Fundsache

Fundsache, Nr. 1388 Urzeit-Fisch mit Reißzähnen entdeckt

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So harmlos hat der Fisch vor 150 Millionen Jahren ausgesehen.

(Foto: G. Horsitzky, Jura-Museum Eichstätt)

"Wie ein Schaf mit Reißzähnen eines Wolfes": So umschreiben Forscher ihren neuen fossilen Fund. Der harmlos aussehende Fisch, der vor 150 Millionen Jahren lebte, trug scharfe Zähne im Mund und machte auf ungewöhnliche Weise Jagd auf seine Opfer.

Er muss ganz harmlos ausgesehen haben, trug jedoch in seinem Mund echte Waffen. Das hat ein Forscherteam nach eingehender Untersuchung eines neu entdeckten Fischfossils festgestellt. "Wir waren völlig verblüfft, dass dieser Fisch Piranha-ähnliche Zähne hatte", sagt Martina Kölbl-Ebert, Leiterin des Jura-Museums Eichstätt, in dem das Fossil zu sehen ist. "Er gehört zu einer ausgestorbenen Fischgruppe, den Pycnodontiformes, die für ihre pflasterartigen Knackzähne bekannt sind. Es ist, als würde man auf ein Schaf mit den Reißzähnen eines Wolfes treffen."

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Foto des Fossils im Jura-Museum Eichstätt und Details der furchterregenden Zähne.

(Foto: M. Ebert und Th. Nohl)

Doch das ist nicht alles, was die Forscher fanden. Der Fisch, der vor rund 150 Millionen Jahren lebte, ernährte sich nicht wie andere Knochenfische, in dem er Schalentiere knackte oder andere Fische im Ganzen verschlang. Dieser biss in die Flossen anderer Fische, so wie es Piranhas auch noch heute tun. Bisher war man davon ausgegangen, dass eine solche Ernährungsweise sich erst sehr viel später im Laufe der Entwicklung von Fischen gegeben hat.

Fossilien der Opfer-Fische erkennbar

Die Annahme dieser außergewöhnlichen Ernährung wird nicht nur durch die spezielle Ausstattung im Mund des versteinerten Fisches, sondern durch weitere ungewöhnliche Fossilien der Paläontologen gestärkt. Die Forscher konnten aus demselben Kalksandstein aus dem ehemaligen Steinbruch von Ettling in Bayern, Reste von Fischen, denen Stücke ihrer Flossen fehlten, bergen. Sie müssen Opfer der Pflasterzahnfische gewesen sein.

"Dies ist eine erstaunliche Parallele zu modernen Piranhas, die sich überwiegend nicht vom Fleisch, sondern von den Flossen anderer Fische ernähren", erklärt David Bellwood von der James Cook University, Australien die Ergebnisse. Da Flossen nachwachsen und dementsprechend eine erneuerbare Nahrungsquelle seien, sei diese Ernährungsweise eine schlaue Sache, so Bellwood weiter. Dennoch sind die als Piranhamesodon pinnatomus bezeichneten Fische ausgestorben und auch nicht mit heute lebenden Piranhas verwandt. Ebenfalls anders als moderne Piranhas, die ausschließlich in Süßwasser zu finden sind, haben die Tiere vor 150 Millionen Jahren in Meeren gelebt und gejagt.

Der Fund, der aus demselben jurazeitlichen Solnhofener Archipel stammt, aus dem übrigens auch die Fossilien des berühmten Urvogels Archaeopteryx geborgen werden konnten, ist der älteste bekannte Beweis für einen fleischfressenden Knochenfisch. Ihre Ergebnisse veröffentlichte das Forscherteam in der Fachzeitschrift "Current Biology".

Quelle: n-tv.de, jaz

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