Wissen

Kometenjäger erreicht "Tschuri" Rosettas Date mit der Doppel-Kartoffel

Nach 10 Jahren im All erreicht die Esa-Raumsonde Rosetta ihr Ziel: den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko. Doch der Komet ist alles andere als ein gewöhnlicher Felsbrocken. Und mit Rosettas Ankunft beginnt jetzt der heikelste Teil der Mission.

Die europäische Raumsonde Rosetta sorgt schon für Überraschungen, bevor sie an ihrem Bestimmungsort angekommen ist. Nach rund zehnjähriger Reise und 6 Milliarden Kilometern erreicht der Kometenjäger heute endlich sein Ziel: "67P/Tschurjumow-Gerasimenko", kurz "Tschuri". Geplant ist, dass Rosetta in die Umlaufbahn des Kometen einschwenkt. Ab 10 Uhr kann man das Geschehen live auf der Rosetta-Webseite mitverfolgen. Das finale Manöver, das Rosetta in einen Orbit rund 100 Kilometer über der Oberfläche von Tschuri bringen soll, wird gegen 11 Uhr stattfinden.

In der Umlaufbahn angekommen, soll die Sonde in den nächsten Monaten den Kometen kartografieren und Ausschau nach einem geeigneten Landeplatz für das Landegerät "Philae" halten. Auch der Abstand zur Oberfläche wird stetig verringert. "Philae" soll - wenn alles gut geht - im November auf dem Himmelskörper zu einer weichen Landung aufsetzen.

Gelingt das Unterfangen, markiert die Europäische Weltraumorganisation Esa mit dieser Mission einen Meilenstein in der Weltraumforschung. Es wäre das erste Mal, dass eine Sonde auf einem Kometen aufsetzt. Zwar hat die Nasa schon einmal ein Projektil auf einen Kometen abgefeuert (im Jahr 2005 mit der Sonde "Deep Impact" auf dem Kometen Tempel 1), und auch die Japaner haben bereits erfolgreich Bodenproben von einem Asteroiden auf die Erde zurückgebracht (im Jahr 2003 mit der Sonde "Hayabusa"). Eine weiche Landung von Messinstrumenten auf einem Kometen ist bisher aber beispiellos.

Arbeitsplatz-Suche im All

zoom.jpg

"Tschuri" besteht aus zwei Kometenkernen.

(Foto: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA)

Schon auf dem Weg zu dem Kometen knipste Osiris, das Kamerasystem der Esa-Sonde, eindrucksvolle Bilder von Tschuri. Die Astronomen waren durchaus überrascht, als sie feststellten: Der Komet besteht aus zwei Teilen. Was man erwartet hatte, war eigentlich ein einzelner Kern, der in der Form einer Kartoffel gleicht - das wäre nicht weiter ungewöhnlich gewesen. Nun bekommt man jedoch eine Doppel-Kartoffel.

Was die interessante Form für Auswirkungen auf die weitere Mission hat, ist noch unklar. Dafür ist der nun folgende Abschnitt entscheidend: "Für die Landung ist es vor allem wichtig zu wissen, wie der Komet im Detail aussieht und wie genau die beiden Teile miteinander zusammenhängen", wird Koen Geurts vom DLR auf der Webseite des Zentrums zitiert. Die Daten, die Rosetta in den kommenden Monaten sammelt, sind für die Planung der Landung enorm wichtig. Die Forscher sind zuversichtlich: Nach den bisherigen Bildern gehen sie nach DLR-Informationen davon aus, dass es auf Tschuri auch größere flache Regionen gibt, die als Arbeitsplatz für "Philae" infrage kommen.

Philae blickt in die Vergangenheit

Wenn "Philae" schließlich mit der Arbeit auf dem Kometen beginnt, begeben sich die Forscher auf die Spuren der Vergangenheit: dem Ursprung unseres Sonnensystems. Kometen und Asteroiden gelten als älteste Relikte eines Vorgangs, der sich vor rund 4,5 Milliarden Jahren abspielte. So erklärt es zumindest die heute am weitesten verbreitete Theorie. Grob vereinfacht: Eine riesige Staubwolke (der sogenannte "solare Urnebel") kollabiert, beginnt immer schneller zu rotieren und flacht sich ab. Dann heizt sich die Wolke so sehr auf, dass im Zentrum die Sonne entsteht. In der rotierenden Staubscheibe um die Sonne herum kollidieren die Staubkörner, werden so zu immer größeren Teilchen. In der Astronomie nennt man das Akkretion ("Anwachsen"). Am Ende dieses Prozesses stehen die Planeten. Und, gewissermaßen als "Überreste", die wesentlich kleineren Asteroiden und Kometen.

Auch Tschuris eigenartige Form könnte man mit dieser Theorie erklären: Zwei Felsstücke, die während dieses Vorgangs miteinander kollidierten und aneinander haften geblieben sind. Doch das ist Spekulation - vielleicht schafft die Rosetta-Mission Klarheit.

Der heikelste Abschnitt für die Esa-Sonde beginnt mit der Landephase im November. Denn ein erfolgreiches Aufsetzen hängt von vielen Faktoren ab, nicht zuletzt von der Zusammensetzung des Kometen und davon, wie die Oberfläche beschaffen ist. Bei Tschuri liegt noch vieles im Dunkeln. Für die Wissenschaftler beginnt nun also eine aufregende und arbeitsintensive Phase. Doch bis zur Landung bleibt Rosetta noch genug Zeit, Daten zu sammeln und die Doppel-Kartoffel genau zu beäugen.

Quelle: n-tv.de