auch, um davon zu lernen", sagte er im Gespräch mit n-tv.de. Ganz gleich, ob das Manöver geglückt ist oder nicht, "werden wir davon lernen für die Mission 2020". Dann nämlich wollen Esa und Roskosmos einen Rover auf den Mars schicken.

Doch trotz der "Schiaparelli"-Zitterpartie, die vielleicht kein gutes Ende nehmen wird, kann die Esa heute einen Erfolg verbuchen. Das weniger spektakuläre, aber weitaus wichtigere Manöver des Tages gelang: Orbiter TGO, der in etwa einem Jahr mit der wissenschaftlichen Arbeit der ExoMars-Mission beginnt, musste in die Mars-Umlaufbahn einschwenken.

Das Manöver nahm mehr als zwei Stunden in Anspruch, in denen der Kontakt der Sonde zur Erde zeitweilig zwangsläufig unterbrochen war. Doch hier verkündete das Esoc schließlich: "Der TGO ist im Mars-Orbit! Wir fliegen um den Mars!" Es geht also auf jeden Fall weiter mit ExoMars - auch ohne "Schiaparelli".

Quelle: n-tv.de

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