Essen und Trinken

Zwei ganz harte Burschen Der Steiner und der Rosenkohl Rüdiger

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Da läuft einem buchstäblich das Wasser im Munde zusammen.

(Foto: xrichters)

Es gibt Leute, die geben ihren Autos Namen. Und dann gibt es Menschen, die ihr Gemüse tatsächlich charakterisieren. Weil unserem Koch das langweilige Image des Rosenkohls Rüdiger gar nicht gefällt, macht er die grüne Knolle - veganuary-mäßig - hip.

Rosenkohl steht heute im Mittelpunkt. Es wird vegan und da finde ich, es sollten Gemüse antreten, die herzhaft sind, eigene Würze haben und Charakter. Der Rosenkohl ist so einer. Er ist nämlich ein sehr harter Bursche. Er hält bis zu minus 15 Grad draußen durch, ohne Schal und Zipfelmütze oder warmes Fußbad. Er wird sogar niemals vor dem ersten Frost geerntet, sondern zwischen November und März. Also bestes Timing. Zudem passen die grünen Knospen gut in die obligatorische Detox-Phase nach dem Jahreswechsel.

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Willi, Weintraube, Karin Kürbis und Rüdiger machen 'ne Party - mit Martin, der alten Marone. Wenn da mal nicht gleich das Ordnungsamt anklopft!

(Foto: steiner)

Lassen Sie sich nicht von dem ollen Image des Rosenkohls in die Irre führen. Ich habe eine - sehr gut kochende - Freundin, die findet ihn muffig. Sie gibt dem Gemüse gerne Namen und Rosenkohl heißt bei ihr Rüdiger. Sie sagt, weil er sie an Junggesellen erinnert, die etwas langweilig sind, dafür vielleicht beim Quiz alles wissen, aber dennoch keine Freundin abkriegen. Nun denn, ich schenke dem Rosenkohl heute eine ganze Schar Freunde: Maronen, Kürbis, süße Zwiebeln, Trauben und ein paar rassige Dekors wie Reisessig, Cherry, Muskat, Zimt und libanesisches Za'atar als Gewürz - fertig ist die Party! Machen Sie einfach aus dem Rosenkohl, was Ihnen so einfällt.

Vegan oder vegetarisch, geht beides

Zutaten

Für 4 Personen

etwa ein Kilo Rosenkohl
1 kleiner Hokkaido-Kürbis
400 g vorgegarte Maronen
2 große süße Zwiebeln
ca. 200 g kernlose Trauben

Für die Marinade

150 cl Olivenöl
1 Schuss Sojasoße
1 Schuss japanischer Reisessig
1 Schnapsglas süßer Sherry
1-2 EL Za'atar (wilder Thymian oder Ysop, gibt es meist in türkischen Läden)
wer mag, etwas Zimt
Salz, Pfeffer, Muskatnuss

Für die Soße

250 g Joghurt (bei Bedarf vegan)
1 kleines Glas Tahini / Sesampaste
Salz, Zitrone, Koriander wer mag

Zugegeben, ich habe da Inspiration von einem meiner liebsten Promiköche geklaut: Yotam Ottolenghi. Ich nenne es aber nicht Diebstahl, sondern Inspiration, denn von diesem Mann kann man jedes Rezept nehmen und sehr frei interpretieren, erweitern, verändern. Es gelingt einfach, weil die Grundidee immer passt. Man kann also weit mehr Freunde einladen: den Knoblauch, wer ihn mag, oder den Chili, wem der nicht zu aufdringlich als Gast ist. Walnüsse sind als Nachzügler auch willkommen. Man kann auch was weglassen, also quasi ausladen, oder die Maronen gegen kleine, knackige Rattes-Kartoffeln tauschen.

Auch der Kürbis war eigentlich mal gar nicht eingeladen, fand sich aber unverhofft als Nachrücker auf der Gästeliste und hat sich bei mir jetzt zum Stammgast gemausert. Eigentlich wird alles der Einfachheit halber roh mit der Marinade in die feuerfeste Schale geworfen und sich selbst überlassen.

Aber ich habe bei Maronen immer so ein Gefühl, sie könnten trocken und bröselig werden. Daher dürfen die vorher ein paar Minuten in ein köchelndes Bad aus Wasser mit etwas Zucker. Abschöpfen, zum Rest packen und dann eigentlich nur: ab in den Ofen. Nur die Trauben müssen warten, sie stoßen erst in den letzten zehn Minuten als Surprise-Act zur Party.

Als Veganer*in machen Sie eine kleine kalte Soße aus Tahini (Sesam) und veganem Joghurt, die sie auf dem Teller über das heiße gratinierte Gemüse-Allerlei verkleckern. Wem vegetarisch statt vegan reicht: Griechischer Joghurt schmeckt besonders lecker. Und der Extra-Tipp: Koriander dazu, egal ob in der Soße oder frisch übers Ofengemüse gestreut!

Zubereitung: circa 45 Minuten

Fangen Sie mit der Marinade an: Einfach alles verrühren und nochmal abschmecken. Es kann ruhig salzig sein, der Geschmack muss ja noch in das ungewürzte Gemüse einziehen.

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Und so wurde aus dem drögen Rüdiger ein echtes Party-Animal.

(Foto: steiner)

Die Rosenkohl-Knollen werden geputzt und halbiert, der Kürbis mit Schale in kleine Würfel geschnitten, die süßen großen Zwiebeln nur grob zerkleinert. Falls Schalotten, die etwas feiner schneiden, aber die "Dolce" zerfällt quasi von selbst und ist schön zart und nicht dominant im Geschmack. Die blanchierten Maronen in ein großes Gefäß gegeben, Marinade drübergießen und schön durchrühren. Ziehen muss das Ganze nicht, schadet aber auch nicht.

Dann bei 200 Grad Heißluft in den Ofen, nach circa 20 Minuten alles umrühren, die Trauben dazugeben und kontrollieren, ob es nicht zu dunkel geworden ist, sonst nehmen Sie etwas Temperatur raus.

Prüfen Sie am Rosenkohl, ob nach einer halben Stunde alles gar ist; das hängt von der Größe des Kohls ab.

Während der Garzeit verrühren Sie ein kleines Glas Tahini mit etwas heißem Wasser, geben einen kleinen Teelöffel Salz dazu und füllen dann mit dem (veganen) Joghurt auf.

Bon Appetit! Eine Weinempfehlung zum Essen gibt es dann wieder im Februar - diesen Monat bleiben wir mal ganz clean.

Quelle: ntv.de