Ratgeber

Teuer, unrentabel, entbehrlich Verbraucherschützer: Stoppt Riester-Rente

Die Riester-Rente ist seit 20 Jahren am Start. Funktionieren tut sie für die wenigsten. Dass bei dem geförderten Angebot nicht beherzter zugegriffen wird, liegt nicht zuletzt an der mangelnden Rentabilität der Produkte. Verbraucherschützer fordern deshalb einen Neustart für die private Altersvorsorge.

Die staatlich geförderte private Altersvorsorge in Form der Riester-Rente wurde 2002 aus der Taufe gehoben, um die von der damaligen rot-grünen Bundesregierung beschlossene Senkung des gesetzlichen Rentenniveaus zu kompensieren. Doch das staatlich geförderte Vorsorgeprodukt stößt auf so einige Vorbehalte. Kritiker sehen und sahen darin eher eine Subventionierung der Banken- und Versicherungswirtschaft und eine De-facto- Rentenkürzung durch die Politik.

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Eine zusätzliche private Altersvorsorge tut not, um später nicht zu darben. Und wohl auch ein staatlich organisiertes Vorsorgeprodukt.

Denn die entsprechenden Produkte kosten den Sparer zu viel an Provisionen und Verwaltung. Das schmälert die Rendite der Sparer und bereichert stattdessen Banken und Versicherungen. Zudem senkt auch die mangelnde Flexibilität der Produkte durch ein staatlich begrenztes Risiko die Renditemöglichkeiten. Wenig verwunderlich, greifen so auch weit weniger Bürger als beabsichtigt auf das Vorsorgeprodukt zurück. Dabei tut eine zusätzliche private Altersvorsorge not, um später nicht zu darben.

"Stoppt die Riester-Rente - sonst sehen wir alt aus"

Zum ersten Mal haben sich nun die drei großen Verbraucherorganisationen in Deutschland zusammengeschlossen: die Bürgerbewegung Finanzwende, der Bund der Versicherten und der Verbraucherzentrale Bundesverband. Sie alle treibt ein gemeinsames Ziel an, sie fordern: Die Riester-Rente muss weg.

"Die Verbraucherallianz macht klar: Wenn Verbraucher ergänzend zur gesetzlichen Rente kapitalgedeckt sparen sollen, dann müsse dafür gesorgt werden, dass jeder gesparte Euro effizient eingesetzt wird. Das Bündnis fordert einen Neustart für die private Altersvorsorge und startet deshalb nun eine Kampagne, die sich an die Kanzlerkandidaten der politischen Parteien richtet: "Stoppt die Riester-Rente - sonst sehen wir alt aus." Die Verbraucherschützer treten für die Einführung eines öffentlich organisierten Vorsorgeangebots ein. Laufende Riester-Verträge müssten Vertrauensschutz genießen und weiter wie bisher gefördert werden. Verbraucher müssten auf eigenen Wunsch und kostenfrei aus ihren Riester-Verträgen in ein neues System wechseln können.

Insbesondere Geringverdiener sollten bei dem Konzept Unterstützung bei der Altersvorsorge erhalten. Generell solle aber gelten: Alle Vorsorgeangebote für Sparer müssen auch ohne Zulagenförderung funktionieren. Angebote müssen sich also aus sich selbst heraus rechnen. Dafür soll eine breit gestreute und langfristige Anlage mit Aktienschwerpunkt sorgen. Die bietet demnach Sicherheiten, auf teure Garantien kann verzichtet werden. So könne eine ordentliche Zusatzvorsorge für Verbraucher erreicht werden. Der beste Hebel, um das zu erreichen, seien niedrige Kosten und eine faire Ausgestaltung der Verträge. Wenn die Kosten im Vergleich zur Riester-Rente deutlich sinken, bringt das den Verbrauchern in den meisten Fällen sehr viel mehr als staatliche Zulagen, argumentiert das Bündnis.

Riester-Rente nicht mehr reformierbar

Verbraucher ohne Riester-Vertrag sollen in das neue Vorsorgeangebot einbezogen werden, können sich aber auch dagegen entscheiden. So ist Wettbewerb gewährleistet und private Anbieter erhalten ebenfalls eine Chance. Im Alter sollen Sparer flexibel wählen können, ob sie eine Verrentung, einen Auszahlungsplan oder eine Kapitalauszahlung bevorzugen.

"Die Riester-Rente wurde 20 Jahre lang reformiert. Mittlerweile ist klar, sie ist nicht reformierbar", argumentierte unter anderem der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (VZBV), Klaus Müller. "Es braucht ein einfaches und kostengünstiges Vorsorgeangebot für die Bürger", sagte der Mitbegründer der Bürgerbewegung Finanzwende und frühere Grünen-Politiker Gerhard Schick. Und Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten ergänzt: "Die Versicherungswirtschaft hat mit hohen Kosten und unfair kalkulierten Lebenserwartungen die Riester-Rente zum Desaster geführt. Ineffizient, intransparent und handwerklich schlecht umgesetzt, ist die Riester-Rente am Unvermögen der Versicherer gescheitert."

Insgesamt fließt bei durchschnittlichen Riester-Versicherungen immer noch nahezu jeder vierte eingezahlte Euro in die Kosten, ergab eine Finanzwende-Studie auf Basis der offiziellen Produktblätter.

Versicherungswirtschaft bangt um Pfründe

Bisherige Versuche, die Riester-Rente gegen ein öffentlich organisiertes Vorsorgeangebot auszutauschen, konnten wohl vor allem von der Versicherungswirtschaft und den Fondsgesellschaften erfolgreich verhindert werden. Doch auch Letztere zeigen sich von dem möglichen Aus der Riester-Rente wenig begeistert, da vor allem sie um ihre Pfründe fürchten. Der Branchenverband GDV schlägt stattdessen vor, die Garantie des Beitragserhalts von 100 auf 80 Prozent zu senken, um derart das angesparte Kapital rentabler am Finanzmarkt anzulegen.

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Die Initiatoren von "Stoppt die Riester-Rente" zeigen sich wenig beeindruckt und rufen vielmehr zur Beteiligung an einer Petition auf. Mit ihrer Unterschrift können Bürger ihre Unzufriedenheit mit den derzeitigen Vorsorgeprodukten zum Ausdruck bringen. Der Appell an die Kanzlerkandidaten: Wenn der Staat will, dass seine Bürger ergänzend zur gesetzlichen Rente privat vorsorgen, muss er ein kostengünstiges, einfaches und rentables Vorsorgeangebot bereitstellen.

Hier an der Petition teilnehmen

Quelle: ntv.de

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