Wissen

Neues aus Foodistan Und was essen Sie so?

Kommunikation.jpg

(Foto: imago stock&people)

Veganismus ist in aller Munde. Die Steinzeiternährung Paleo auch. Aber haben Sie schon mal was von Peganismus, Clean Eating oder Fruganismus gehört? Die aktuellen Ernährungstrends reichen von alltäglich bis absurd.

Die einen verzichten auf tierische Produkte, die anderen glauben, dass nur eine steinzeitliche Ernährung wirklich gesund ist und wieder andere wollen nur essen, was von selbst vom Baum fällt. Die aktuellen Ernährungstrends reichen von alltäglich bis absurd. Die trendigsten Ernährungsweisen werden nachfolgend mit einem zwinkernden Auge vorgestellt.

Vegetarier

… gibt es viele. Fasst jeder zehnte Deutsche isst laut Vegetarierbund Deutschland (VEBU) vegetarisch. Aus überwiegend moralischen Gründen verzichten Vegetarier auf Fleisch und Fisch, nehmen aber meist andere tierische Erzeugnisse wie Milch und Eier zu sich. Die Unterteilung in "Ovo-Vegetarier" (Eier, aber keine Milchprodukte), "Lacto-Vegetarier" (Milchprodukte, aber keine Eier) und Ovo-Lacto-Vegetarier (Milchprodukte und Eier sind erlaubt) entspringt eher dem Wunsch nach klaren Schubladen, als dass hier tatsächlich bedeutende Strömungen erkennbar wären. Als der erste große Vegetarier gilt der griechische Gelehrte Pythagoras (um 570 bis 500 vor Christus): "Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen zurück."

Veganer

… sind auf dem Vormarsch. Derzeit sollen rund 1,2 Millionen Bundesbürger vegan leben. Sie alle lehnen den Verzehr von Tierprodukten ab. Die Nervensägen unter den Veganern wollen die Fleischesser missionieren: Schweinekoteletts, Fischfilets und Hähnchenschenkel nennen sie "Leichenteile von Individuen". Der Veganismus geht aber über die Ernährung hinaus. Die meisten Veganer ernähren sich nicht nur vegan, sondern sie "leben vegan": Sie verzichten in allen Lebensbereichen auf die Nutzung tierischer Substanzen. Die Oberkorrekten verachten Menschen, die Wollpullover tragen, weil Schafe geschoren werden, ohne sich wehren zu können.

Flexitarier

… liegen voll im Trend. Es handelt sich hierbei um eine Art Teilzeit-Vegetarier. Ab und an landet schon mal ein Stück Fleisch oder Fisch auf dem Teller, denn Flexitariern geht es weniger um den Erhalt des tierischen Lebens als um eine gesunde Ernährung. Sie essen im Idealfall einfach nur etwas weniger Fleisch und Fisch als die Durchschnitts-Bevölkerung. Wobei "weniger" relativ ist und auch mal nur "gefühlt weniger" sein kann. Einer aktuellen Umfrage zufolge essen 42 Millionen Deutsche an drei oder mehr Tagen pro Woche kein Fleisch. Den Flexitariern wird nachgesagt, dass sie auf eine artgerechte Haltung der Tiere achten und deshalb gerne auf Bioprodukte zurückgreifen.

Paleoaner

… erlegen ihr Fleisch selbst, sammeln Beeren und kochen über dem offenen Feuer. Das Wort "Paleo" (auch Paläo) steht für das Paläolithikum, die Altsteinzeit. Erlaubt sind nur solche Lebensmittel, die auch unsere steinzeitlichen Vorfahren (angeblich) schon verzehrt haben. Die Theorie: Unser Körper kann nur diese Lebensmittel richtig verarbeiten, weil wir tief in uns drin eigentlich noch Steinzeitmenschen sind. Erlaubt sind vor allem Fleisch, Fisch, Eier, Gemüse, Obst, Samen, Nüsse und einige Fette. Ausgeschlossen sind Getreide, Hülsenfrüchte, Zucker, Milchprodukte, Zusatzstoffe und stark verarbeitete Fette. Obwohl der Verzicht auf verarbeitete Nahrungsmittel sinnvoll ist, ist die Fleischlastigkeit dieser Ernährungsform nicht nachhaltig. Richtig absurd wird es, wenn die Speisen vornehmlich aus industrieller Massentierhaltung stammen.

Peganer

… sind die neuen Veganer. Vergessen Sie Veganismus und Paleo-Ernährung. Ein findiger US-amerikanischer Wissenschaftler kombinierte kurzerhand die Vorzüge der rein pflanzlichen und das Beste der Steinzeiternährung miteinander und erschuf den Peganismus. Erlaubt sind Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index, viel Gemüse und die richtigen Fette (Omega-3-Fette aus Olivenöl, Nüssen oder Avocados). Fleisch machen Peganer zur Beilage. Nur ein Viertel des Tellers, etwa die Größe einer Handfläche, sollte das Fleischstück ausmachen. Und es soll von Weidetieren kommen. Zucker soll bitteschön eine Seltenheit bleiben und Milchprodukte vermieden werden. Kein Gluten und wenig Vollkornprodukte. Überflüssig zu erwähnen, dass der Peganer natürliche Produkte bevorzugt – unerwünscht sind chemische Zusatzstoffe, Konservierungsmittel oder Farbstoffe.

Frutarier oder Fruganer

… gehen noch einen Schritt weiter als Veganer: Für ihre Lebensmittel sollen nicht nur keine Tiere, sondern auch keine Pflanzen zu Schaden kommen. Daher essen Frutarier nur Lebensmittel, deren Ernte die Pflanze nicht beschädigt: etwa Obst, Nüsse und Samen, viele essen auch Getreide und bestimmte Gemüse. Knollen oder Wurzeln, etwa Kartoffeln oder Zwiebeln, sind tabu. Manche Frutarier versuchen sogar, nur Obst, das von selbst vom Baum gefallen ist, zu verzehren. Der Fruganismus gehört zu den eher absurden Ernährungsideen, denn er birgt die Gefahr der Unterversorgung mit Nährstoffen.

Rohköstler

… glauben, dass das Erhitzen von Lebensmitteln wichtige Vitamine und Nährstoffe zerstört. Sie essen daher nur Rohes oder auf maximal 42 Grad Erhitztes. Dazu gehören beispielsweise viel rohes Obst und Gemüse, Nüsse, Samen und Kräuter. Gemüse wird nicht mehr als schlappe Beilage wahrgenommen, sondern als Hauptgericht. Es wird mariniert, püriert, gedörrt oder gebeizt. Wahre Experten arbeiten mit Hochleistungsmixern, die ihren Inhalt binnen Minuten zu kalten Suppen, grünen Smoothies oder Desserts pürieren. Rohkostfans schwärmen von neuer Vitalität, reinerer Haut und einem besseren Körpergefühl.

Clean Eater

… verzehren möglichste nur naturbelassene Lebensmittel. Sie versuchen, auf verarbeitete Lebensmittel (Konservierungsmittel, Zusatzstoffe) komplett zu verzichten. Außerdem soll man bei dieser Ernährungsweise fünf bis sechs kleine Mahlzeiten pro Tag essen, viel Wasser trinken, weitgehend auf Zucker und Weißmehl verzichten und viel frisches Obst und Gemüse essen. Tierische Produkte sind erlaubt, solange sie nicht verarbeitet sind. Diese Ernährungsform ist vernünftig, einleuchtend und eigentlich ziemlich "normal". Fragt sich nur, warum es dafür einen Namen braucht. Diese Ernährungsform gibt es schon sehr lange. Man nennt sie "bewusstes, ausgewogenes Essen".

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema