Riekes Rückspiegel

Was war am 12. November? Das verspottete Debüt der Bundeswehr

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Bundesverteidigungsminister Blank (r.) überreicht den Ex-Wehrmachts-Generalen Heusinger (l.) und Speidel die Ernennungsurkunden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Eine umdekorierte Fahrzeughalle und eine Uniform, die für Spott sorgt: Die Geburtsstunde der Bundeswehr ist wenig glanzvoll. Zudem verteidigt Kanzler Adenauer den Umstand, dass die Truppe nazibelastet ist.

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Wussten Sie, dass … im Streit um eine deutsche Wiederbewaffnung heute vor 64 Jahren Fakten geschaffen worden sind? Am 12. November 1955 - zehneinhalb Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs - ernennt Bundesverteidigungsminister Theodor Blank die ersten 101 Freiwilligen einer neuen Truppe. Damit beginnt die Geschichte der Bundeswehr.

Die offizielle Geburtsstunde der Bundeswehr verläuft wenig glanzvoll und ohne viel Tamtam. In der ehemaligen Bonner Ermekeilkaserne hängen die Organisatoren eine Fahrzeughalle mit rotem Tuch ab, ein großes Eisernes Kreuz an einer Wand verweist auf die deutsche Militärtradition, die ein Jahrzehnt zuvor in der größtmöglichen Katastrophe geendet hatte. Allen öffentlichen Bedenken zum Trotz nehmen Dutzende Freiwillige an der improvisierten Zeremonie teil, um die Basis für einen militärischen Neuanfang zu legen.

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Bei der Feierstunde in der Ermekeil-Kaserne Bonn wurden 101 Männer zu Soldaten der neuen Streitkräfte ernannt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Datum ist hierfür bewusst gewählt: Mit dem 200. Geburtstag des preußischen Militär-Reformers Gerhard von Scharnhorst soll ein Umdenken in der deutschen Verteidigungspolitik beginnen. Zunächst verläuft diese Neuorientierung allerdings nicht reibungslos. Nicht nur, dass die zu kurz geschneiderten und enorm limitierten Uniform-Jacken der Anfangstage als "Affenjäckchen" oder "Königin-Luise-Blusen" verspottet werden. Nein, vielmehr findet der Umstand öffentlichen Anstoß, dass ehemalige Wehrmachts-Generale wie Adolf Heusinger und Hans Speidel sowie mitunter Ex-Mitglieder der Waffen-SS den Neuanfang mittragen. Bundeskanzler Konrad Adenauer sieht das weniger problematisch und verweist auf die Erfahrung der einstigen Hitler-Gefolgsleute: "Meine Herren, ich glaube, dass mir die Nato 18-jährige Generale nicht abnehmen wird."

Ebenjene Nato hatte sich zuvor im Mai für die Bundesrepublik geöffnet, nachdem die Pariser Verträge der BRD den Weg in die staatliche Souveränität geebnet und das Besatzungsstatut außer Kraft gesetzt hatten. Hintergrund war der Kalte Krieg, der eine Positionierung der Nato-Staaten und einen Beitrag zur Verteidigung aus Sicht des Westens unverzichtbar gemacht hatte.

Zunächst aber ist die neue westdeutsche Truppe eine namenlose Armee. Als am 2. Januar 1956 die ersten Soldaten in die Kasernen Andernach, Nörvenich und Wilhelmshaven einrücken, bezeichnet Adenauer diese als "Soldaten der neuen Streitkräfte". Zu diesem Zeitpunkt wird noch über den Titel der Truppe debattiert. Die FDP im Bundestag favorisiert die alte Bezeichnung "Wehrmacht", doch mit dem sogenannten Soldatengesetz vom 20. März 1956 steht fest: Die neue Armee heißt "Bundeswehr". Knapp vier Monate später beschließt der Bundestag die allgemeine Wehrpflicht, die ab 2011 ausgesetzt wird.

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Redakteur Christoph Rieke wirft in "Riekes Rückspiegel" täglich einen Blick in die Vergangenheit.

Quelle: n-tv.de