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Neuer gigantischer Riesenflieger Stratolaunch hebt erstmals vom Boden ab

Tief in der menschenleeren Mojave-Wüste im Südwesten der USA rollt ein völlig neuartiges Spezialflugzeug an den Start: Angetrieben von sechs Jumbo-Triebwerken steigt das von Microsoft-Mitgründer Paul Allen finanzierte Luftfahrt-Projekt Stratolaunch in den Himmel auf.

Das weltgrößte Flugzeug Stratolaunch hat in Kalifornien erfolgreich seinen ersten Testflug absolviert. Bei dem zweieinhalbstündigen Flug erreichte der doppelrümpfige Spezialflieger eine Höhe von mehr als 5000 Metern und eine Spitzengeschwindigkeit von 300 km/h, wie das Unternehmen Stratolaunch Systems Corporation mitteilte.

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Sechs Jumbo-Triebwerke und fast 120 Meter Spannweite: Der Stratolauncher soll kostengünstige Transportflüge ins All ermöglichen.

(Foto: imago images / ZUMA Press)

Stratolaunch-Chef Jean Floyd sprach von einem "fantastischen" Jungfernflug. An Bord befand sich eine dreiköpfige Besatzung, bestehend aus zwei Piloten und einem Flugingenieur. Finanziert wurde die Entwicklung von Microsoft-Mitgründer Paul Allen. Nach Allens Tod im Oktober 2018 steht Stratolaunch jedoch vor einer unsicheren Zukunft.

Das Riesenflugzeug-Projekt soll Satelliten und Nutzfracht in eine günstige Startposition transportieren und irgendwann auch einmal Passagieren den Flug ins All ermöglichen. Die Abmessungen sind enorm: Das Flugzeug ist 72,5 Meter lang und fast 230 Tonnen schwer. Am Boden ruht das Gewicht der Maschine auf einem komplexen Fahrwerk mit insgesamt 28 Rädern. Bisher wurde das Stratolaunch-System nur bei Rollversuchen getestet.

Breiter als ein Airbus A380

Das riesige Fluggerät kommt auf eine Spannweite von 117 Metern und ist damit - von Flügelspitze zu Flügelspitze gemessen - knapp 40 Meter breiter als das weltgrößte Passagierflugzeug Airbus A380. Für die meisten Verkehrsflughäfen wäre der Stratolauncher damit viel zu sperrig. Für den Einsatz im Linienflugverkehr ist das Spezialflugzeug allerdings auch überhaupt nicht vorgesehen.

Der Stratolaunch-Jet ist ein eigens entwickeltes Trägerflugzeug, das für eine sehr spezielle Aufgabe gebaut wurde: Dank der enormen Spannweite soll die Maschine schwere Raketen-Nutzlasten in große Höhen bringen, um so kostengünstige Starts von Satelliten oder Raumschiffen zu ermöglichen. Für die ersten Flugversuche hob das ungewöhnliche Fluggerät vom Flughafen Space Port in der Mojave-Wüste ab.

Zusammengeschraubter "Frankenstein"-Jet

Beim Bau des Stratolaunchers ließen sich die Luftfahrtingenieure einiges einfallen: Die Maschine besteht im Kern aus wiederverwendeten Bauteilen zweier gebrauchter Jumbo-Jets vom Typ Boeing 747, die in vollkommen neuer Konfiguration zusammengesetzt wurden. Der Stratolauncher verfügt über zwei Rümpfe und sechs Triebwerke. Große Teile der Cockpit-Elektronik, der Fahrwerke und der Steuerung wurden weitgehend unverändert aus den gebrauchten Jumbos übernommen.

Die Nutzlast soll im Praxisbetrieb zwischen den Rümpfen hängend in den Himmel steigen: Sobald der Raketenträger eine geeignete Höhe erreicht hat, koppelt sich das Weltraumvehikel ab und zündet die eigenen Triebwerke zum Start in den erdnahen Orbit. Der Stratolauncher kann anschließend zu seinem Startflughafen zurückfliegen.

Effizienter und billiger als Elon Musks Raketen?

Die Kombination aus Trägerflugzeug und Raketenstart in großer Höhe soll vergleichsweise energieeffiziente Transportflüge in den Weltraum ermöglichen. Im Vergleich zum herkömmlichen Raketenstart kommt das Stratolauncher-Konzept ohne teure Feststoffraketen-Booster oder riesige Flüssigtreibstofftankbehälter wie etwa im Fall des längst ausgemusterten Shuttle-Programms der Nasa aus.

Die bislang energieintensivste Flugphase in Bodennähe überwindet der Stratolauncher vor allem dank des starken Auftriebs seiner riesigen Tragfläche. Angetrieben wird das Gespann von sechs serienmäßigen Jet-Triebwerken wie sie auch unter den Tragflächen herkömmlichen Passagierflugzeuge hängen. Das senkt nicht nur die Bau- und Betriebskosten, sondern spart auch riesige Mengen an Raketentreibstoff. Und natürlich ist der Stratolauncher wiederverwendbar.

Leer und unbetankt wiegt der rund 73 Meter Stratolauncher rund 230 Tonnen. Das maximale Startgewicht soll früheren Angaben zufolge knapp 590 Tonnen erreichen. Abzüglich Treibstoff kann sich der Lastenträger damit mit rund 250 Tonnen schwere Frachtraketen in die geeignete Startzonen in rund 11.000 Metern Höhe schrauben.

Der im vergangenen Oktober gestorbene Microsoft-Mitgründer und Raumfahrtinvestor Paul Allen hatte das Projekt 2011 ins Leben gerufen. Sobald die Testphase abgeschlossen ist und der Stratolauncher in den Praxisbetrieb startet, steht das Projekt in direkter Konkurrenz zu anderen kommerziellen Satellitenstart-Anbietern wie etwa SpaceX, dem Weltraum-Ableger von Tesla-Chef Elon Musk.

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Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa

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