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Schminkt's euch ab! #ThePowerOfMakeUp & dumme Netz-Trends

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Youtuberin "NikkieTutorials" hat das Hashtag #ThePowerOfMakeUp ins Leben gerufen - nur einer der vielen Netz-Trends.

(Foto: Youtube/NikkieTutorials)

Mit albernen Hashtags stellen vor allem junge Frauen online ihren Körper zur Debatte. Die Youtuberin "NikkieTutorials" beispielsweise kämpft für ein Recht auf Schminke. Aber wieso muss sie sich überhaupt rechtfertigen?

Gibt es eigentlich einen Ort, an dem man sich noch schlechter fühlen kann als im Internet? Ein gewisses Maß an optischer Appetitlichkeit ist sicherlich schon immer irgendwie von Vorteil gewesen - ob das jetzt Rubens-Schenkel oder Heroin-hohle Wangen waren, die Begehrlichkeiten weckten. Doch nie zuvor hatten insbesondere Heranwachsende so viele alberne Kriterien zu erfüllen, um beim Blick in den Spiegel nicht in Tränen auszubrechen.

Die #BellyButtonChallenge beispielsweise suggeriert: Nur wer seinen Arm hinter dem Rücken entlangschlängeln kann und dann mit den Fingerspitzen den Bauchnabel berührt, hat eine "ordentliche" Taille - ordentlich heißt natürlich schlank. Dass man sich auch einfach einen Kuchenbauch anfuttern, einen Arm brechen und den dann mit dem anderen um den Körper herumführen könnte, scheint wenig zu interessieren.

Bauchnabel vs. Brüste

Laut Hashtag-Trends ebenfalls erstrebenswert ist ein verrutschter Stapel Münzen auf dem Schlüsselbein. Wer bei der #CollarboneChallenge vorne mitspielen will, braucht einen ausreichend ausgemergelten Oberkörper, um genügend Kleingeld zu platzieren. Sich für den Test in die Waagerechte zu begeben zählt vermutlich nicht.

Dass vor allem junge Frauen auf solche gleichermaßen ulkigen wie gefährlichen Netz-Phänomene anspringen, erklärt, wieso auch sie es sind, die sich dagegen wehren: Und zwar genau an dem Ort, der sie ihr Selbstbewusstsein zu kosten droht und mit genau den Mitteln, derer sich diejenigen bedienen, die sie klein halten.

In sozialen Netzwerken etablieren sie eigene Hashtags. Gegen akute Bauchnabel-Obsession soll beispielsweise #BoobsOverBellyButtons helfen - an die Brüste packen kann sich schließlich beinahe jeder.

Ist das Sport oder ist das ein Filter?

Es ist die Unsicherheit, die Menschen dazu treibt, sich selbst online zur Debatte zu stellen. Wer Netz-Trends mitmacht, verlangt Lob, Verständnis, Respekt - oder einfach nur eine Reaktion. Vielleicht stimmt es tatsächlich, dass Internetnutzer in einer Flut von Bildern und Informationen das dem Menschen ureigene Gefühl für sich selbst verlieren. Das Ich kann nur noch im Vergleich bestehen.

Wer sich andauernd ins Verhältnis zu anderen setzt, vergisst, dass eigentlich nur wenige Personen für einen direkten Vergleich herhalten können. Wenn da auf Instagram das Bild einer perfekt gebräunten, durchtrainierten, jungen Frau mit tollen Haaren prangt, kann der Betrachter nicht wissen, ob die Dame tatsächlich für all diese Vorzüge hart gearbeitet hat. Vielleicht lebt sie auf Hawaii, vielleicht ist sie von Kindertagen an in der Sportförderung, vielleicht haben ihre Eltern einen Friseursalon - oder vielleicht hat sie bei der Bildbearbeitung einfach nur einen tollen Filter benutzt.

Das Recht auf Make-Up

Erst im Vergleich entsteht der Rechtfertigungsdruck, der die Menschen an ihre Rechner treibt. Dort frönen sie der Selbstdarstellung oder verschanzen sich in Antihaltung, indem sie zum Beispiel ihre Wämpchen als #Dadbods zum Schönheitsideal erheben.

Die Youtuberin "Nikkie Tutorials" hat ihren eigenen Hashtag-Trend gestartet, damit sich Mädchen nicht mehr dafür schämen müssen, Make-Up total superspitze zu finden. Man müsse klarstellen, dass Schminke nicht nur dazu diene, Männern zu gefallen, Unsicherheiten oder Selbsthass zu verschleiern, sagt sie. Lippenstift, Rouge & Co. könnten auch einfach nur Spaß machen. Als Beweis dafür schminkt sie sich in einem ihrer Videos die eine Gesichtshälfte, die andere lässt sie unberührt.

#ThePowerOfMakeUp ist das ultimative Hybrid-Wesen zweier ungesunder Strömungen. Für einen optimalen Effekt muss die eine Seite des Gesichts so perfekt, die andere so unperfekt wie möglich wirken - Links #CollarboneChallenge, rechts #Dadbod. Nikkies Online-Aktivismus entlarvt den Teufelskreis der Hashtag-Bewegungen. Mit irgendetwas macht man sich eben immer angreifbar. Es ist die stete Reproduktion von Irrelevanz, die den Teufelskreis erst teuflisch macht. Wir verschwenden unsere Zeit.

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Quelle: n-tv.de

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