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Wohin steuert "New Horizons" jetzt? Bis zum Pluto - und noch viel weiter

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Diese Illustration zeigt das Planetensystem "Epsilon Eridani", das zwei Asteroiden-Gürtel beheimatet.

(Foto: Nasa)

Die Raumsonde "New Horizons" setzt mit ihren Bildern von Pluto einen Meilenstein in der Erforschung unseres Sonnensystems. Doch was passiert nun? Die Sonde wird nicht einfach entsorgt - ein neues potenzielles Ziel gibt es bereits.

Clyde Tombaughs Asche rast immer tiefer ins All. Die Überreste des Pluto-Entdeckers - besser gesagt: Teile davon - sind an Bord der Sonde "New Horizons", die uns in den vergangenen Tagen einzigartige Bilder und Daten des Zwergplaneten geliefert hat. Damit hat der Astronom Tombaugh wohl nicht nur den außergewöhnlichsten, sondern mit rund 50.000 Kilometern pro Stunde auch den schnellsten Bestattungsort, den jemals ein Mensch hatte.

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"New Horizons" hat bislang nie gesehene Bilder von Pluto an die Erde geschickt.

(Foto: AP)

Derzeit liegt dieser Ort von der Erde aus gesehen mehr als acht Millionen Kilometer hinter Pluto. Denn so weit ist die Sonde bereits wieder von Pluto entfernt - "New Horizons" flog an dem Ex-Planeten nur vorbei. In eine Umlaufbahn schwenkte die Sonde nicht ein, zu aufwendig und zu teuer wäre das Bremsmanöver gewesen, das man hätte durchführen müssen. So entschloss man sich dafür, Pluto aus der Entfernung von 12.500 Kilometern im Vorbeiflug zu betrachten.

Damit stellt sich aber unweigerlich die Frage: Was nun? Verschwindet "New Horizons" - und mit ihr die Asche Tombaughs - nun sang- und klanglos in den schwarzen Tiefen des Weltalls? Nein. Im Gegenteil. Auch wenn mit der Pluto-Passage der öffentlichkeitswirksamste Teil der Mission vorbei ist, "New Horizons" könnte auch weiterhin halten, was ihr Name verspricht: Viele neue Horizonte auftun.

Die Daten, die die Messgeräte beim Vorbeiflug an Pluto und seinem außergewöhnlich großen Mond Charon gesammelt haben, sind noch lange nicht alle bei uns angekommen. Spektakuläre Bilder haben wir bereits gesehen, aber es dauert sehr lange, bis die enorme Datenmenge über eine solche Distanz zur Erde übermittelt wird. Erst Ende 2016 werden alle Daten des Vorbeiflugs in den Nasa-Rechenzentren gelandet sein - ausgewertet sind sie dann noch nicht.

Auf zu neuen Horizonten

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Grafische Darstellung von PT1. Wie der Felsbrocken wirklich aussieht, könnte "New Horizons" beantworten.

(Foto: NASA/ESA/G. Bacon (STScI))

Doch das Datensammeln ist mit der Pluto-Passage nicht vorbei. Denn Pluto befindet sich in einer äußerst interessanten Umgebung. Nicht umsonst hat er völlig zu Recht seinen Planetenstatus im Jahr 2006 verloren. Was nämlich Tombaugh und seine Kollegen bei der Entdeckung vor 85 Jahren noch nicht wussten: Pluto ist ein Teil des sogenannten Kuiper-Gürtels, eine Ansammlung von Zehntausenden größeren und kleineren Asteroiden, die außerhalb der Neptun-Bahn um unsere Sonne kreisen. Mit anderen Worten: Pluto ist eigentlich ein großer Asteroid - der Begriff "Zwergplanet" ist verwirrend, bezeichnet aber nichts anderes als das.

"New Horizons" rast also derzeit mit 50.000 Kilometern in der Stunde durch den Kuiper-Gürtel. Und was die Sonde dort erwartet, ist aus wissenschaftlicher Sicht mindestens genauso spannend wie der Vorbeiflug an Pluto. Bereits im vergangenen Jahr hat die Nasa mit dem Hubble-Teleskop Objekte im Kuiper Belt (sogenannte KBO, "Kuiper-Belt-Objects") gefunden, die "New Horizons" möglicherweise passieren könnte. Der heißeste Kandidat für einen Vorbeiflug ist "PT1". Der rund 30 bis 45 Kilometer große Felsbrocken kreist rund eine Milliarde Kilometer hinter Pluto um die Sonne.

Im August soll endgültig entschieden werden, wo die Reise hingeht - hauptsächlich hängt das vom Treibstoffverbrauch ab, denn eine Kursänderung kann ordentlich an die Ressourcen gehen. Bereits im Januar 2019 könnte dann der Vorbeiflug an PT1 erfolgen. Astronomen versprechen sich viele Erkenntnisse von einem solchen Manöver. Denn die Asteroiden, die man bislang aus der Nähe betrachten konnte, stammen allesamt aus einer ganz anderen Region unseres Sonnensystems: aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. So zum Beispiel Ceres.

2026 geht das Plutonium aus

Wissenschaftler blicken also mit Spannung auf die KBO. Sie erhoffen sich Antworten auf viele Fragen, die sie umtreiben: Unterscheiden sich diese Objekte von den bereits bekannten Asteroiden? Welche Bedingungen herrschten im frühen Sonnensystem, von dem die Objekte im Kuiper-Gürtel erzählen können? Die Messinstrumente an Bord von "New Horizons" bieten ganz neue Möglichkeiten, diese uns völlig unbekannte Umgebung zu erforschen. Angefangen damit, mit PT1 erstmals ein typisches Objekt aus dem Kuiper-Gürtel aus der Nähe zu fotografieren.

Auch wenn die Bilder von Pluto zweifellos ein Meilenstein in der Erforschung unseres Sonnensystems sind, steht fest, dass wir dank "New Horizons" noch viele weitere Einblicke bekommen werden. Die laufende Mission wird voraussichtlich im Jahr 2026 beendet werden, wenn die Plutonium-Reserven an Bord zur Neige gehen. Daraufhin wird die Sonde in unregelmäßigen Abständen Daten aus der Heliosphäre im äußersten Sonnensystem schicken, wie es derzeit auch die Voyager-Sonden tun.

Im Jahr 2047 wird "New Horizons" dann die Heliopause erreichen - dort endet der Einfluss der Sonne vollständig und der interstellare Raum beginnt. Ob und wie lange dann noch Kontakt zu der Sonde besteht, steht im wahrsten Sinne des Wortes in den Sternen. Sicher ist nur eines: Irgendwann verschlucken die schwarzen Tiefen des Universums "New Horizon". Und mit ihr die Asche von Clyde Tombaugh.

Quelle: n-tv.de

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