Frage & Antwort

Es kann jeden treffen Warum werden Menschen reisekrank?

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Egal ob im Zug, Flugzeug, Auto oder auf dem Schiff: reisekrank kann jeder werden.

(Foto: imago/Panthermedia)

Die Vorfreude auf den anstehenden Urlaub ist groß, doch kaum geht die Reise los, meldet sich der Körper mit Schwindel, Übelkeit und Schweißausbrüchen. Die Reisekrankheit ist ausgebrochen. Warum kommt es zu diesen Symptomen und was kann man dagegen tun?

Die Reisekrankheit, Kinetose in der Fachsprache genannt, ist streng genommen keine Krankheit. Menschen, die an ihr leiden, fühlen sich nur besonders elend. Die "Krankheit" ist völlig ungefährlich, es sei denn, die Symptome wie Erbrechen sind so stark, dass Betroffene große Mengen an Wasser und Salzen ausscheiden. Oft treten die Symptome auf, wenn man passiver Bewegung ausgesetzt wird, also im Reisebus, im Auto, im Zug oder im Flugzeug sitzt oder mit dem Schiff reist.

Laut dem "Deutschen Ärzteblatt" sind Frauen und jüngere Personen zwischen 6 und 12 Jahren häufiger von der Reisekrankheit betroffen. Zwillinge reagieren oftmals ähnlich, was auf eine genetische Komponente hinweist, heißt es in dem Blatt. Die Symptome können jederzeit auftreten, auch bei Menschen, die davon zuvor noch nie betroffen waren. Warum man reisekrank wird, ist nicht umfassend geklärt. Die bekannteste Theorie besagt jedoch, dass einem schlecht wird, wenn das Gehirn widersprüchliche Sinneswahrnehmungen über die Körperbewegungen erhält.

Gehirn gerät in einen Konflikt

Das Gehirn bestimmt die Körperposition mithilfe der Augen, des Innenohrs und des sogenannten propriozeptischen Systems. Die Augen liefern Informationen darüber, wo man sich gerade befindet. Mithilfe des Gleichgewichtsorgans im Innenohr werden Schwerkraft und Beschleunigung wahrgenommen. Das propriozeptorische System gibt dem Gehirn zudem Auskunft darüber, ob Muskeln und Sehnen angespannt sind. Alle Informationen setzt das Gehirn zu einem sinnvollen dreidimensionalen Bild zusammen.

Solange sich das Gehirn einen Reim auf die einströmenden Sinneswahrnehmungen machen kann, ist alles in Ordnung. Wenn man allerdings während der Autofahrt liest oder aufs Handy schaut, kann das Gehirn durcheinandergeraten. Denn die Informationen, die es erhält, sind widersprüchlich: Das Auge meldet dem Gehirn keine Bewegung des Körpers, denn die Augen ruhen beispielsweise auf starren Buchstaben. Doch das Innenohr nimmt die ständig wechselnden Beschleunigungen des Autos wahr. Das Gehirn gerät in einen Konflikt. Der Körper reagiert mit Stress, es kommt zu Überreaktionen wie Übelkeit, Schweißausbrüchen und Schwindel. Meistens erholen sich Betroffene relativ schnell wieder von der Reisekrankheit, sobald sie ihre Sinneseindrücke wieder in Einklang bringen können. In der Regel ist das am Ankunftsort der Fall, wenn die Betroffenen von Bord eines Schiffes gehen oder aus dem Auto steigen.

Aber es gibt auch ein paar Tricks, wie man den Konflikt zwischen Auge und Innenohr schon vorher lösen kann. Im Auto sollte man bestenfalls selber Fahren, denn als Fahrer wird einem meistens nicht schlecht. Das liegt vermutlich daran, dass Betroffene ihren Blick konstant auf die Straße richten. Ansonsten ist der Beifahrersitz bei Autoreisen eine gute Wahl. Im Bus sollte man möglichst weit vorne sitzen, damit man den Blick auf die Straße richten kann.

Gleichgewichtsorgan

Das Gleichgewichtsorgan liegt im Innenohr. Es wird auch Vestibularapparat genannt. Es registriert alle Arten von Beschleunigungen und Lageveränderungen. Auf diese Weise kann man sich im Raum orientieren.

Das Organ besteht aus drei annähernd kreisrunden Kanälen, den sogenannten Bogengängen und zwei Vorhofsäckchen. Die Säckchen registrieren lineare Beschleunigungen, etwa beim Auto- und Zugfahren, die Bogengänge Drehbewegungen, wie Kopfschütteln und Nicken.

Auf einem Schiff sollte man sich in der Mitte und bestenfalls an der Luft aufhalten. Zudem sollte man einen ruhigen Punkt in der Ferne fokussieren, beispielsweise den Horizont oder einen Berg. Außerdem nützlich: Schaukelt das Schiff, bewegt man sich einfach mit. Mit der Verlagerung des eigenen Körpergewichts kann man die Bewegung des Schiffs ausgleichen.

Im Flugzeug kann es helfen, einen Platz nahe der Tragflächen oder im vorderen Bereich zu wählen. Hier sind die Turbulenzen nicht so stark spürbar, wie im hinteren Teil des Flugzeugs. Im Zug kann es helfen, in Fahrtrichtung Platz nehmen und ab und zu im Gang auf und ab zu gehen. Im Sitzen empfinden es manche auch als angenehm, wenn sie die Augen schließen. Denn dann fällt die visuelle Information für das Gehirn weg und es kann sich ausschließlich auf das Innenohr konzentrieren. Zudem dienlich: bewusste Atemübungen und Ablenkungen zum Beispiel in Form von Musik oder Gesprächen.

Kein fetthaltiges Essen, kein Alkohol

Weiß man, dass man zur Reisekrankheit neigt und vor allem unter Übelkeit leidet, kann man auch schon vor Reiseantritt Vorkehrungen treffen: Man sollte zum Beispiel kein fetthaltiges Essen zu sich nehmen. Allerdings sollte die Reise auch nicht mit nüchternem Magen angetreten werden, stattdessen besser leichte Kost verzehren. Zudem empfehlen Ärzte, keinen Alkohol zu trinken und auf Zigaretten zu verzichten. Auch Koffein ist keine gute Idee.

Wer schließlich erste Symptome spürt, dem kann Ingwer helfen. Der scharf schmeckenden Wurzel wird nachgesagt, Übelkeit und Brechreiz wirkungsvoll unterdrücken zu können. Um eine Überreaktion des Magens vorzubeugen, scheinen außerdem Kaubewegungen hilfreich zu sein. Nicht nur Kaugummi ist eine gute Wahl, sondern auch das lange Kauen von Äpfeln und Möhren beruhigt den Magen.

Wenn das alles nichts bringt, gibt es auch Medikamente gegen Reisekrankheit. Aber Vorsicht: Egal ob Pflaster, Tabletten oder Kaugummis, viele Wirkstoffe gegen Reisekrankheit können sehr müde machen. Deswegen darf man nach der Einnahme beispielsweise auch kein Auto mehr fahren.

Übrigens: Auch Astronauten können an Kinetose erkranken. Dann spricht man allerdings nicht von Reise-, sondern von der Weltraumkrankheit. Beim Eintritt in die Schwerelosigkeit kann es ebenfalls zu einer Störung des Gleichgewichtsorgans kommen. Auch in diesem Fall verspüren die Astronauten Übelkeit, mitunter kann es auch zu Erbrechen und starkem Unwohlsein kommen. Die Symptome verschwinden aber meistens nach einigen Tagen wieder, sobald sich der Körper an die Schwerelosigkeit gewöhnt hat.

Quelle: n-tv.de

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