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"New Horizons" kurz vor dem Ziel Alles Wissenswerte zur großen Pluto-Party

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Der Zwergplanet Pluto: Diese jüngste Aufnahme stammt vom 11. Juli 2015.

(Foto: Nasa)

Ein großer Moment der Raumfahrt-Geschichte steht unmittelbar bevor: Am morgigen Dienstag wird sich zum ersten Mal eine von Menschen gemachte Sonde dem ehemals neunten Planeten Pluto nähern. Wir zeigen Ihn das Wichtigste, was sie dazu wissen müssen.

Was ist Pluto überhaupt?

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Nasa-Mitarbeiter reagieren begeistert auf die jüngsten Fotos der Sonde "New Horizons" vor der Annäherung am morgigen Dienstag.

(Foto: Nasa)

Pluto gehört zu den Zwergplaneten - einer Gruppe von derzeit fünf Himmelskörpern in unserem Sonnensystem. Er hat einen Durchmesser von etwa 2300 Kilometern und besteht wohl zu knapp einem Drittel aus Wassereis und zu mehr als zwei Dritteln aus Gestein. Er gehört zu den am weitesten von der Sonne entfernten Objekten - derzeit trennen ihn etwa fünf Milliarden Kilometer vom Zentralgestirn. Das hat zur Folge, dass es auf Pluto sehr kalt ist: im Schnitt minus 230 Grad Celsius.

Hat Pluto nicht auch einen Mond?

Insgesamt hat Pluto sogar fünf Monde. Davon sind vier winzig klein, einer hat hingegen eine beachtliche Größe: Charon. Der Name wurde passend zu Pluto ("Gott der Unterwelt") gewählt und stammt von dem Fährmann, der in der griechischen Mythologie die Verstorbenen über den Totenfluss in das Reich des Totengottes Hades bringt - der bei den Römern Pluto hieß. Der Mond ist im Verhältnis zu Pluto relativ groß, hat etwa den halben Durchmesser und rund ein Zehntel seiner Masse. Deshalb gelten die beiden auch als "Zwerg-Doppelplanetensystem".

Und was ist "New Horizons"?

Es handelt sich um eine Raumsonde der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Sie startete am 19. Januar 2006 und ist damit bereits mehr als neun Jahre unterwegs. Die Sonde fliegt nach einem Swing-by Manöver am Jupiter mit einer Geschwindigkeit von rund 83.000 Stundenkilometern durchs All. Mittlerweile hat sich - aufgrund der starken Anziehungskraft der Sonne - diese Geschwindigkeit wieder auf etwa 52.000 Stundenkilometer verringert. Sie wiegt etwa eine halbe Tonne und hat eine breite Palette an Instrumenten an Bord: unter anderem Kameras für sichtbares Licht, Spektrometer, eine Radio-Antenne und Staubpartikel-Messer.

Warum wurde die Sonde zum Pluto geschickt?

Die Nasa-Sonde soll zum Verständnis der Region am äußeren Rand unseres Sonnensystems beitragen. Diesen nennt man den Kuipergürtel; es ist eine Region mit zigtausend eisigen Objekten. Pluto ist nur eines von ihnen. Allerdings liegt Pluto im Unterschied zu den vielen anderen Himmelskörpern des Kuipergürtels vergleichsweise nah an der Erde - und ist mit einem Raumschiff daher gut zu erreichen.

Welche Untersuchungen wird "New Horizons" an Pluto vornehmen?

Die Sonde wird eine genaue Karte der Oberfläche von Pluto und seines Mondes Charon erstellen. Zudem soll der globale geologische Aufbau beider Körper bestimmt werden. Auch eine Untersuchung der dünnen Atmosphäre von Pluto ist geplant. Daneben gibt es noch eine Anzahl weiterer Untersuchungen.

Wie ist der genaue Zeitplan für die Pluto-Annäherung? Und wann wird es die ersten scharfen Nahaufnahmen von Pluto geben?

"New Horizons" nähert sich Pluto derzeit mit einer Geschwindigkeit von 1,2 Millionen Kilometern pro Tag. Am Dienstag, 14. Juli 2015, um 13 Uhr 49 und 57 Sekunden mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ), wird die Sonde dem Zwergplaneten am nächsten kommen: bis auf 12.500 Kilometer. Davor wird die Sonde in der Nacht zwischen Montag und Dienstag ein letztes Foto zur Erde schicken - bis sie für 24 Stunden die Kommunikation mit der Erde einstellt, um ihre Instrumente auf den Zwergplaneten und seinen Mond auszurichten. Geht alles gut und übersteht "New Horizons" den Vorbeiflug, sendet sie am Mittwoch, 15. Juli, dann die ersten Bilder des Vorbeifluges, die gegen etwa 14 Uhr 30 MESZ vorliegen sollen. Die schärfsten Bilder von der Pluto-Oberfläche erreichen die Erde aber erst am Donnerstag, 16. Juli, um etwa 4 Uhr 25 MESZ.

Wie geht es nach dem Vorüberflug mit "New Horizons" weiter?

In den folgenden Wochen und Monaten wird die Sonde ihre während der Annäherung an Pluto gesammelten Daten zur Erde funken. Aufgrund der großen Entfernung wird das ein langwieriges Unterfangen: Etwa zwei Monate wird es dauern, bis alle Bilder auf der Erde ankommen. Bis alle gesammelten wissenschaftlichen Daten die Erde erreichen, wird sogar ein ganzes Jahr vergehen. Im November 2016 soll dieser Prozess abgeschlossen sein. Die Sonde "New Horizons" wird unterdessen weiterfliegen und soll in den Jahren 2018 bis 2019 mindestens ein weiteres, aber kleineres Objekt des Kuipergürtels untersuchen. Welches genau, wird noch entschieden. Ihre Lebensdauer soll bis zum Jahr 2025 reichen.

Wieso gilt Pluto eigentlich nicht mehr als neunter Planet?

Bis 2006 wurde Pluto noch als Planet bezeichnet - er war der neunte neben Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Doch dieser Status wurde ihm schließlich aberkannt. Warum? Zunächst ist er bedeutend kleiner als alle anderen Planeten und hat im Unterschied zu diesen auch eine stark geneigte Umlaufbahn um die Sonne. Auch wurden nach und nach immer weitere Objekte in derselben Region entdeckt, wie etwa Eris, der sogar etwas größer als Pluto ist. Anstatt Eris zum zehnten Planeten zu machen, ersann die internationale Astronomen-Vereinigung die neue Kategorie der Zwergplaneten. Allerdings hält die Debatte um Plutos Status an.

Woher hat Pluto seinen Namen - und was bedeutet er?

Der Zwergplanet Pluto ist nach dem römischen Gott der Unterwelt benannt. Die Idee dazu hatte aber nicht etwa ein Wissenschaftler, sondern ein damals elf Jahre altes Mädchen: Venetia Phair. Sie ist 2009 mit 88 Jahren gestorben. Ihr Großvater hatte ihr 1930 aus der Zeitung vorgelesen, dass ein neuer Planet entdeckt worden sei. Daraufhin sagte Venetia, die von den griechischen und römischen Legenden in Kinderbüchern gelesen hatte und die Namen der anderen Planeten kannte: "Warum nennen sie ihn nicht Pluto?" Ihr Großvater, ein Bibliothekar, erzählte daraufhin einem befreundeten Astronom von der Idee. Der wiederum gab sie an die Entdecker im Lowell-Observatorium im US-Bundesstaat Arizona weiter - und die nahmen den Vorschlag an.

Wo bekomme ich noch mehr Informationen zu Pluto und "New Horizons" her?

Wirklich fast alles, was es zu der Mission "New Horizons" zu wissen gibt, finden Sie auf der eigens dafür von der Nasa eingerichteten Webseite. Für Fans stellt die US-Raumfahrtbehörde auch ein "Plutopalooza Toolkit" (frei übersetzt: Ausrüstung für die wilde Pluto-Party) zur Verfügung. Viel Spaß!

Quelle: ntv.de, kst