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Reste einer namenlosen Zivilisation "Weiße Stadt" ist wohl erst der Anfang

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Den genauen Fundort der "Weißen Stadt" im Urwald Honduras halten die Forscher noch geheim.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Honduras machen Forscher einen spektakulären Fund: Sie stoßen auf die legendäre "Weiße Stadt", die "Stadt des Affengottes". Völlig unberührt liegen hier die Überreste einer untergegangenen Zivilisation. Und im Urwald könnte sich noch mehr verbergen.

Seit Jahrhunderten erzählen Legenden von der "Weißen Stadt", der "Stadt des Affengottes". Und seit Jahrzehnten begeben sich Archäologen und Abenteurer immer wieder auf die Suche nach dem mystischen Ort. Nun, so berichtet die Zeitschrift "National Geographic", wurden sie fündig: In einer der vergessensten und undurchdringlichsten Gegenden der Welt, inmitten des dichten honduranischen Regenwalds in der Region La Mosquitia, stoßen Forscher auf die sagenumwobene Stadt.

Dabei fanden sie zahlreiche Überreste von großen Plätzen, Erdwällen, möglichen Bewässerungskanälen sowie einer Pyramide aus Erde. Außerdem entdeckte das Team um den Archäologen Christopher Fisher von der US-Universität Colorado ein bedeutendes Lager aus Steinskulpturen. Zudem stießen sie auf steinerne zeremonielle Plätze, fein geschnitzte Gefäße, die mit Schlangen, Tierfiguren und Geiern verziert sind.

Dutzende Artefakte ragten aus dem Boden heraus. Zahlreiche weitere Gegenstände werden noch unter der Erde vermutet. Eines der spektakulärsten Fundstücke ist eine Art Jaguarmensch aus Stein, der vermutlich einen Schamanen in einem spirituellen Zustand darstellt.

Fisher sagte, es sei "unglaublich selten", dass Funde noch derart unberührt seien und nicht durch Plünderungen zerstört wurden. Er und sein Team datieren die Fundstücke auf 1000 bis 1400 nach Christus.

Die Wissenschaftler, die am Mittwoch vergangener Woche aus dem Regenwald zurückkehrten, dokumentierten die Funde, starteten aber noch keine Ausgrabungen. Um Plünderungen zu verhindern, gaben sie den genauen Fundort inmitten des fruchtbaren und völlig unzugänglichen Regenwaldes nicht bekannt.

Ein Garten Eden

Die Legende von der "Weißen Stadt" wird offenbar in der Gegend seit Jahrhunderten erzählt, es kursierten Geschichten von einer verlorenen Stadt mit weißen Stadtmauern. Ureinwohner sprachen von einem "weißen Haus" oder einem "Ort des Kakaos", wo Indianer vor den spanischen Eroberern Zuflucht suchten. Es war ein paradiesgleicher Ort, von dem offenbar keiner je zurückkehrte.

Seit den 1920er-Jahren gab es laut "National Geographic" immer wieder Expeditionen, um diesen Garten Eden zu finden. 1940 leitete der exzentrische Forscher Theodore Morde eine der größten Forschungsreisen. Er kehrte aus Mosquitia zurück mit Tausenden Kunstgegenständen und sagte, er habe die Stadt betreten. Laut Morde hätten die Eingeborenen ihm von einer gigantischen vergrabenen Statue eines Affengottes berichtet. Wo sich jedoch genau die Stadt befand, wollte Morde nicht sagen - offenbar aus Angst vor Plünderern. Später beging er Selbstmord und nahm sein Geheimnis mit ins Grab.

In den vergangenen Jahren machten sich dann die Dokumentarfilmer Steve Elkinds und Bill Benenson auf die Suche nach der verlorenen Stadt. Für ihre Suche bekamen sie 2012 Hilfe von der Universität Houston: Eine Cessna mit einer speziellen Laserkamera überflog ein kraterähnliches Tal im Nordosten des honduranischen Regenwaldes und schoss Bilder. Als Fischer diese Luftaufnahmen analysierte, sah er, dass das Gelände fast völlig von Menschenhand gestaltet worden war.

Nach der Expedition gehen die Forscher nun davon aus, dass es nicht nur eine verlorene Stadt gibt, wie in den Legenden beschrieben. Vielmehr erwarten sie dem Bericht zufolge, dass die Region Mosquitia im Nordosten Honduras jede Menge solcher "verlorenen Städte" beheimatet. Damit sind sie inmitten der honduranischen Wildness auf etwas noch viel Wichtigeres als auf einzelne seltene Artefakte gestoßen: auf die Überreste einer untergegangenen Zivilisation, die bislang noch nicht einmal einen Namen hat.

Quelle: ntv.de, ghö

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