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Umweltfreundlicheres Futter Wenn Kühe Astronautennahrung bekommen

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Nur frisches Gras reicht in der konventionellen Milchproduktion und Viehzucht nicht aus.

(Foto: imago/blickwinkel)

Die intensive Nutztierhaltung gilt als Umweltkiller. Sie erzeugt nicht nur verschiedene Treibhausgase, sondern beeinflusst auch die Landwirtschaft durch Futtermittelanbau. Mikroben könnten den wachsenden Fleischbedarf weltweit umweltfreundlicher machen.

Um den weltweit stetig wachsenden Fleischbedarf zu decken, braucht man immer mehr Land zum Futteranbau. Entwaldung, Verlust der Biodiversität und Erhöhung der Treibhausgase machen die Viehzucht zur Fleischerzeugung zur extremen Umweltbelastung und so manchem Fleischesser ein schlechtes Gewissen. Internationale Forscher aus verschiedenen Fachrichtungen, unter ihnen Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), haben eine Alternative zur herkömmlichen Futtermittelproduktion untersucht.

Dabei handelt es sich um die landlose Produktion von Mikroben. Die proteinreichen Organismen werden in Zukunft voraussichtlich mehr und mehr traditionell hergestelltes Futter ersetzen, sind sich die Forscher sicher. "In der Praxis könnten gezüchtete Mikroben wie Bakterien, Hefen, Pilze oder Algen proteinreiche Pflanzen vom Acker wie Sojabohnen oder Getreide ersetzen. Entwickelt wurde diese Methode ursprünglich während des Kalten Krieges für die Raumfahrt. Energie, Kohlenstoff und Stickstoffdünger werden dabei im Labor zur industriellen Produktion proteinreicher Mikroben eingesetzt", erklärt Ilje Pikaar von der University of Queensland in Australien.

Große Wirkungen auf die Umwelt

Die Forscher errechneten mit Modellsimulationen den Nutzen des im Zuchtlabor hergestellten Futters. Sie zogen dafür fünf verschiedene Wege zur Züchtung der Mikroben heran. Durch den Einsatz von Erdgas oder Wasserstoff könnte die Futtermittelproduktion vollständig von der Anbaufläche entkoppelt werden. Diese landlose Produktion vermeidet jede Verschmutzung durch die landwirtschaftliche Produktion, geht jedoch auch mit einem enormen Energiebedarf einher. Alternativ dazu könnten auch Zucker, Biogas oder Synthesegas aus der Landwirtschaft durch die Mikroben zu hochwertigem Eiweiß veredelt werden. Durch die Nutzung der Photosynthese wird bei diesen Verfahren keine externe Energiequelle benötigt, sie führt aber auch zu geringeren Umweltvorteilen, teilweise sogar zu einem Anstieg der Stickstoffbelastung und der Treibhausgasemissionen.

Dennoch bergen die Verfahren großes Potenzial für eine umweltfreundlichere Futtermittelindustrie. Die Forscher gaben an, dass bis 2050 weltweit zwischen 175 bis 307 Millionen Tonnen Mikroben an Tiere verfüttert werden, um herkömmliches Kraftfutter zu ersetzen. Das entspräche zwar nur einem Anteil von rund zwei Prozent am gesamten Viehfutter, könnte aber um mehr als fünf Prozent der benötigten Ackerflächen, sieben Prozent der Treibhausgasemissionen, die die Landwirtschaft erzeugt, und acht Prozent der Stickstoffemissionen reduzieren.

"Die Fütterung von mikrobiellem Eiweiß würde die Produktivität der Tiere nicht beeinträchtigen", betont die Autorin Isabelle Weindl vom PIK. "Im Gegenteil, es könnte sogar positive Auswirkungen auf das Wachstum der Tiere oder die Milchproduktion haben. Denkbar sei auch, mikrobielles Protein aus dem Labor zum direkten Bestandteil der menschlichen Ernährung zu machen. "Astronautennahrung für jedermann", sagt Alexander Popp vom PIK. Doch bis dahin müssen nicht nur technologisch Fortschritte gemacht werden, sondern auch die Gewohnheiten abgelegt werden.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher in der Fachzeitschrift "Environmental Science & Technology".

Quelle: n-tv.de, jaz

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