Frage & Antwort

Viele schwarze Schafe Was passiert mit Kleiderspenden?

imago75653493h.jpg

Zwei Container für Altkleiderspenden. Was passiert mit den ausrangierten Textilien, sobald sie eingeworfen wurden?

(Foto: imago/STPP)

Wer Gutes tun möchte, spendet seine nicht mehr benötigte Kleidung. Einfach Ausrangiertes in einen Sack packen und ab in die nächste Kleiderbox. So kommen die ausgedienten Klamotten bedürftigen Menschen zugute - könnte man jedenfalls meinen. Doch ganz so einfach ist es nicht.

60 Kleidungsstücke kauft der Deutsche im Schnitt pro Jahr, wenn man Socken und Unterwäsche mitzählt. Die Tendenz ist steigend, denn die Verbraucher können sich immer mehr leisten. Der Grund: Kleidung wird aufgrund schlechter Qualität und Massenproduktionen in Billiglohnländern immer günstiger. Die Menschen kaufen also immer mehr ein, die Kleiderschränke sind immer praller gefüllt, am Ende muss aussortiert werden.

"Die überwiegende Mehrheit der Verbraucher möchte mit ihren aussortierten Altkleidern gezielt gemeinnützige Zwecke unterstützen", erklärt der Sprecher des gemeinnützigen Netzwerks Fair-Wertung, Thomas Ahlmann, im Gespräch mit n-tv.de. Der Verband schätzt, dass jährlich eine Million Tonnen ausrangierte Kleidungsstücke gespendet werden. Das ist viel mehr, als Hilfsorganisationen benötigen.

Was macht der Verein Fair-Wertung?

Fair-Wertung ist ein bundesweiter Zusammenschluss von gemeinnützigen Organisationen und Einrichtungen, die Kleidersammlungen durchführen. Sie haben sich auf verbindliche Standards geeinigt. Dazu gehören ein transparentes Sammeln und Verwerten der gespendeten Kleidung sowie Informationen über die Verwendung der Altkleider. Die Sammlungen der angeschlossenen Organisationen sind am grünen Siegel der Fair-Wertung auf den jeweiligen Containern zu erkennen.

In Deutschland gibt es rund 120.000 Altkleidercontainer. Ein Großteil davon wird vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) aufgestellt. Auch kirchliche Hilfsorganisationen wie die evangelische Diakonie oder die katholische Caritas unterhalten vielerorts Altkleidercontainer. Doch es gibt auch illegal aufgestellte Boxen. Fair-Wertung schätzt, dass 10.000 Container ungenehmigt aufgestellt wurden. Das heißt: Niemand weiß, wer hinter der Box steckt, wer sie leert und was mit den Altkleidern passiert.

Um sicherzugehen, dass man es mit einer seriösen Organisation zu tun hat, sollte man sich den Altkleider-Container zunächst genau ansehen. Ist er mit dem grünen Siegel von Fair-Wertung oder dem bvse-Qualitätssiegel für Textilrecycling versehen, handelt es sich um eine legale Box. Ein weiteres positives Indiz: Auf dem Container sollten Kontaktdaten und Festnetznummer der jeweiligen Organisation stehen.

Vor Sammlungen mit Waschekörben, die ungefragt vor der Haustür oder auf dem Bürgersteig abgestellt werden, warnt Fair-Wertung indes. Zwar sieht man darauf auch oft Logo und Namen eines gemeinnützigen Vereins. Doch in der Regel hat diese Organisation nichts mit der Sammlung zu tun oder erhält nur einen Bruchteil des Sammelerlöses. Das Logo wurde lediglich gemietet, um der Aktion einen vertrauenserweckenden Anstrich zu verleihen. Eine Praxis, die juristisch tatsächlich zulässig ist.

Nur die Hälfte für Secondhand geeignet

Doch auch wer seine ausrangierte Kleidung in einen legalen Container wirft, kann nicht automatisch davon ausgehen, dass seine Spende auch Bedürftigen zugutekommt. Legale Betreiber verkaufen den Inhalt ihrer Container in der Regel unsortiert an Verwertungsunternehmen. Dort wird geprüft, ob die Kleidung modisch und gut erhalten ist. Da dies in Handarbeit geschieht, ist das aufwändig und dementsprechend teuer. Deswegen wird die Sortierung auch eher in Billiglohnländern in Osteuropa oder Tunesien und Marokko vorgenommen. Ein Fakt, der es schwer macht, den Weg der Kleidung immer lückenlos nachzuvollziehen.

Fair-Wertung schätzt, dass durchschnittlich 55 Prozent der Textilien für den Secondhand-Gebrauch geeignet sind. Da die Richtlinien für den Verkauf von Secondhand-Ware in Deutschland und Westeuropa besonders streng sind, landet der Hauptanteil in Osteuropa und Afrika. Nur zwei bis vier Prozent der in Altkleider-Container geworfenen Kleidung bleibt tatsächlich in Deutschland und Westeuropa. Was nicht modisch genug oder zu kaputt ist, wird zu Dämmstoffen oder Putzlappen weiterverarbeitet. Circa zehn Prozent der ausrangierten Kleidung landet im Abfall und muss kostenpflichtig entsorgt werden.

Ausgediente Kleidung einfach zu recyceln und beispielsweise Garn aus alten Stoffen herzustellen, um neue T-Shirts oder Hosen zu produzieren, funktioniert indes nicht. Denn: Vor allem minderwertige und besonders günstige Kleidungsstücke bestehen meist aus verschiedenen Materialien, die zudem häufig nicht einheitlich und klar gekennzeichnet sind.

Wer sichergehen möchte, dass die Altkleider ausschließlich für gemeinnützige Zwecke gespendet werden, gibt sie am besten direkt bei Kleiderkammern ab. Doch Ahlmann von Fair-Wertung warnt: "Spender sollten darauf achten, dass die alte Kleidung wirklich tadellos erhalten ist und einigermaßen modisch." Denn nur dann werden hierzulande die Kleidungsstücke an Obdachlose, Hartz-IV-Empfänger oder Flüchtlinge weitergegeben.

Das DRK, die Arbeiterwohlfahrt (Awo) und Sozialkaufhäuser nehmen Spenden direkt entgegen. Auch bei Oxfam kann gut erhaltene Kleidung abgegeben werden. In eigenen Läden verkauft die Organisation die Secondhandware, der Gewinn kommt dem Verband zugute. Oxfam setzt sich weltweit für sauberes Trinkwasser, Bildung und gesundheitliche Versorgung ein.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema