Fußball

So läuft der zwölfte Spieltag Der FC Bayern müllert, BVB verdrängt Leid

Bis-Weihnachten-Cheftrainer Hansi Flick kann in der Fußball-Bundesliga auf mehrfache müllersche Konstanz setzen. Der BVB scheffelt Kohle und träumt irrational vom Titel. Derweil darf der SC Freiburg sich auf die spielerische und therapeutische Qualität von Nils Petersen verlassen.

Was macht der FC Bayern?

Bis zur Bundesliga-Partie bei Fortuna Düsseldorf am Samstag um 15.30 Uhr (wie alle Spiele im Liveticker bei n-tv.de) sollte die Trainerfrage geklärt sein. Sagte Uli Hoeneß, als er noch Präsident des FC Bayern München war. Das ist er seit nunmehr einer Woche nicht mehr, als er sich auf der Jahresversammlung seines Vereins erst mit einer launigen Rede verabschiedete und in der anschließenden Pressekonferenz mit launischen Antworten einen Ausblick gewährte, dass sein Ruhestand wohl eher wenig mit Ruhe zu tun haben wird. Aber zurück zum Sportlichen: Die Trainerfrage ist geklärt. Also bis Weihnachten. So lange bleibt Hansi Flick auf jeden Fall beim deutschen Fußball-Rekordmeister, er hatte mit zwei Zu-Null-Siegen nachdrücklich für sich geworben. Vor allem der übermächtige 4:0-Sieg gegen den Eigentlich-Dauerkonkurrenten Borussia Dortmund war Balsam für die ach so strapazierten Bayern-Seelen. Was im neuen Jahr passiert, ist allerdings noch offen. Vielleicht kommt der gerade bei Tottenham Hotspur entlassene Mauricio Pochettino? Eine entsprechende Frage auf der Spieltags-Pressekonferenz moderierte Flick ganz uncharmant weg: "Es ist nicht meine Aufgabe, einen Trainerkollegen zu analysieren. Das gehört sich nicht. Ich möchte mich nicht dazu äußern, das interessiert mich nicht."

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Thomas Müller darf bei Hansi Flick wohl wieder in der Startelf ran.

(Foto: imago images/Sven Simon)

Was ihn mehr interessieren dürfte, ist das Spiel in Düsseldorf. Dann nämlich sollten die Münchner ein Auge auf Rouwen Hennings haben, damit er nicht wie bei seinem Hattrick auf Schalke zum Spielverderber für den Favoriten wird. Allerdings: Spielverderber, also für den Gegner, gibt's auch im Bayern-Trikot. Robert Lewandowski ist so einer. Rein statistisch wäre es eine Sensation, wenn er im 19. Pflichtspiel nicht sein 24. Saisontor in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League erzielen würde. Zuletzt knackte er schließlich schon den 50 Jahre alten Tor-Rekord, den Gerd Müller in der Saison 1968/69 im Bayern-Trikot aufgestellt hatte. Sonst ist da ja auch noch Serge Gnabry. Der gegen Nordirland einen Rekord brach, den ebenfalls Gerd Müller im DFB-Trikot aufgestellt hatte. Tipp: Lewandowski trifft, Gnabry trifft auch, die Münchner siegen mit 3:0.

Wie ist die Stimmung bei Borussia Dortmund?

Der BVB eröffnet nach der Sponsorenvertragsverlängerung (39 Buchstaben in einem Wort, ein Hoch auf die deutsche Sprache) den Spieltag - an diesem Freitagabend um 20.30 Uhr gegen das Schlusslicht, den SC Paderborn. Dessen Trainer Steffen Baumgart beklagte dieser Tage, dass der Fußball für Otto Normalzuschauer, Ottilie Normalzuschauerin und ihre Kinder nicht mehr bezahlbar sei. "Vier Tickets, drei, vier Bratwürste, schon sind 250 Euro weg", so Baumgart. 250 ist dabei ein gutes Stichwort, denn so viel Geld bekommt der BVB bis 2028 dank seiner Sponsorenvertragsverlängerung (zugegeben, ich wollte das Wort einfach noch einmal benutzen). Allerdings nicht Euro, sondern Millionen Euro. Genug für eine Million Stadionbesuche mit vier Eintrittskarten und drei, vier Bratwürsten.

So viel Bratwurst kann ein Fan des BVB aber wohl gar nicht essen, dass er über die 0:4-Schmach beim FC Bayern am vergangenen Spieltag hinwegkommt. Wobei Trainer Lucien Favre über die Niederlage sagt, "sie ist verdaut. Und ich möchte nun nicht mehr darüber sprechen." Und Präsident Reinhard Rauball sagte selbstbewusst dem "Kicker": "Mir ist nicht bekannt, dass sich bei uns jemand davon verabschiedet hat, den Versuch zu unternehmen, die Schale wieder nach Dortmund zu holen. Ich tue es jedenfalls nicht." Tatsache: Aktuell steht der BVB auf Platz sechs. So droht es, eine spaßige Jahreshauptversammlung zu werden, die zwei Tage nach dem Duell mit dem Schlusslicht aus Ostwestfalen ansteht. Favre, der (Ab-)Gründe genug geliefert hat, damit er um seinen Job bangen muss, will von einer Ausbootung öffentlich nichts wissen. Seinem Ruf würde ein Heimsieg an diesem Spieltag wohl auch nur bedingt helfen, doch die Jahreshauptversammlung könnte er gelassener über sich ergehen lassen. Doch dass Paderborn Fußball spielen kann, haben sie bewiesen und zudem muss Favre auf Kämpfer Thomas Delaney verzichten, der sich im Länderspiel für Dänemark die Außenbänder im Sprunggelenk gerissen hat und bis Weihnachten ausfällt. Nico Schulz hat sich beim DFB einen Teilriss eines Bandes in der linken Fußwurzel zugezogen und muss deswegen ebenfalls pausieren. Tipp: Entspannung sieht anders aus, aber der BVB gewinnt 2:1.

Wo spielt der souveräne Tabellenführer?

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Viel Grund zur Freude: Während alle anderen immer mal wieder straucheln, setzt sich Borussia Mönchengladbach an der Tabellenspitze fest.

(Foto: imago images/Laci Perenyi)

In Berlin, genauer gesagt in Köpenick. Allerdings ist beim Stichwort Tabellenführer nicht die Rede vom dort heimischen 1. FC Union – obwohl die Eisernen dank drei Siegen aus vier Spielen als Tabellenelfter ihren miserablen Saisonstart überwunden haben. Aber der souveräne Tabellenführer, das ist natürlich Borussia Mönchengladbach. Seit dem siebten Spieltag führen die Fohlen die Liga an, und das werden sie auch nach dem zwölften. Egal, ob sie am Samstag um 15:30 Uhr mit 5:0 gewinnen oder mit 1:8 verlieren. Denn Gladbach hat sich mit acht Saisonsiegen einen Vier-Punkte-Vorsprung erarbeitet, während die Verfolger zwischen Platz zwei und Platz zehn immer wieder Punkte lassen.

Matthias Ginter präsentierte sich im DFB-Trikot gegen Nordirland als Abwehrchef mit Offensivqualitäten, der erst sehenswert traf und dann für Toni Kroos mustergültig auflegte. Der aggressive Ansatz von Trainer Marco Rose scheint aufzugehen, nicht nur für den Abwehrspieler. Union-Coach Urs Fischer sagt dennoch: "Wir haben keine Angst." Tipp: Trotzdem holen die Gäste ihren fünften Sieg nacheinander – und zwar mit 2:0.

Was ist sonst noch los?

Bayer Leverkusen – SC Freiburg: Mit einem Sieg kann der Tabellenachte Bayer Leverkusen mit dem Tabellenvierten SC Freiburg nach Punkten gleichziehen. Denn die Rangliste im Fußball-Oberhaus ist so eng, dass sogar den Zweiten und eben die Leverkusener gerade mal drei Punkte trennen. Deshalb spricht Verteidiger Sven Bender von einem Pflichtsieg:  "Wenn wir oben dabei bleiben wollen, musst du das Spiel gewinnen." Das Problem: Der SC Freiburg hat bis auf die zwei Partien gegen Union Berlin (Pokal und Liga) seit Ende August kein Spiel mehr verloren. Allerdings geht der SCF geschwächt in die Partie: Vincenzo Grifo fehlt rotgesperrt, Luca Waldschmidt fällt nach seiner üblen Gesichtsfraktur, dem Außenbandanriss im rechten Knie, dem Anriss des Innenbandes und der vorderen Syndesmose im Sprunggelenk sowie dem kleinen Muskelfaserriss in der Wadenmuskulatur - alles zugezogen im Länderspiel gegen Weißrussland - länger aus. Gut, dass die Freiburger noch Nils Petersen haben. In elf Ligaspielen traf er bereits sechs Mal. Auch ansonsten ist er unverzichtbar - als Quasi-Therapeut seines emotionalen Trainers Christian Streich: "Ich habe eine Verbindung auf emotionaler Ebene mit ihm. Das heißt, ich kann auf ihn einreden, damit er wieder runterfährt." Tipp: Die ausgeglichenen Freiburger sind schwer zu bezwingen - 1:1.

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Eintracht Frankfurt – VfL Wolfsburg: Sowohl die Eintracht (0:1) als auch die Wölfe (0:2) verloren am vergangenen Spieltag, sie liegen punktgleich auf Platz neun und zehn. Hinten hui, vorne pfui: Die Wolfsburger besitzen die stärkste Defensive der Liga (zehn Gegentore), aber im Angriff hapert es gewaltig. Erst elf eigene Tore gelangen dem VfL Wolfsburg, nur der 1. FC Köln hat noch ein Tor weniger geschossen. Und so gelang dem Team von Oliver Glasner in den vergangenen fünf Partien auch nur ein Sieg. Frankfurt hofft, dass Torjäger Bas Dost gegen seinen Ex-Verein knipst. Nicht mithelfen kann Abwehrmann David Abraham, dessen siebenwöchige Streich-Rempler-Sperre unter der Woche vom DFB-Gericht bestätigt wurde. Coole Aktion: Für eine Kampagne gegen Rassismus und für Vielfältigkeit gibt der SGE-Sponsor die Trikotbrust frei, auf der gegen den VfL der Slogan #PlatzfürVielfalt und die 14 Länderflaggen der jeweiligen Nationalität jedes Eintracht-Spielers prangen. Tipp: Mit Vielfalt ist man immer stärker - die Eintracht gewinnt 1:0.

Werder Bremen – FC Schalke 04 (alle Samstag, 15.30 Uhr): Werder kommt nicht vom Fleck. Trotz guter Leistungen werfen die Nordlichter defensive Aussetzer (besonders nach Standards) immer wieder zurück. Trainer Florian Kohfeldt freute sich deshalb über die Länderspielpause: "Wir haben viele Dinge ausführlich besprochen, haben in dieser Woche verstärkt an den Standards gearbeitet." Das Ziel Europapokal ist in Bremen in weite Ferne gerückt. Und so sagt Anführer Nuri Sahin: "Aktuell redet niemand über Europa, wir wollen und müssen erst mal punkten." Dabei helfen kann wieder Linksverteidiger Ludwig Augustinsson nach langer Verletzungspause, der laut Kohfeldt sogar ein Kandidat für die Startelf ist. Bei Schalke läuft es ungleich besser dieses Jahr - mit Neu-Trainer David Wagner stehen die Gelsenkirchener auf Platz sieben - punktgleich mit dem gelb-schwarzen Erzrivalen. Nicht laufen - beziehungsweise nicht "marschieren" - dürfen dafür die S04-Anhänger. Sie hatten einen gemeinsamen Fanmarsch vom Hauptbahnhof zum Weserstadion geplant, die Bremer Polizei rechnete mit 1200 Gästefans, darunter 340 Gewaltbereite und 55 Gewaltsuchende. Der Bremer Innensenators ging in einer Mitteilung "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" von gewalttätigen Auseinandersetzungen aus und sagte den Marsch per Erlass ab. Tipp: Werder spielt wie immer - 2:2.

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Für ihn wird's schwer im ersten Spiel: Kölns neuer Trainer Gisdol muss in Leipzig ran.

(Foto: imago images/Eduard Bopp)

RB Leipzig – 1. FC Köln (Samstag, 18.30 Uhr): Es wird der erste Auftritt des neu formierten 1. FC Köln. Achim Beierlorzer und Armin Veh? Das war einmal. Die Zukunft hört auf die Namen Markus Gisdol und Horst Heldt. Gut, mutige Personalentscheidungen sehen anders aus. Aber: Gisdol bewahrte sowohl die TSG Hoffenheim als auch den Hamburger SV in seiner ersten Saison jeweils vor dem Sturz in die Zweitklassigkeit. Und das ist in Köln derzeit das vorrangige Ziel. Um gut in diese Mission zu starten, könnte es allerdings kaum schlechtere Gegner geben, als den, bei dem der Effzeh antreten muss: Denn RB Leipzig ist nicht nur Tabellenzweiter, sondern hat seine jüngsten vier Pflichtspiele mit 20:3 Toren gewonnen. Tipp: Leipzig siegt mit 2:0.

FC Augsburg – Hertha BSC (Sonntag, 15.30 Uhr): Gegen Paderborn gewannen die Ausburger am vergangenen Spieltag zum ersten Mal seit Mitte September. Können sie gegen die Hertha aus Berlin nachlegen? Einfacher wird's ohne Offensivkraft Michael Gregoritsch sicher nicht, aber dennoch schmiss der FCA ihn "wegen vereinsschädigender Äußerungen" vorerst aus dem Kader. In einem Interview hatte er verkündet, im Winter wechseln zu wollen. Die Berliner Elf von Ante Covic verlor die letzten drei Bundesligapartien und hat gerade aufgrund der kommenden Aufgaben (zu Hause gegen den BVB, dann in Frankfurt) einen Sieg mal wieder bitternötig. Vor der Negativserie blieb man vier Mal in Folge ungeschlagen, davor wiederum verlor die Hertha ebenfalls dreimal hintereinander. Konstanz sieht anders aus. Tipp: 1:2, weil die Hertha so schön inkonstant spielt, dass sie jetzt mal wieder gewinnen muss.

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Alles hört auf mein Kommando: Achim Beierlorzer macht nun bei Mainz die Ansagen.

(Foto: imago images/Martin Hoffmann)

TSG Hoffenheim – 1. FSV Mainz 05 (Sonntag, 18 Uhr): Nicht nur in Köln gibt es einen neuen Trainer: Achim Beierlorzer, vor Kurzem noch an der Seitenlinie bei eben diesem Effzeh, coacht nun die Mainzer. Als erstes wird er die Abwehr stärken müssen, denn die 05er sind mit 30 Gegentreffern die Schießbude der Liga. Aber auch magere zwölf geschossene Tore machen nicht gerade Hoffnung auf Punkte in den nächsten Spielen. Hoffenheim dagegen hat seit Ende September nicht mehr verloren, sammelte sogar fünf Ligasiege in Folge und kletterte klammheimlich auf Platz fünf in der Tabelle. Beierlorzer hätte sich bestimmt eine weniger formstarke Truppe als ersten Gegner gewünscht. Tipp: Aber die Bundesliga ist kein Wunschkonzert und so setzt es für den neuen 05-Trainer gleich mal die erste Niederlage - 2:0.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Thomas Müller ist auch für einen Trainer immer eine große Herausforderung. Man weiß nie, was jetzt für ein Spruch kommt." (Trainer Hansi Flick über Bayern-Profi Thomas Müller)

Quelle: ntv.de