Riekes Rückspiegel

Was war am 8. November? Der Tag, an dem Elser beinahe Hitler tötete

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Eine von Johann Georg Elser gebaute Bombe zertrümmert am 8. November 1939 den Saal des Münchner Bürgerbräukellers, doch Adolf Hitler ist bereits abgereist.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Münchener Bürgerbräukeller liegt in Trümmern, doch die Zielperson ist bereits verschwunden: Vor 80 Jahren misslingt Johann Georg Elser der Versuch, Adolf Hitler zu töten. Es ist ein tragisches Scheitern eines Mannes, der die Welt vor einer Katastrophe bewahren möchte.

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Wussten Sie, dass … ein 36-jähriger Schwabe heute vor 80 Jahren tragisch mit einem Anschlag auf Adolf Hitler sowie die NS-Führungsriege gescheitert ist? Am 8. November 1939 verübt Johann Georg Elser im Münchner Bürgerbräukeller ein Bombenattentat, das nur misslingt, weil das Novemberwetter den Zeitplan des Diktators ändert.

Schon bevor der Zweite Weltkrieg mit dem Polenfeldzug der Wehrmacht anläuft, entschließt sich Elser für seinen radikalen Schritt, der wohl die größte deutsche Katastrophe hätte verhindern können. Seit der sogenannten Machtergreifung der Nationalsozialisten beobachtet das Mitglied des Rotfrontkämpferbundes argwöhnisch den Aufbau des NS-Staates, den "Hitlergruß" verweigert er öffentlich. 1938 rechnet er fest mit einem Weltkrieg und beginnt mit der Planung eines Attentats, um diesen zu verhindern.

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Im Jahr 2003 widmete die Deutsche Post dem gescheiterten Hitler-Attentäter Johann Georg Elser eine Briefmarke.

Dutzende Male versteckt sich Elser im Bürgerbräukeller, um dort seinen Anschlag vorzubereiten - in der Münchener Lokalität hält Hitler traditionell eine Rede anlässlich seines gescheiterten Putschversuchs von 1923 in der bayerischen Landeshauptstadt. Mehr als 30 Nächte bearbeitet der Schreiner Elser in dem Saal eine Säule hinter Hitlers Rednerpult, um dort eine selbstgebastelte Bombe mit Zeitschaltmechanismus zu deponieren. Der Sprengsatz explodiert auch wie geplant am 8. November um 21.20 Uhr und zertrümmert den Saal. Acht Menschen sterben. Doch zu diesem Zeitpunkt hat Hitler den Saal bereits seit 13 Minuten verlassen - früher als geplant musste er einen Zug nach Berlin erwischen, da dichter Nebel einen ursprünglichen Flug verhindert hatte.

Späte Ermordung im KZ

Noch vor der Explosion nimmt der Zoll Elser an der Schweizer Grenze fest und überstellt ihn zur Gestapo nach München. Sechs Tage nach dem Anschlag und nach mehrmaliger Folter gesteht Elser die Tat. Bei einem weiteren Verhör in Berlin erklärt er seine Überlegungen, "wie man einen Krieg vermeiden könnte". Dabei sei er zu der Überzeugung gekommen, "dass die Verhältnisse in Deutschland nur durch eine Beseitigung der augenblicklichen Führung geändert werden könnten. Unter der Führung verstand ich die 'Obersten', ich meine damit Hitler, Göring und Goebbels."

*Datenschutz

Die Nazis deportieren Elser erst ins KZ Sachsenhausen bei Berlin, dann ins KZ Dachau. Nach dem "Endsieg", so der Plan der NS-Spitze, soll der "Sonderhäftling des Führers" in einem Schauprozess öffentlichkeitswirksam verurteilt werden. Doch dazu kommt es nicht. Knapp einen Monat vor Kriegsende wird Elser am 9. April 1945 erschossen.

Noch immer ist sein Name vielen unbekannt, daran änderten auch zahlreiche Straßenumbenennungen und ein vor vier Jahren erschienener Kinofilm über den Hitler-Attentäter nur wenig. Seit ein paar Tagen steht vor dem Rathaus in Elsers Geburtsort Hermaringen bei Ulm ein Denkmal, das an den Widerstandskämpfer erinnert. Es ist eine späte Ehrung für einen mutigen Mann, der die Welt vor einer Katastrophe bewahren wollte.

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Redakteur Christoph Rieke wirft in "Riekes Rückspiegel" täglich einen Blick in die Vergangenheit.

Quelle: n-tv.de

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